So schön, schön war die Zeit

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Begeisternd: Himbeereis und flotter Käfer.  Foto: 

Das Duo „Revue Bellevue“ entführte die Zuschauer in eine ruhigere und ehrlichere Zeit. Die Bühne des Kultursaals war mit LP-Covern von Peter Alexander und Jan and Kjeld, Bravo-Titelseiten, die Peter Kraus und Cornelia Froboess zeigten, und Werbeplakaten von Bärenmarke und Persil dekoriert. In der Mitte gab es Notenständer, Hocker, Mikrofone, Gitarren und eine Konzertina – alles analog.

Den ersten Applaus gab es schon beim Auftritt von Alexander und Gabriele Russ, die im Rockabilly-Outfit erschienen. „Wir wollen Sie heute in eine, wie wir finden, ruhigere und ehrlichere Zeit entführen. In eine Zeit ohne Computer, mit wenig Elektronik und kaum Medien“, erklärte Russ. Also: Musik wurde noch von Hand gespielt, ohne Verstärker, Fernseher gab es nur ganz wenige, und aktuelle Musik konnte man nur mühevoll im Radio bei bestimmten Sendern hören oder live auf Tanzveranstaltungen wie Kirmes und Fastnacht. Deshalb waren diese Veranstaltungen auch immer proppenvoll.

Auch deshalb spielten die beiden alles selbst, ohne Toneinspielungen. Schon beim ersten Titel „Mäcki Boogie“ wippten die Köpfe der Zuschauer mit. Spätestens beim Song „Ich will keine Schokolade“ sang das Publikum den kompletten Text mit. Als Überleitung imitierte Alexander Russ Radiosprecher Herbert Zimmermann bei der Fußballweltmeisterschaft 1954 in Bern. Durch seine hoch emotionale und leidenschaftliche Wiedergabe katapultierte er die Besucher vor die Radios in ihren Wohnzimmern. Tosender Applaus und freudiges Gelächter waren das Resultat.

Schwelgen und Schmunzeln

In der Zeit nach dem Krieg und des Wirtschaftswunders gehörten leichte Melodien und Liebeslieder ebenso wie ausgelassener Rock ‘n’ Roll zum Lebensstil. Revue Bellevue gab viele Beispiele zum Besten und brachte das Publikum zum Schwelgen, Schmunzeln und Schunkeln – „Lady Sunshine and Mister Moon“, „Heißer Sand“ und „Motorbiene“ waren nur einige. Die Musiker spielten Lieder und Medleys von unvergessenen Stars wie Catarina Valente, Bill Ramsey, Lolita und Peter Kraus. Alexander Russ führte zusammen mit seiner Frau Gabriele mit vielen Anekdoten, Witzen, Sketchen und Erinnerungen durch das Programm. So leitete Gabriele die Pause mit einem Zweizeiler von Heinz Erhardt ein: „Wenn die Opern dich umbrausen mit Getön, dann genieße auch die Pausen, sie sind so schön.“

Die Schrozberger Landfrauen bewirteten mit Erfolg. Sie boten  mühevoll angerichtete Teller, ganz im Sinne der 50er und 60er Jahre an und schenkten sogar eine selbst gemachte Bowle aus. Eines der Highlights waren zwei Filmeinspielungen mit Original-Werbespots aus der Zeit des Wirtschaftswunders, die herrlich originell und wirklich zum Brüllen waren. So lautete ein Slogan eines Elektonikherstellers: „Wenn Vater waschen müsste, wäre noch heute ein Waschautomat im Haus.“ Oder der einer Firma für Sauerkraut: „Vitamine werden gerettet, werden sie in Dosen gebettet.“

Der Abend war für alle eine Bereicherung, denn was kann es Schöneres geben, als in so einer besonderen Zeit zu schwelgen und sie Revue passieren zu lassen bei einem guten Glas Ananasbowle, unterhaltendem Programm und nostalgischer Musik?

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