Statt einzukaufen, einfach in den Garten gehen

Serie: Vera Bullinger aus Rudelsdorf holt sich mit Mangold-Tomaten-Senf-Sahne-Tagliatelle den Sommer in die Küche. Das hat sie auf Gut Ludwigsruhe gelernt.

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  • Die Leibspeise von Vera Bullinger sind Mangold-Rigatoni 1/4
    Die Leibspeise von Vera Bullinger sind Mangold-Rigatoni Foto: 
  • Vera Bullinger kocht eines ihrer vielen Leibgerichte; von guten Lehrerinnen und Lehrern hat sie gelernt, die Früchte ihres Gartens zu genießen.  2/4
    Vera Bullinger kocht eines ihrer vielen Leibgerichte; von guten Lehrerinnen und Lehrern hat sie gelernt, die Früchte ihres Gartens zu genießen. Foto: 
  • Mangold war lange als zu grobfaserig aus der Feinschmecker-Kücher verbannt. Mehr und mehr wird er wieder wertgeschätzt. 3/4
    Mangold war lange als zu grobfaserig aus der Feinschmecker-Kücher verbannt. Mehr und mehr wird er wieder wertgeschätzt. Foto: 
  • Eine Leibspeise der Familie Bullinger in Rudelsdorf. 4/4
    Eine Leibspeise der Familie Bullinger in Rudelsdorf. Foto: 
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Nach dem Regen in den Garten gehen, Mangold pflücken, Tomaten, Zwiebeln, Schnittlauch, Kräuter, während noch vereinzelt die letzten Tropfen im Lichtspiel glitzern, die satten Farben genießen, die Gerüche, die Vorfreude aufs Essen: Da geht Vera Bullinger das Herz auf.

Die 21-Jährige aus Rudelsdorf bei Ilshofen hat in ihrer dank des Abiturs auf zwei Jahre verkürzten Ausbildung zur Hauswirtschafterin so einiges gelernt: Mit ihren Freundinnen hat sie sich mal die Vielzahl der verlangten Fertigkeiten genauer angeschaut und kam von der Floristin bis zur Konditorin auf ein halbes Dutzend Rollen, die auszufüllen sind. Nur der Garten kam nicht gut weg in dieser Ausbildung; der spielt, so scheint’s, heute allenfalls eine Statistenrolle auf der großen Bühne der Hauswirtschaft.

Von Haus aus interessiert

Für Vera Bullinger war das nicht weiter schlimm; sie hatte andere Zugänge. Zum einen sind die Frauen ihrer Familie seit Generationen gut ausgebildete und vor allem leidenschaftliche Hauswirtschafterinnen. Oma Isolde Lober etwa hat in Kupferzell zu einer Zeit gelernt, in der Gartenbewirtschaftung eine der wichtigsten Säulen des Berufes war. Sie kann noch heute das „holländische System“ mit möglichst sinnvollen Fruchtfolgen und Mischkulturen aus dem Ärmel schütteln, nach dem unter anderem im zeitigen Frühjahr alle 50 Zentimeter eine Reihe Spinat gesät wird, dazwischen abwechselnd schwach, mittel oder stark zehrende Leitpflanzen; vom Kopfsalat zum Kohl hat alles seinen Platz in so einem Garten.

Vorbilder finden

Dann war da der Papa, der ebenfalls Ruhe und Ausgleich im Garten findet. Mit ihm Seite an Seite zu arbeiten, ist für die Tochter Teil ihrer Freude am Gärtnern.

Den wichtigsten Impuls aber gab Bernadette Schrödel auf Gut Ludwigsruhe in Langenburg mit ihren Gemüse- und Kräuterbeeten inmitten von Beeren, Blumen und Stauden. Obwohl die Gartenarbeit nicht länger prüfungsrelevant ist, bringt Schrödel angehenden Hauswirtschafterinnen nicht nur bei, was sich in der Küche aus Kräutern und Gemüsesorten machen lässt, sondern auch – mit ansteckender Freude –, wie sie ihre eigenen Zutaten anbauen können.

So vieles ist zu entdecken

So genießt es jetzt auch Vera Bullinger, Dinge wachsen zu sehen. Was sie erntet, wird verarbeitet oder eingefroren. Auf Ludwigsruhe hat sie zudem vieles gelernt, was nur darauf wartet, für den Eigenbedarf erprobt zu werden – Kräutersalze, Chutneys, Essig et cetera –, anderes im Internet gefunden oder sich ausgedacht: „Ich koche, weil ich Lust dazu habe“, ist für sie das Rezept, noch lange Freude daran zu finden. Viel Zeit bleibt ohnehin nicht für die eigene Hauswirtschaft. Sie studiert im bayerischen Triesdorf den Bachelor-Studiengang „Ernährung und Versorgungsmanagement“.

Damit kann sie mal in die Ernährungsberatung gehen, in die Produktentwicklung oder Qualitätssicherung, sie könnte auch als Managerin in einer Großküche, im Krankenhaus oder Seniorenzentrum arbeiten. Am meisten reizt sie der Umgang mit Menschen. Ihr Papa sagt, sie sei gut darin; das wurde ihr mehrfach in Zeltlagern des evangelischen Jugendwerks Hall bescheinigt.

Jetzt wird erst mal gekocht

Aber sie hat ja noch Zeit, sich endgültig festzulegen. Jetzt macht sie erst mal aus dem im Garten Geernteten eine erstklassige Pasta, die schnell fertig ist und ausnehmend günstig – wenn man denn die Zutaten im eigenen Garten findet.

Später, weil ihr danach ist und weil sie weiß, dass sich die Familie dran freuen wird, gibt’s noch ihren Johannisbeertraum mit Eiweiß-Schäumle und einer Quark-Sahne-Creme. So schmeckt Sommer. Vera Bullinger ist froh, dass ihr dieser Reichtum erschlossen wurde.

Schritt für Schritt zu Vera Bullingers Mangold-Tomaten-Senf-Nudeln:

Zutaten:

Drei bis vier Stauden Mangold (je nach Größe),
eine halbe Zwiebel,
ein Becher Sahne,
eine Knoblauchzehe,
etwa 300 ml Milch,
Olivenöl oder Butter,
etwa ein Esslöffel Stärke,
Senf,
Tomaten  (nach Belieben),
500 g Nudeln  (Tagliatelle),
Schnittlauch Salz, Pfeffer, Chili, Gemüsebrühe, wenn vorhanden Gartenkräuter.
Drei Scheiben Käse, vorzugsweise ­Bergkäse.

Zubereitung:

Mangold waschen und putzen. Stiele in etwa  einen Zentimeter große Stücke und die Blätter in Streifen schneiden. Zwiebel und Knoblauch fein würfeln. Tomaten waschen und klein schneiden.
Öl oder Butter in der Pfanne erhitzen, Zwiebel und Knoblauch dünsten, wenig später die klein geschnittenen Mangoldstiele dazugeben, dann den restlichen Mangold und die Tomaten.
Das Ganze garen lassen. Nudeln im sprudelnden Salzwasser al dente kochen, also bissfest. Sehr gut eignen sich Tagliatelle.
Sahne, Milch und Stärke mit Senf verrühren und gut aufschlagen, Gewürze hinzufügen. Wenn der Mangold zusammengefallen ist, Senf-Sahne-Gemisch dazugeben, drei bis fünf Minuten leicht köcheln lassen. Käsescheiben zerkleinern und beigeben, nochmals würzen und abschmecken. bt

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