Selbstgemachte Maultaschen mit Holunderblüten

Tante Emmas Enkel (14): Jedes Jahr schließen Metzgereien – auch in Hohenlohe. Doch im Vergleich zu vielen Städten gibt es auf dem Land noch lohnende Bedingungen für das Handwerk.

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Schon probiert? Helmut Wolz hat auch Wildschwein und Reh im Angebot. Und aus dem Wildschwein macht er eine besondere Salami. Foto: Jens Sitarek

Blutwurst, da braucht er nicht lange überlegen, eindeutig Blutwurst. Blutwurst ist das, was Helmut Wolz aus Langenburg am liebsten isst. Beim Blick an die gekachelte Wand über dem Verkaufstresen in seiner Metzgerei in der Hauptstraße wird einem alles klar.

Dort hängen gleich neben seinem Meisterbrief und dem Goldenen Meisterbrief seines Vaters Georg zwei Urkunden. "Helmut Wolz hat beim Hohenloher Blutwurstwettbewerb den 1. Platz erreicht", steht da geschrieben. 2010 war das. Genauer gesagt gab es damals zwei erste Plätze, einen für frische Blutwurst, den anderen für geräucherte Blutwurst.

Mit 65 ist noch lange nicht Schluss

Bis vor zwei Jahren hat Wolz sogar selber geschlachtet, aber das war ihm dann einfach zu viel Aufwand. Und mit nunmehr 64 Jahren ist er ja nicht mehr der Jüngste, da liegt der Gedanke ans Aufhören vielleicht näher als das Schloss Langenburg. Wolz - und das ist die gute Nachricht für alle Kunden - will allerdings noch ein bisschen weitermachen, betont er. Mit 65 müsse noch lange nicht Schluss sein.

Im Jahr 1959 zog es die Familie Wolz von Mittelfischach nach Langenburg. Der Vater eröffnete eine Metzgerei, die der Sohn dann später übernahm. Leider gibt es keinen, der diese Tradition fortführen wird, das steht fest. Das Besondere an Helmut Wolz ist, dass er sich als Unternehmer breiter aufgestellt hat. "Durch das eigentliche Geschäft wird man nicht mehr reich", sagt er. Neben der Metzgerei betreibt Wolz seit 1981 mit dem Vesperstüble noch eine kleine Wirtschaft nebenan. Im Laufe der Zeit kamen Fremdenzimmer hinzu, heute ist er bei vier angelangt, die er an Radfahrer und Wanderer vermietet.

Dass die Zeiten sich geändert haben, dass es immer weniger Metzgereien gibt, ist auch Wolz nicht entgangen. Früher, als er seine Ausbildung machte, habe es allein in der Crailsheimer Innenstadt sieben, acht Läden gegeben. Das war einmal. Heute muss man froh sein, wenn eine kleine Stadt wie Langenburg überhaupt noch einen Metzger hat. "Die Älteren brauchen Bäcker und Metzger", so sagt es Wolz, und dann: "Die Jüngeren haben alle Autos, für die ist das kein Problem."

Selbstgemachte Maultaschen mit Holunderblüten

Bis zu 70 Kunden kommen täglich in die Metzgerei Wolz, mittags ist der Andrang am größten. Helmut Wolz hat vier Angestellte, am Dienstag steht er, der vor 40 Jahren seinen Meister machte, selber hinter der Theke. Er hat die Hände in den Taschen und lächelt. Auf der elektronischen Kassenanzeige blinkt es: "FLEISCH-AUS-HOHENLOHE". Nur Tiere aus der Region zu verwenden, ist für Wolz selbstverständlich. Was es nur bei ihm gibt, sind die selbst gemachten Maultaschen mit Holunderblüten. Vor vier Jahren fing er damit an. Und dann hat er ja noch Wildschwein und Reh im Angebot, das hat auch nicht jeder. Selber auf Jagd geht er nicht. "Das fange ich nicht auch noch an", sagt Wolz.

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