Strafe fällt noch höher aus

Im zweiten Prozess um den gescheiterten Windpark in Wittenweiler fällte das Landgericht in Paderborn ein Urteil: Eine Haftstrafe von fast fünf Jahren.

|

Erneut hat das Landgericht Paderborn ein Urteil in dem Komplex „Windpark Wittenweiler“ gefällt. Mike Rico ­Trentzsch, Initiator des gescheiterten Projekts, soll wegen Betrugs für vier Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Das sind drei Monate mehr als im Urteil, das im Juli 2014 ergangen war.

Sieben Löcher im Acker hatten den gelernten Bankkaufmann auf die Anklagebank gebracht: In Blaufelden-Wittenweiler wollte er 2010 einen Windpark errichten, hatte Bauaufträge erteilt, Kommandit-Anteile an den sieben geplanten Windrädern verkauft und Gelder von Anlegern eingeworben. Die Windräder gibt es nicht, die Gelder sind weg, nur die Löcher im Boden existieren.

„Ziel war immer ein Windpark“

Trentzsch selbst beharrt darauf: Er habe niemandem schaden wollen, sein Ziel sei es immer gewesen, einen funktionierenden Windpark zu errichten. Seine Verteidiger hatten Freispruch gefordert, die Staatsanwaltschaft wegen gewerbsmäßigen Betrugs fünfeinhalb Jahre Haft. Wie berichtet, hatte das Landgericht seit September 2016 erneut verhandelt – das ursprüngliche Urteil war vom Bundesgerichtshof wegen Verfahrensfehlern in weiten Teilen aufgehoben worden.

Nach der monatelangen Einvernahme von zahlreichen Zeugen befand auch die 2. Große Strafkammer den 45-Jährigen aus Lippstadt des Betrugs schuldig – wenn auch in einem „abgespeckten“ Umfang: Dass er Anleger geprellt hatte, indem er hohe Renditeversprechen gemacht, aber nie erfüllt hatte, war im ersten Verfahren bereits zum Teil rechtskräftig abgeurteilt worden. Diese Strafen wurden nun in die Gesamtstrafe einbezogen.

Den juristisch bedeutsamen „Schaden großen Ausmaßes“ habe Trentzsch mehrfach verursacht, stellte das Gericht fest. Eine Firma aus der Nähe von Karls­ruhe war auf über 500.000 Euro sitzen geblieben, weil ­Trentzsch die Aufträge für Wege, Kranstellflächen und Fundamentgruben erteilt hatte, dann aber die ausgeführten Gewerke nicht bezahlte. Ein Kommanditist aus Hohenlohe verlor 300.000 Euro, die er in eine der sieben Windrad-Gesellschaften eingezahlt hatte und die von Trentzsch nach Überzeugung des Gerichts zur Verschleierung der Herkunft mehrfach hin- und hergebucht worden waren. Einen weiteren Betrug habe Trentzsch zum Nachteil eines Kommanditisten aus Heilbronn begangen: Diesem gingen rund 150.000 Euro verloren.

„Verwirrung gestiftet“

Der Angeklagte habe, so die Paderborner Richterin, „Verwirrung gestiftet, um Gelder entnehmen zu können.“ Allerdings seien diese nur zu ­einem geringen Teil in seiner Tasche gelandet, sondern in dem Geflecht der Firmen, die Trentzsch zum Bau des Windparks betrieben habe, versickert – wirtschaftlich habe er nicht profitiert. Auf die Haftstrafe wird ihm die bereits erfolgte Untersuchungshaft von elf Monaten angerechnet.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Diak: Gleich zwei Spitzenleute werfen hin

Der Aufsichtsratsvorsitzende des Diakoniewerks und ein Geschäftsführer des Klinikums gehen. Weitere Veränderung: Landrat Gerhard Bauer soll in den Aufsichtsrat gewählt werden. weiter lesen