Studenten bauen Kindern in Haiti eine Zukunft

|
Vorherige Inhalte
  • Gemeinschaftsprojekt: Viele Helfer packen auf der Baustelle mit an. 1/3
    Gemeinschaftsprojekt: Viele Helfer packen auf der Baustelle mit an. Foto: 
  • Der Student Benedikt Heidenreich (23) aus Stimpfach engagiert sich in Haiti, baut dort ein Waisenhaus und ein Ausbildungszentrum mit auf. 2/3
    Der Student Benedikt Heidenreich (23) aus Stimpfach engagiert sich in Haiti, baut dort ein Waisenhaus und ein Ausbildungszentrum mit auf. Foto: 
  • In der neu gebauten Aula findet schon wieder Unterricht für die Waisenkinder statt. 3/3
    In der neu gebauten Aula findet schon wieder Unterricht für die Waisenkinder statt. Foto: 
Nächste Inhalte

Benedikt Heidenreich reist gerne. Nach dem Abschluss seines Mechatronikstudiums war er längere Zeit in Australien, Neuseeland und Südostasien unterwegs. Vor Kurzem ist er nach Deutschland zurückgekehrt, um den Masterabschluss am Karls­ruher Institut für Technologie (KIT) zu machen. Der in Stimpfach aufgewachsene junge Mann hat dort nach dem Abitur 2012 sein Studium begonnen. Das theoretische Lernen allein genügte ihm damals nicht: „Ich wollte neben dem Studium noch etwas Praktisches machen.“ Er wurde auf die Hochschulgruppe „Engineers without Borders – Karlsruhe“ aufmerksam, wo ab Dezember 2014 ein Hilfsprojekt für Kinder in Haiti gestartet wurde. Heidenreich schloss sich der Gruppe an, die sich zum Ziel gesetzt hat, in ehrenamtlicher Arbeit während eines Zeitraums von etwa vier Jahren eine Schule und mehrere Waisenhäuser zu planen und zu bauen. Er berichtet: „Wir bewerkstelligen das zusammen mit unserer Partnerorganisation ‚Pwojé men kontre‘, das heißt übersetzt ‚die sich begegnenden Hände‘, welche vor Ort bereits ein Waisendorf mit 75 Kindern und 300 Schülern leitet.“

Lebensbedingungen verbessern

Die Leiterin des Waisenhauses, die Ärztin Dr. Anke Brügmann, ist seit über 20 Jahren in Haiti tätig. Sie möchte die Lebensbedingungen der Bevölkerung nachhaltig verbessern. Dazu gehören nun der Umzug und die Erweiterung der bestehenden Schule und des Waisenhauses. Diese sollen wegen Platzmangel und Gefährdung der Sicherheit weg von der vorbeiführenden Nationalstraße an einen geschützten Platz in den Bergen verlegt werden. Dies beinhaltet den Neubau von mehreren Schul-, Wohn- und Nutzgebäuden, die Anlage einer Solaranlage, eines Wassersystems und technischer Installationen. Die Studenten übernehmen dabei in eigener Arbeit die gesamte Durchführung des Projektes: Angefangen bei der Vorbereitung in Deutschland, die unter anderem in der Konstruktion, dem Fertigen von Bauplänen und der Planung der Logistik besteht, über die Materialbeschaffung in Deutschland und in Haiti, bis hin zum selbstständigen Bau vor Ort. Bis Ende 2018 soll die Anlage für rund 80 Waisenkinder und zusätzlich 300 externe Schulkinder fertiggestellt sein. Das bisherige Schulgebäude soll zum Ausbildungszentrum umgebaut werden.

Heidenreich flog im Herbst 2015 für vier Wochen gemeinsam mit vier weiteren Studenten seines Teams nach Haiti, die Flüge hatten sie zu zwei Dritteln selbst finanziert. Von August bis Dezember waren 17 Studenten verschiedenster Fachrichtungen in wechselnder Besetzung in Beaumont. In dieser ersten Bauphase sollte das erste Gebäude, eine große Aula mit Funktionsräumen, errichtet werden. Die Studenten übernahmen das Ausmessen der Fundamente, den Schalungsbau und das Herstellen der Stahlbewehrungen. „Meistens ging es kurz nach Sonnenaufgang los, sodass wir gegen 8 Uhr auf der Baustelle standen. Dort besprachen wir, welche Aufgaben für den Tag anstanden und verteilten diese.“ Betoniert werden konnte nur am Wochenende, weil oft nur dann ein Betonmischer zur Verfügung stand.

