Seufzer und Wutausbrüche

Extreme musikalischen Ausdrucks lotet das Ensemble "Concerto +14" im Rittersaal des Kirchberger Schlosses aus. Die Musiker geben zusammen mit der Sopranistin Rahel Maas barocke Opernarien wieder.

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Jonas Zschenderlein (Barockvioline), Elina Albach (Cembalo), Christian Hanschke (Barockvioline), Rahen Maas (Sopran) und Aleke Alpermann (Barockcello) bilden gemeinsam mit der Bratschistin Carolin Krüger (sie sitzt hinter der Sängerin) das Ensemble "Concerto +14". Foto: Ralf Snurawa

An den Anfang haben die sechs auf historische Aufführungspraxis spezialisierten Musiker den Beginn einer der ersten Opern gestellt: den Prolog der göttlichen Gestalt der Musik aus Claudio Monteverdis "LOrfeo" von 1607. Rahel Maas bietet sich dort die Möglichkeit, unterschiedlichste Ausdrucksmomente von den "dolci accenti" (sanften Betonungen) bis zum "nobil ira" (edlen Zorn) feinsinnig auszugestalten und auf die folgenden, kontrastreich zueinander stehendem Arien vorzubereiten. Die vier Streicher und Cembalistin Elina Albach begleiten sie einfühlsam und sorgen mit schön in erzählerischem Ton gehaltenen Ritornellen für die Verbindungen zwischen den Strophen der Arie von "La Musica".

Weniger heroisch und gewichtig, sondern eher heiter-verliebt und tändelnd klingt im Vergleich dazu Poppeas "Signor sempre mi vedi" aus Monteverdis letzter Oper "Lincoronazione di Poppea".

Dieser kurze Opernauszug gehört zu einer Reihe von Momenten des Verlassenwerdens, die das Ensemble vorstellt. Besonders eindrucksvoll wirkt, wie die Musiker Alcinas Verzweiflung in der Arie "Ah! Mio cor!" aus Georg Friedrich Händels gleichnamiger Oper zum Klingen bringen. Sehr empfunden wiedergegebenen musikalischen Seufzern folgen im schnellen Teil klanglich leicht aufgeraute Wutausbrüche, die man sich von der Sopranistin noch etwas nuancierter gesungen hätte vorstellen können.

Noch schärfer getönt war zuvor das "Furie terribile" der Armida aus Händels "Rinaldo" zu hören. Auch die Instrumentalisten tragen durch kraftvoll-attackierende Akzentsetzungen zum wilden Ausdruck bei. Rahel Maas klingt bei den Spitzentönen ein wenig zu geschärft.

Dafür erscheint der Gegensatz im Ausdruck im nachfolgenden "O let me weep" aus Henry Purcells "The Fairy Queen" umso extremer. Seufzer und Klage über das Verlassensein werden vom Ensemble weich getönt, von Rahel Maas mit großer Innigkeit vorgetragen. Dazu korrespondiert die Barockvioline von Christian Handschke.

Sein virtuoses wie ausdrucksstark gefärbtes Spiel kann er danach zu Suite, Rezitativ und Arie von "La Folie" aus Jean Philippe Rameaus "Platée" noch einmal unterstreichen. Schön gelingt das musikalische Duell zwischen ihm Jonas Zschenderlein, der von verschiedenen Stellen im Rittersaal aus auf seiner Violine Einspruch gegen den langsam getragenen Ton einlegt. Rahel Maas verleiht dazu der Wahnsinnigen stimmliche Kapriziosität.

Große Ausdrucksintensität verleihen die Musiker auch dem Bitten der Salome nach dem Kopf von Johannes, dem Täufer, in der Arie "Queste lagrime e sospiri" aus Alessandro Stradellas Oratorium "San Giovanni Battista". Dort wie auch in der vorangegangenen, mit viel Sinn für Temposchwankungen gespielten d-Moll-Sinfonia Stradellas zeigt sich die Jugendlichkeit des Ensembles am deutlichsten - und in der finalen Arie des Morasto aus Antonio Vivaldis "La fida ninfa". Rahel Maas bringt die hoch virtuosen Koloraturen mit Leichtigkeit zum Glänzen und vermittelt sie mit dem gesamten Ensemble auch packend und schön launisch dem Publikum. Das bedankt sich mit heftigem Applaus.

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