Schloss Tempelhof: Die Vielfalt des Ganzen

Im Symposium „Boden wieder gut machen“ am Tempelhof stehen Erfahrungsberichte von Landwirten und Gärtnern im Fokus.

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Die Genossenschaft ist dem Ziel der Entwicklung, Planung, der Errichtung und dem Betrieb von sozial-ökologischen Siedlungen verpflichtet, heißt es in der Satzung der Schloss Tempelhof eG. Der ökologische Anspruch bezieht sich auch auf die weitgehende Selbstversorgung mit Lebensmitteln. Die eigene Gärtnerei und der Landbau werden begleitet von Veranstaltungen, um die Erfahrungen mit Permakultur, mit nachhaltiger, solidarischer und sogar aufbauender Landwirtschaft auszutauschen und zu vertiefen.

Vom 27. bis 29. Januar findet das Symposium „Aufbauende Landwirtschaft“ statt. Stefan Schwarzer und sein Team haben das Wochenende von Freitag, 14 Uhr, bis Sonntag, 13 Uhr, vor allem als Treffpunkt innovativer Praktiker konzipiert. Das Symposium wendet sich, wie der im Home-Office halbtags für die UN in Genf arbeitende Geograf ausführt, „an konventionelle und ökologisch offene Landwirte und Gärtner, die bereit sind, neue Wege zu gehen.“ Er freut sich besonders auf „die Vielfalt des Ganzen. Die Natur ist ein eng vernetztes System. Davon gilt es zu lernen. Für das Symposium wollen wir viele Themen miteinander verbinden, Bereiche vernetzen.“

Enkeltaugliche Landwirtschaft

Systemisches Denken war Schwerpunkt seines Studiums in Trier. Eine enkeltaugliche Landwirtschaft schwebt ihm vor. Burkhart Kayser, der am Samstagnachmittag über „Agroforstsysteme. Bäume auf dem Acker“ referiert, spricht von einem „Denken in ­sieben Generationen“. Schwarzer ist es gelungen, international ­renommierte Persönlichkeiten zu gewinnen. Anita Idel geht am Samstagnachmittag auf die „Potenziale der Beweidung für die Bodenfruchtbarkeit und die Klima­entlastung“ ein. Sie hat weltweit schon über 400 Vorträge zu dieser Thematik gehalten und 2013 den Salus-Medienpreis erhalten.

Idel war von 2005 bis 2008 Lead-Autorin des Weltagrarberichtes (AASTD), bei dem Benedikt Haerlin die Nichtregierungs-Organisationen im Aufsichtsrat vertrat. Er leitet „Save our Seeds“ und trägt am Sonntag abschließend „Die politische Perspektive: Politische Impulse für eine neue Bodenkultur“ vor.

Eigene Höfe betreiben Sepp Braun („Wie wir gemeinsam in Partnerschaft mit der Natur unsere Höfe wirtschaftlich entwickeln können“, Samstagvormittag), Ingrid Hörner („Die Pflanzen stärken. Pflanzengesundheit und Immunsysteme“, Samstagvormittag), Margarete Langerhorst („30 Jahre erfolgreicher Kleinintensivgartenbau“, Sonntagvormittag) und Klaus Strüber („Von welchem Liebhaber träumt Mutter Erde? Einflüsse auf den Boden von Pferd und Traktor“, Samstagnachmittag).

Mehr auf den Boden schauen

Michael Reber wird auch da sein. „Ich habe vor zwei Jahren einen Bodenkurs belegt. Jetzt möchte ich erzählen, wie wir angefangen haben, das umzusetzen.“ Am Samstagnachmittag spricht er über „Humus macht Leben, Leben macht Humus. Erste Erfahrungen eines (konventionell wirtschaftenden) Landwirtes“. Der Gailenkirchener merkt, „dass einerseits die Anforderungen immer höher werden, um vergleichbare Erträge zu erzielen“. Und er sagt: „Wir müssen mehr und mehr auf den Boden schauen.“ Es geht ihm um die Zukunftsfähigkeit.

Zu den insgesamt 17 Referaten kommen ein Austausch am Freitagabend, eine Podiumsdiskussion am Samstagabend und der sich anschließende „Offene Raum“ für kleine Impulsfilme, Beiträge, Diskussions- und Arbeitsgruppen von den Teilnehmern.

Urs Mauk wird ganz zu Beginn des Seminares am Freitagnachmittag über den landwirtschaftlich-gärtnerischen Betrieb Tempelhof führen. Der gelernte Gemüsegärtner freut sich besonders auf den Vortrag von Anita Idel: „Mich fesselt, seit es mir begegnet ist, das Thema Bodenaufbau mit Tieren.“ Wird er wohl etwas für die Gemeinschaft übernehmen können? Er ist da optimistisch. „Da wir mit den Erfahrungen, schnell Boden aufzubauen, weltweit noch sehr am Anfang stehen, verändert sich das Wissen schnell“, sagt er. „Dadurch kommt jedes Mal noch etwas Neues.“ Und er ist überzeugt, „Anregungen zu bekommen, um unser System weiter in Richtung Bodenfruchtbarkeit zu optimieren.“

Info Mehr zum Symposium unter www.schloss-tempelhof.de unter dem Stichwort Aufbauende Landwirtschaft.

Mehr nachwachsen lassen als man verbraucht, ist das Credo der aufbauenden Landwirtschaft. Das Ziel ist, die großen Verluste an Boden, Vegetation und Biodiversität wieder auszugleichen und gestörte Kreisläufe (Stickstoff, Phosphor, Kohlenstoff, Wasser) wieder zu schließen. Nachhaltigkeit oder Erhaltung reichen nicht aus. Man will lernen, die in der Natur innewohnenden Kräfte zum Aufbau von Ressourcen (Boden, Biomasse, Vielfalt) zu verstehen und einzusetzen. Aufbauende Landwirtschaft heißt, sich an der aufbauenden Kraft der Natur zu orientieren und in Partnerschaft mit ihr Landbaupraktiken zu entwickeln, um zukünftigen Generationen Lebensgrundlagen in Vielfalt und Fülle zu schaffen, die ihnen eine freie Entfaltung ermöglichen. urs

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