Stadtwerke übernehmen Regie

Beim umstrittenen Ukraine-Engagement der Stadtwerke aus Schwäbisch Hall und Uelzen haben die Haller inzwischen die Führung übernommen. Noch wirft das Projekt keinen Gewinn ab.

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Die SBE Sustainable Bio-Energy Holding GmbH hat ihren Sitz von Uelzen nach Schwäbisch Hall verlegt. Stadtwerke-Chef Johannes van Bergen ist neben Gert Sieger in die Geschäftsführung eingestiegen. Das Stammkapital wurde von 119 994 auf 239 988 Euro erhöht. Damit halten die Schwäbisch Haller Stadtwerke 75 Prozent, Uelzen nur noch 25 Prozent an der gemeinsamen Gesellschaft.

Was das Amtsgericht Stuttgart am 10. April 2012 ganz nüchtern unter Aktenzeichen HRB 740844 veröffentlicht hat, besitzt für die Haller Stadtwerke eine enorme Tragweite. Die städtische Tochter ist nun für den großflächigen Anbau und Verkauf von Getreide in Osteuropa weitgehend allein verantwortlich - und trägt damit künftig auch den Großteil der Risiken.

Und die scheinen nach wie vor enorm zu sein: Bis Ende 2011, so meldet es Spiegel-Online, habe die SBE rund elf Millionen Euro in der Gegend um das ukrainische Rivne investiert - und dabei keinen nennenswerten Ertrag erzielt. Vor allem in Uelzen (das Projekt wurde einst von den dortigen Stadtwerken initiiert), schlugen die Wellen in den letzten Monaten enorm hoch. 2009 stiegen die Haller Stadtwerke mit zunächst 37,48 Prozent ein. Die Alensys AG, dritter Partner, verließ die SBE 2010. Die beiden kommunalen Energieversorger erhöhten ihre Anteile daraufhin auf 50 Prozent. Nun stehen die Stadtwerke sogar mit 75 Prozent in den Büchern.

Zwar bezeichnet mittlerweile auch mancher Haller Stadtwerke-Aufsichtsrat das Ukraine-Engagement hinter vorgehaltener Hand als Flop, Johannes van Bergen glaubt aber nach wie vor an den Erfolg des Unternehmens: "Wir erwarten für 2012 eine sehr gute Ernte."

Unternehmensziel bleibt nach wie vor, sich über den großflächigen Anbau von Raps, Weizen oder Soja gegen Preisschwankungen auf dem Weltmarkt abzusichern. Vereinfacht gesagt: Kann man das in der Ukraine erzeugte Getreide zu hohen Preisen absetzen, lassen sich mit dem Geld verlustfrei wieder Rohstoffe einkaufen, um eigene Kraftwerke zu befeuern - beispielsweise die Pflanzenölverstromungsanlage an der Salinenstraße in Hall.

Bislang hatte die SBE aber nicht viel Glück. Von den zunächst 12 000 Hektar in Besitz konnten zunächst nur 5000 Hektar bewirtschaftet werden (inzwischen stehen 7500 von 9000 Hektar unter dem Pflug). Außerdem warfen die Ernten nur einen Bruchteil des Ertrags ab, den man sich in Hall und Uelzen erhofft hatte. Als entscheidender Negativfaktor stellte sich zudem die ukrainische Politik heraus.

Erst verhängte die Regierung in Kiew einen generellen Exportstopp für Getreide, dann verhängte sie eine neunprozentige Steuer auf Agrarrohstoffe, schließlich zahlt das zuständige Finanzamt die eigentlich fällige Umsatzsteuer-Rückerstattung nicht zurück - "wir warten immer noch auf den Eingang von zwei Millionen Euro", sagt Johannes van Bergen. Auch Korruption ist ein Problem.

Hoffnung hat man in Schwäbisch Hall dennoch, dass es bald besser wird - die Ukraine werde sich im Jahr der Fußball-Europameisterschaft keine Extravaganzen mehr erlauben, vermutet van Bergen.

Ob man am Engagement in Osteuropa langfristig festhält, steht trotzdem noch nicht fest.

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Kommentare

05.05.2012 10:46 Uhr

Stadtwerke übernehmen Regie

Jetzt wissen wir warum der Strom - das Gas - das Wasser immer teurer wird !

Manche Leute gehen auf die " SPIELBANK " um zu zocken -

bei den Stadtwerken zockt man mit dem Geld der VERBRAUCHER !!

Wann wirft man solche LEUTE aus den Unternehmen ???

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