Herber Rückschlag

Die Tage mussten genutzt werden, und teilweise arbeitete die Gruppe auch noch nach Sonnenuntergang mit Taschenlampen weiter. Heidenreich schmunzelt: „Zurück in der Unterkunft gab es eine frische Dusche: kaltes Wasser aus Eimern. Feierabend war dann oft trotzdem noch nicht, weil wir erst noch die Finanzabrechnungen von Einkäufen für Baumaterial machen mussten.“ Auch an das Marketing musste gedacht werden – mit regelmäßigen Blogeinträgen auf der Homepage, um Spender und Freunde auf dem Laufenden zu halten. Am Ende des ersten Bauabschnitts war das Ziel erreicht: Der Rohbau des Gebäudes war fertiggestellt, das Dach aufgerichtet. Das Projekt hatte einen herben Rückschlag zu verkraften: Ein Jahr nach Heidenreichs Aufenthalt fegte der Hurrikan ‚Matthew‘ über Haiti hinweg. Es waren elf Studenten vor Ort, die mit dem Bau mehrerer Vorschulgebäude beschäftigt waren. Der Süden Haitis wurde am stärksten getroffen. Die Studenten halfen sofort bei den Aufräumarbeiten und provisorischen Reparaturen.

Aula wird zum Krankenhaus

Aufgrund der angespannten Lage durch Nahrungsengpässe und der ungewissen Entwicklung der Katastrophe, entschied sich das Team für eine Rückkehr nach Deutschland. Heidenreich berichtet: „Unsere Aula, welche wir ein Jahr zuvor gebaut hatten, war eines der wenigen Gebäude in der Gegend, das dem Hurrikan standgehalten hat. Dieses wurde von unserer Partnerorganisationen direkt als einzige Krankenstation in der Region genutzt.“ Der junge Mann ist stolz: „Wir sahen, wie viel unsere bisherige Arbeit bewirkt hat und was es der Bevölkerung bedeutet.“ Die geplanten Schulgebäude und Waisenhäuser sollen nun schnellstmöglich in einer erdbeben- und sturmsicheren Bauweise fertiggestellt werden. Im Januar dieses Jahres konnten einige Studenten eine Solaranlage für abendliche Beleuchtung sowie einen Wasserfilter für die Aufbereitung von Trinkwasser installieren. Nachdrücklich möchte Heidenreich für eine Unterstützung werben: „Wir stecken sehr viel Zeit und Energie in unser Projekt, den Bau des Schul- und Waisengeländes erfolgreich voranzutreiben. Das schaffen wir jedoch nicht alleine, denn wir sind auf Spenden angewiesen.“

Benedikt Heidenreich weiß, dass das gespendete Geld an der richtigen Stelle ankommt: „Als ich selbst in Haiti war, habe ich gesehen, wie viel unsere Partnerorganisation mit den Spenden vor Ort erreicht und dabei jeden Euro zweimal umdreht.“ Die Studenten arbeiten ehrenamtlich, und so werden Spenden ohne Abzüge nach Haiti weitergeleitet. Auch wenn es wegen der anstehenden Prüfungen für den Stimpfacher Studenten nicht einfach wird, ist er sich sicher: „Ich plane, im Sommer wieder nach Haiti zu fliegen. Meine Motivation dabei ist, das Wissen aus dem Studium selbstständig in einem Projekt anzuwenden, bei dem wir Menschen helfen, die eigene Zukunft ein Stück zu verbessern.“

Wer sich über das Haiti-Projekt der ‚Engi­neers Without Borders‘ informieren möchte, kann dies auf der Homepage tun: www.ewb-
karlsruhe.de/beaumont. Auch Benedikt Heidenreich steht für Fragen gerne zur Verfügung: benedikt.heidenreich@ewb-karlsruhe.de.

Benjamin Heidenreich freut sich, wenn das Projekt durch Spenden unterstützt wird. Bei der Angabe der Adresse des Spenders im Feld „Verwendungszweck“ wird eine Spendenbescheinigung ausgestellt: Engineers without Borders, Sparkasse Karlsruhe, Verwendungszweck: Haiti, IBAN: DE25 6605 0101  0108 0856 55, BIC: KARSDE66. hst

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Die „BG“ setzt Zeichen gegen den explodierenden Markt

Die Baugenossenschaft Crailsheim kritisiert die Wohnbaupolitik der letzten Dekade und realisiert 43 neue Wohnungen im Stadtteil Türkei. weiter lesen