Sonne strahlt durch die Oberlichter

Am und im Pahl-Museum in Gailsbach wird an den Wochenenden kräftig geschafft. Der Freundeskreis des Museums kann sich auf eine Handvoll Mitglieder verlassen, die tatkräftig zupacken.

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Willi Kircher, Helmut Fischer, Udo Kallina und Klaus Woischisky beraten sich, wie es mit der Deckensanierung weitergehen soll. Foto: Jahn Nitschke

Nachdem der Stuttgarter Maler Manfred Pahl 1994 verstorben war, drohte sein ehemaliges Atelier und Museum langsam zu verfallen. Die Gemeinde wollte es nicht weiter finanzieren, obwohl es ihr als Stiftung übertragen worden war. Dann trat der Freundeskreis auf den Plan.

Das Gebäude sieht aus wie ein Fabrikbau, es steht am Eingang von Gailsbach und wurde von dem Maler selbst so erbaut. Adam Matheis, Kunstlehrer im Ruhestand, kannte den Künstler gut. Er ist Kustos des Museums. Dieses hat zwei Teile, die Fassade des einen zieren Malereien von Pahl den anderen schmückt ein Baugerüst.

"Da war nur Gerümpel drin", erzählt Udo Kallina, der die Bauarbeiten vom Freundeskreis koordiniert, vom Beginn der Arbeiten. Jetzt ist es drinnen leer. Durch die neuen Oberlichter fällt Sonnenschein auf die sterilen, weißen Wände. Diese werden nun von einem kleinen Bautrupp bearbeitet: Bodenleisten werden herausgerissen, Dreck aus den Ecken gefegt und Nägel gezogen.

"Früher stand hier ein Bauernhof", erzählt Willi Kircher, als er zwischen zwei Hammerschlägen kurz innehält, weißer Gipsstaub liegt auf seinen Haaren. "Ich bin praktisch gegenüber aufgewachsen", fügt der Ruheständler hinzu. "Eigentlich passt das Gebäude auch nicht ins Dorf. Aber die Bilder sind toll!", schwärmt er, "und der Lichteinfall ist phänomenal". Kircher ist ein Tausendsassa, auch nachdem der ehemalige Konstruktionsleiter im Oktober in den Ruhestand ging, kann er sich vor Arbeit nicht retten. "Wenn das keiner in die Hand nimmt, schläft das ein. Da braucht man einen, der läuft, und das mach ich gerne". Gerne, weil auch die Dorfgemeinschaft mitspielt: "Im Dorf helfen die eben Leute mit."

Manfred Pahl wurde 1900 in Ebingen geboren und lebte in den 40ern in Berlin. Als das nationalsozialistische Regime ihm wegen seiner halbjüdischen Ehefrau Aenne Pahl ein Berufsverbot erteilte, verdiente er sein Geld durch das Porträtieren von Prominenten, beispielsweise Heinz Rühmann. Dieses Geld floss nach dem Krieg in seinen Wochenendsitz, Atelier und Ausstellungsgebäude - das heutige Pahl-Museum. Pahl gilt als Vertreter des expressiven Realismus.

"Wenn man Mainhardter nach dem Museum fragt, heißt es nur ,Das wollte ich mir schon immer mal anschauen", stellt Helmut Fischer aus Mainhardt fest. Aber nur wenige hätten es tatsächlich schon einmal besucht. "Dabei haben wir ja Potential", meint er. Ein Bild von Pahl übers Sofa hängen würde er sich nicht, gibt er zu, aber wenn Adam Matheis etwas über die Gemälde erzähle, sei das spannend. "Das Museum ist erstmal für die Mainhardter Bürger. Wenn dann noch Touristen kommen, freuen wir uns natürlich auch", meint der Diplom-Ingenieur im Ruhestand. "Wir haben etwas, da müssen wir auch was draus machen", findet Fischer. Und die Zeit spiele auch keine große Rolle, größtenteils sei die Bautruppe ohnehin in der Rente.

Adam Matheis und Udo Kallina haben schon Ideen, was alles mit den Räumen geschehen könnte. "Schulklassen könnten Kunstworkshops nehmen, vielleicht veranstalten wir auch mal ein Konzert oder eine Vortragsreihe", fantasiert Kallina. Insgesamt plant er 15 Wochen für die Renovierung ein. Bis zur Eröffnung am 1. Mai sollen die Innenräume fertig sein: neue Elektrik, gestrichene Wände, Bilderleisten und vielleicht eine frische Bodenbeschichtung seien das Pflichtprogramm. Und wenn die Witterung es zulasse vielleicht auch schon die Außenfassade. "Ohne die Eigenleistung wäre die Renovierung nicht möglich", stellt Matheis fest. Der Freundeskreis hat zwar viele Spenden gesammelt und Betriebe im Umkreis helfen, indem sie ihren Teil an den Bauarbeiten leisten, aber ohne den Freundeskreis wäre das Museum wohl abgerissen worden.

Markus Heck, LKW-Fahrer aus Mainhardt, reißt Bodenleisten heraus, Gipssplitter fliegen durch die Luft. "Ich mach eben was ich kann", meint auch er. Unter der Woche ist Heck im Baustellenverkehr tätig und opfert nun einen Teil seiner Freizeit für die Renovierung. Auch in den nächsten Wochen. Zeitprobleme? "Was nicht passt, wird passend gemacht", erwidert er.

Eröffnung am 1. Mai
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