System mit Laufmaschen

Die Feuerwehren im Landkreis kämpfen mit Alarmierungsfehlern. Jetzt will das Landratsamt mit einer Arbeitsgruppe reagieren. Dabei hat die Crailsheimer Wehr schon vor mehr als einem Jahr Probleme angesprochen.

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Verkehrsunfall bei Westgartshausen: Die Feuerwehrabteilung des Ortes rückt aus. Benötigt werden aber auch die hydraulischen Rettungsscheren der Crailsheimer Kernstadtwehr, um eingeklemmte Personen freischneiden zu können. Doch diese ist nicht parallel alarmiert worden.

"Fakt ist, dass die Alarmierung derzeit nicht den notwendigen Sicherheitsstandard erfüllt", protestierte der Crailsheimer Stadtbrandmeister Tilman Wagner bei der Hauptversammlung der Gesamtwehr am 9. März in Ingersheim. Ein Crailsheimer Problem sei das nicht, betonte er. Ihm seien mehrere Wehren bekannt, die ebenfalls klagen.

Wagner spricht von einer "desaströsen Situation". Schon bei der Abteilungsversammlung der Kernstadtwehr am 16. Januar schlug er Alarm. Er habe sich lange überlegt, ob er "erneut in dieses Wespennest" steche. Seither hätte sich "eine Reihe weiterer, teilweise sehr kritischer, fehlerbehafteter Alarme fortgesetzt. Gott sei Dank ist hierbei niemand zu Schaden gekommen."

Grund sei eine neue Alarmierungssoftware für die Feuerwehren namens CAT, die in der Haller Leitstelle seit zwei Jahren verwendet wird. Wagners Recherchen ergaben, dass der Fehler nicht bei den Mitarbeitern des Roten Kreuzes liegt, die in der Leitstelle arbeiten. Der Fehler liege am System: "Dieses Programm ist derart anwenderfeindlich, dass es in Worten gar nicht auszudrücken ist", schimpft Wagner.

"Wir haben keine Falschalarmierungen", betont dagegen der Kreisbrandmeister für den Westkreis, Jürgen Mors, "sondern unvollständige Alarmierungen." Dennoch hat das Landratsamt reagiert. Die Probleme erforderten "zügige Abhilfe", teilte die Behörde am 14. März dieses Jahres mit. Die deutlichen Worte Wagners hatten den Ersten Landesbeamten Michael Knaus, im Landratsamt zuständig für den Brand- und Katastrophenschutz, aufgeschreckt. Unter seiner Leitung soll eine Arbeitsgruppe mit Feuerwehr-leuten die Alarmierungsfehler analysieren. Sie tagte gestern erstmals.

Allerdings ist schon viel länger bekannt, dass es mit dem System Probleme gibt. Schon ein Jahr zuvor, bei der Hauptversammlung der Crailsheimer Wehr am 18. März 2011 in Westgartshausen, hatte Wagner sich direkt an den anwesenden Ersten Landesbeamten Knaus gewandt: Er möge sich "bitte sehr intensiv damit befassen", vorhandene Fehler seien zu eruieren und zu eliminieren. Knaus sagt, er habe seinerzeit die Leitstelle aufgefordert, mit den Wehren zu reden. Von falschen Alarmierungen sei noch keine Rede gewesen.

Die Schwierigkeiten begannen vor allem mit einer vom Landratsamt angeordneten Sysiphus-Arbeit. Die Feuerwehren sollten das Programm selbst mit ihren Zielangaben füttern. Dass dies viel Arbeit macht, "das war uns klar", sagt Knaus heute. "Aber wir waren davon überzeugt, dass dies der richtige Weg ist, weil man zielgerichteter alarmieren kann." Die Feuerwehrleute würden selbst am besten wissen, wie sie alarmiert werden müssen, damit nicht die ganze Wehr wegen einer brennenden Waschmaschine ausrücken muss.

Es habe Bedienungs- und Eingabefehler gegeben, räumt Knaus ein. Er sieht die Ursache aber auch in den Servern der Leitstelle, die im November abschmierten. Seither seien auch keine neuen Zielmarkierungen mehr programmiert worden, betont Kreisbrandmeister Mors. Die Server sollen nun für eine halbe Million Euro ersetzt werden.

Knaus sieht noch einen Grund: "Das Programm ist von einem Mitarbeiter der Leitstelle umgestrickt worden - unauthorisiert." Mors weiß, warum: Er habe das System an besondere Crailsheimer Alarmierungswünsche anpassen wollen.

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