Stele soll an Familie Scholl erinnern

Robert Scholl, der Vater von Hans und Sophie Scholl, stammt aus einem Weiler bei Geißelhardt. Daran soll bald ein Gedenkstein am Limes-Wanderweg erinnern. Die Einweihung ist am 8. Mai geplant.

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Besichtigten den künftigen Standort des Gedenksteins: Kirchenrätin Anja Knapp, Ortsvorsteher Heiko Nagel, die Ortschaftsräte Werner Benz, Jürgen Feger und Bernhard Glück. Der Pfeil zeigt das ehemalige Wohnhaus der Scholls.  Foto: 

Bei der Nennung von Steinbrück, einem Weiler bei Geißelhardt, denkt kaum jemand an die Geschwister Scholl, Mitglieder der Widerstandsgruppe "Weiße Rose". Doch ihr Vater Robert Scholl wurde am 13. April 1891 in Steinbrück geboren, im zweiten Haus auf der linken Seite. Bernhard Glück, mittlerweile Pfarrer im Ruhestand, hat, angestoßen durch Gemeindemitglieder, die Anregung zu einem Gedenkstein an den Geißelhardter Ortschaftsrat weitergegeben.

Eine Arbeitsgruppe einigte sich darauf, den Stein am frequentierten Limes-Wanderweg und nicht direkt am versteckt liegenden Geburtshaus Robert Scholls aufzustellen. Besitzer des vermieteten Hauses ist der 90-jährige Erich Auwärter. Der Zeitzeuge habe als kleiner Junge mit Hans Scholl (1918 bis 1943) auf der Wiese hinter dem Haus gespielt, berichtet Bernhard Glück.

Die Arbeitsgruppe wünscht sich ein Schild, das auf das Haus wie auch auf den historischen Hintergrund der Geschwister Scholl eingehen soll. Zudem will man eine weiße Rose beim Gedenkstein pflanzen und eine Tafel an die Kirche in Geißelhardt mit Hinweisen auf Taufe, Konfirmation und Heirat von Robert Scholl (1891 bis 1973) anbringen.

Scholls Eltern, Michael Wilhelm (1856 bis 1940), geboren in Steinbrück, und Christine Henrika, geborene Eurich (1860 bis 1916), waren Kleinbauern. Robert Scholl ist das fünfte von elf Kindern. Der begabte und ehrgeizige Robert Scholl erhielt vom Pfarrer Unterricht und besuchte die höhere Schule. Er lernte unter anderem auf dem Rathaus in Geißelhardt.

1913 setzt er mit der Verwaltungsdienstprüfung den Grundstein für seine weitere berufliche Laufbahn im bürgerlichen Milieu, schreibt Barbara Beuys in "Sophie Scholl". Robert Scholl heiratete am 23. November 1916 Lina (getauft Magdalena) Scholl, geborene Müller, aus Künzelsau. Sie war 1904 in die Diakonissenanstalt in Schwäbisch Hall eingetreten. Bei der Arbeit als Krankenschwester im Lazarett in Ludwigsburg lernte sie 1915 Robert kennen und lieben. Ende Oktober 1916 trat die tiefreligiöse, zehn Jahre ältere Lina aus dem Mutterhaus aus und heiratete vier Wochen später Robert Scholl in der Kirche in Geißelhardt. "Das war scho' heftig damals", vermutet Pfarrer Glück. In der Tat haben sich Briefe erhalten, die ablehnende Reaktionen im Arbeitsumfeld im Lazarett beschreiben, wie es Barbara Beuys belegt.

Mitte des Jahres 1917 tritt Robert Scholl einen Posten als Schultheißenamtsverweser in Ingersheim an. Dort werden Inge (1917 bis 1998) und 1918 Hans geboren. 1919 wird Robert Scholl zum Bürgermeister in Forchtenberg gewählt. Dort lebt die Familie bis 1930. Scholls haben sechs Kinder: Inge, Hans, Elisabeth (geboren 1920), Sophie (1921 bis 1943), Werner (1922, vermisst seit 1944) und Thilde (1925 bis 1926).

Robert Scholl verlor zwei Brüder im Ersten Weltkrieg, was vermutlich seine Haltung gegenüber dem Krieg und den Nationalsozialisten beeinflusste. Die bebilderte Gefallenentafel von Geißelhardt ist im Flur des Rathauses zu sehen - Christian wurde 28 Jahre, Gottlob Scholl 19 Jahre alt. Lina und Robert Scholl standen mit ihrer liberalen, christlichen und demokratischen Haltung den Nazis von Anfang an ablehnend gegenüber, so Archivarin Krause.

Die Planung hinsichtlich des Gedenksteins ist bereits abgeschlossen. Der Entwurf und die Ausführung sind vom Mainhardter Steinmetz Walter Wieland. Verwendet werden soll ein einheimischer Sandstein mit einer symbolischen Rose aus weißem Marmor. Darunter ist folgender Text geplant: "Zum Gedenken an Hans und Sophie Scholl. Durch ihren Vater waren ihre familiären Wurzeln in Steinbrück."

Info Die Stelen-Enthüllung ist am Sonntag, 8. Mai, dem Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs, bei einem Gottesdienst im Grünen.

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