Tätowieren: Kunst und Handwerk Bauzeichner Mario Rieger hat in Westheim sein Hobby zum Beruf gemacht

Seit Jahrtausenden tätowieren sich Menschen die Haut - als rituelles oder sakrales Symbol. Manchmal auch zur Ausgrenzung. Mario Rieger tätowiert in Westheim. Für ihn ist das Kunst und Handwerk.

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Im August 2011 hat sich Mario Rieger einen Traum erfüllt und in Westheim sein erstes eigenes Tattoo-Studio eröffnet. Zuvor hatte er schon sieben Jahre lang in Schwäbisch Hall bei einem Tätowierer gearbeitet und Erfahrung gesammelt. Zeichnen und Malen war schon früh seine Leidenschaft. "Meine Eltern haben das immer unterstützt und mir schon als kleines Kind Farbstifte gekauft", erinnert sich der 45-Jährige. Nach der Schule absolvierte Mario Rieger eine Lehre zum Bauzeichner und arbeitete 28 Jahre beim staatlichen Hochbauamt in Hall. Zur Zeit ist er beurlaubt.

Riegers Zeichenkunst war im Freundeskreis bekannt, so kam es zu ersten Anfragen, ob er für sie ihre Tattoos entwerfen könnte. Vom Stechen hatte er noch keine Ahnung, berichtet er. Erst 2004 lernte er den Haller Tätowierer Kevin Heath kennen, der ihm das Handwerk beibrachte. Anfangs übte Rieger auf Kunsthaut - denn was er sticht, ist bleibend, lässt sich nur sehr schwer durch Lasern wieder entfernen. "Angefangen habe ich mit kleinen Zeichen und kleinen Schriftzügen", erinnert sich der Fichtenberger. Während seiner Lehre zum Bauzeichner hat Mario Rieger Kalligraphie gelernt - die Kunst des Schönschreibens. Das kommt ihm nun zu Gute.

Beim Tätowieren rückt der Kunsthandwerker seinem Kunden nicht nur auf die Pelle, er geht tatsächlich unter die Haut, er verletzt den Körper des anderen. Wie geht Rieger damit um? " Man hat Respekt", sagt er. Kleine Fehler könne er meist noch korrigieren. Schwierig sei die Arbeit, wenn der Kunde sich unruhig bewegt. "Manche erzählen mir während dem Stechen ihre halbe Lebensgeschichte und fangen dann an sich zu bewegen."

Für ein handtellergroßes Portrait benötigt Rieger etwa drei bis vier Stunden. Das arbeitet er in einem Stück. Acht Stunden am Stück könne man nicht tätowieren - die Arbeit strengt an, geht auf den Rücken, die Schultern. "Man muss die ganze Zeit hochkonzentriert sein, damit man keine Fehler macht."

Viele Tattoos zeichnet Mario Rieger freihand auf die Haut. Möglich sei auch, das Motiv mit Pauspapier wie ein Abziehbild auf die Haut zu kleben und dann nachzustechen. Oder direkt mit einem Filzstift auf die Haut zu zeichnen. Viele Menschen haben Hautallergien - wie ist sicher gestellt, dass die Kunden das Prozedere und die Farbe vertragen? Rieger: "Wir verwenden fürs Tätowieren nur Farben, die eine zertifizierte EU-Norm haben." Das Gesundheitsamt überprüfe die Einhaltung.

Welche Stellen schmerzen besonders beim Tätowieren? "Am Schlimmsten sind der Fußrücken und der Rippenbogen. Nicht so schlimm ist der Oberarm. Aber jeder ist da individuell schmerzempfindlich." Mario Rieger hat sich schon selbst tätowiert - ein Motiv auf seine Wade. Es sollen noch weitere Tattoos hinzukommen. "Vielleicht etwas von Star Wars oder Wildtiere." Die soll ein befreundeter Tätowierer stechen.

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