Theater in Braunsbach: Auf der Bühne fließt Wasser

Es wird mystisch bei den Freilichttheateraufführungen: Sagen über „Das Wasserfraale von Orlach“ und „Das Drachenloch von Elzhausen“ hat Katharina Hartmann zu einem Bühnenstück umgeschrieben.

|

Doch vor den Theateraufführungen steht der Kulissenbau an. Damit die tanzenden und singenden Nixen und Elfen, der Wassergeist und der böse Drache aus einer authentischen Sagenwelt entspringen können, muss viel Vorarbeit geleistet werden. In wenigen Wochen ist Premiere, bis dahin müssen die beiden Bühnen fertig sein.

Um das zu gewährleisten, arbeiten einige Männer und ein junges Mädchen fleißig jedes Wochenende an den Kulissen. Bürgermeister Frank Harsch schätzt, dass es an die 300 Stunden Arbeitszeit sind, die die freiwilligen Helfer leisten. „Es wird dieses Jahr auf der kleineren Bühne ein bäuerliches Wohnzimmer geben und auf der größeren Bühne entsteht die Kulisse für den Wassergeist. Sogar echtes Wasser wird fließen.“ Wenn die Kulissen fertig sind, wird der Wassergeist mit seinen Nixen und Elfen durch eine Felslandschaft ein- und ausgehen. „Natürlich ist das ein großer Aufwand für vier Aufführungen. Aber wir schaffen das, wir haben bisher alles geschafft“, sagt Stefan Frey. Er hat sich zusammen mit seiner Frau Helga, die unter anderem auch bei der Regie mitwirkt, den Kulissenaufbau ausgedacht. „Man hat die Geschichte im Kopf und daraus entsteht ein Bild“, so Stefan Frey.

Aus Holz, Styropor, echtem Moos und viel Farbe wird eine Felslandschaft entstehen. Sogar eine Treppe wird eingebaut, auf welcher der Wassergeist hinunter schreiten wird. Um diese kümmern sich gerade Robert Hartmann und Gabriela Rogala. Die Dreizehnjährige ist an diesem Wochenende die einzige weibliche Person, die beim Bauen hilft. „Ich lebe erst seit neun Monaten hier, da wurde ich irgendwann gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mitzumachen. Und da habe ich Ja gesagt“, erzählt das junge Mädchen, das aus Polen stammt. Dort hat sie auch schon beim Handwerkern geholfen und kennt sich schon ein wenig aus. „Mir macht das Spaß.“ Nächstes Jahr möchte sie auch mitspielen. Dieses Jahr konzentriert sie sich voll auf den Kulissenbau.

Kürzen mit der Kettensäge

Unter Anleitung von Robert Hartmann bohrt, sägt und misst die Schülerin die Treppenstufen aus. Hartmann, der gelernter KFZ-Mechaniker ist, hat eine eigene Holzwerkstatt. „Mir macht das echte Freude, hier mitzuhelfen und zu bauen. Jeder kann irgendwas.“ Er hilft allerdings nur hinter den Kulissen, auf der Bühne zu stehen ist nicht sein Ding.

Robert Hartmann lobt Gabriela. „Sie macht ihren Job wirklich gut.“ Schwindelfrei steigt das Mädchen auf eine hohe Leiter und hält einen Balken fest, von dem Robert Hartmann das hintere Ende mit der Kettensäge kürzt. Hartmann beruhigt sie, sie müsse keine Angst um ihre Hand haben. Stefan Frey, der die Szene beobachtet, schmunzelt: „Keine Angst, Gabi, ich hab dem Robert auch schon oft assistiert und meine Hände sind noch dran.“ Bei all der Arbeit, dem Schweiß und den Sägespänen im Haar bleibt der Humor nicht auf der Strecke.

Das Maskottchen des Theaters, Schäferhündin Chiara (10), beobachtet alles von ihrem Schattenplatz aus. Erst als die Motorsäge anfängt zu kreischen, verlässt sie fluchtartig ihren Platz. Das war dann doch zu laut für die sensiblen Hundeohren.

Nach den Aufführungen im Juli werden die Bühnen wieder abgebaut und eingelagert. „Sonst würden sie nur verwittern“, meint Frank Harsch. „Und nächstes Jahr werden sie wieder aufgebaut, je nachdem welches Stück dann gespielt wird. Sonst hätten wir ja nichts mehr zu tun“, witzelt er. Es gibt mittlerweile einen großen Fundus an Bühnenteilen, erzählt Robert Hartmann. Wer weiß, welches Teil man für ein neues Stück im nächsten Jahr wieder brauchen kann, noch steht nicht fest, was dann gespielt wird.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Die „BG“ setzt Zeichen gegen den explodierenden Markt

Die Baugenossenschaft Crailsheim kritisiert die Wohnbaupolitik der letzten Dekade und realisiert 43 neue Wohnungen im Stadtteil Türkei. weiter lesen