Sieben Tage Himmel und Wasser

Im Alter von 16 Jahren wagte Hermann Hesser die Fahrt über den großen Teich nach Venezuela. Heute feiert er seinen 100. Geburtstag.

|

"Das ganze Leben hat sich ums Überleben gedreht", sagt Hermann Hesser. Er sitzt auf einem weiß gepolsterten Stuhl im Wohnzimmer seines Sohnes Hartmut und seiner Schwiegertochter Helga Hesser. Seit 2005 lebt er in ihrem Haus in Hausen am Bach. Das war nicht immer so. Betrachtet man Hessers Lebenslauf, könnte man dem 100-Jährigen beinahe zutrauen, eines morgens einfach aus dem Fenster zu steigen und zu verschwinden, wie es Alan in dem Bestseller von Jonas Jonasson tut. Hermann Hesser hat als junger Mann in Amlishagen gelebt, war dann als Soldat in Polen, Russland, Frankreich und Italien stationiert und kehrte danach nach Hohenlohe zurück. Als 16-Jähriger wagte er sogar die Fahrt nach Venezuela.

Doch der Reihe nach: Als neuntes von zehn Kindern kam Hermann Hesser am 17. Mai 1914 in Cleversulzbach bei Heilbronn zur Welt. Seine Eltern waren Bauern. Als der Hof nicht mehr genügend abwarf, gaben die Hessers die Landwirtschaft auf und übernahmen 1927 die Pacht des Ritterguts in Amlishagen - eine schwierige Zeit für den damals 13-Jährigen. Ein Jahr durfte er noch zur Schule gehen. Dann musste er auf dem Gut helfen.

Eine glücklichere Erinnerung ist die an Venezuela. Hesser folgte seiner Schwester in das südamerikanische Land. Als "sieben Tage nur Wasser und Himmel" beschreibt er die Überfahrt. Hessers Schwager betrieb in Venezuela eine Autowerkstatt, wo der damals 16-Jährige eine Lehre absolvierte. "Die in Amerika waren viel weiter als wir", erzählt er.

Eineinhalb Jahre blieb Hesser. Danach arbeitete er als Mechaniker in Gerabronn. 1939 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. "Man wurde hingeschubst, wo man gebraucht wurde", sagt Hesser. Und das war in seinem Fall Polen.

In Danzig lernte er 1943 Hilde Peters kennen. Noch im selben Jahr heirateten sie, ein Jahr später wurde Sohn Helmut geboren. In den Wirren der Kriegszeit wurde das Paar jedoch getrennt. Erst 1947 sah Hesser seine Frau wieder. Für ein paar Jahre bewirtschafteten sie einen Hof in der Nähe von Schwäbisch Hall. 1951 starb Hilde Hesser an Herzversagen - und mit ihr das ungeborene zweite Kind des Jubilars.

Über Umwege kam Hesser nach Gaggstatt, wo er Alma Markert heiratete und den Hof ihres verstorbenen Mannes übernahm. Er sei dorthin gegangen, wo es Arbeit gab, erklärt Hesser die Ortswechsel. Gaggstatt aber nennt er seine Heimat.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Eine schleichende Entwertung

Um Fleisch zu Sonderpreisen wird heftig diskutiert. Eine Ausstellung in Bad Mergentheim zeigt, wie kreativ unsere Vorfahren Fleisch auf ihren Speisezettel brachten. weiter lesen