Szenen einer Kleinstadt: Württembergische Landesbühne glänzt in Ilshofen

Nach der Uraufführung in Esslingen bringt die WLB die schwäbische Komödie von Oliver Storz auch nach Ilshofen: viel Publikum - viel Beifall.

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Überforderter Sheriff: Intrigen, Nachbarschaftsstreit und Volksaufstand sorgen für Heiterkeit.  Foto: 

Nur zwei Wochen nach dem Johnny-Cash-Revival der Württembergischen Landesbühne war die Ilshofener Stadthalle am Sonntag schon wieder ausverkauft. Erneut warteten einige Interessierte an der Abendkasse vergeblich auf freie Plätze. Sie verpassten einen äußerst amüsanten Theaterabend.

Live-Musik gab es zwar diesmal keine, aber dafür alles, was eine gute Komödie ausmacht: pointierte Dialoge, eine witzige Story mit ernstem Hintergrund und Klamauk auf hohem Niveau. In einem schwäbischen Stück wird natürlich Dialekt gesprochen, nahe am Original, aber noch gut verständlich. Und wie man es vom Erfolgsautor und Filmemacher Oliver Storz gewohnt ist, darf ein wenig Lokalkolorit aus seiner Heimatstadt Schwäbisch Hall nicht fehlen. Schon Mitte der 80erJahre wurde "Der Sheriff von Linsenbach" für das ZDF verfilmt. Erst jetzt, vier Jahre nach dem Tod von Oliver Storz kam bei der WLB die Bühnenfassung zustande.

Das komödiantisch versierte Ensemble aus Esslingen wird sogar mit Fernseh-Prominenz verstärkt: Wieland Backes - bekannt als Talkshow-Moderator im Nachtcafé - gibt sein Debüt als Schauspieler. Er versucht als Rathauspförtner zwar weitgehend im Hintergrund zu bleiben, betulich und ein wenig schwer von Begriff, erntet aber dennoch reichlich Szenenapplaus.

Überhaupt spart das Ilshofener Publikum nicht mit Anerkennung zwischendurch. Manchmal sind die Pointen noch gar nicht ausgespielt. Irgendwie ist jeder Satz ein Treffer, und die Szenen sind gespickt mit witzigen Regieeinfällen. Spielleiterin Christine Gnann zeichnet in liebevollen Details das Leben in der Kleinstadt nach. Im Mittelpunkt Hermann Zettler, Spießbürger, Griffelspitzer und Ordnungspedant, dargestellt von Martin Theuer: rundlich, unbeholfen und durch das lädierte rechte Bein zudem gehandicapt, aber ein Energiebündel und Gerechtigkeitsfanatiker.

Auf dem Erfolgsrezept steht als wichtige Zutat auch das Bühnenbild von Judith Philipp. Ein Holzkarussell mit zwei Spielebenen. Der Bürgermeister (Antonio Lallo) vermag in seiner Amtsstube nicht aufrecht zu stehen, sein windiger Adlatus Ruckgaber (Tobias Strobel) kann dort aber halsbrecherisch herumturnen. Die eleganten Meerfeldts (Kristin Göpfert und Christian A. Koch) feiern Partys auf ihrer Dachterrasse. Intrigen, Nachbarstreitigkeiten und sogar ein Volksaufstand sorgen für reichlich Turbulenz und Heiterkeit beim Publikum.

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