Seit 40 Jahren kein Ei mehr im Geschäft gekauft

Familie Freimüller aus Michelbach an der Heide lebt nahezu als Selbstversorger. Die Hühner und Hasen, die Bienen und der große Garten sind mehr als ein Hobby - sie sind ein Teil ihres Lebens.

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Rund 30 Hühner scharren vergnügt im Garten herum. Die schwarzen Zwergwyandotten haben ein eigenes Freigehege, der rote Italienerhahn stolziert gefolgt von seiner Henne und einigen Hybridhühnern am Zaun entlang und pickt hier und da ein Körnchen vom Boden auf. Plötzlich ertönt ein lautes Gackern aus dem selbst gebauten Hühnerstall. "Da hat gerade jemand ein Ei gelegt und ist mächtig stolz darauf", lacht Kurt Freimüller.

Seit vier Jahrzehnten züchtet der pensionierte Maschinenschlosser schon Hühner und Kaninchen in seinem Garten. Die schönsten Exemplare stellt er mit dem Kleintierzüchterverein Gerabronn auf den Ausstellungen in der Region aus. Die Eier landen im Kuchen- und Spätzleteig oder als Frühstücksei auf dem Tisch von Familie Freimüller. Oder sie werden an Nachbarn und Bekannte verteilt. "Wir haben seit 40 Jahren kein Ei mehr im Geschäft gekauft", erzählt der 73-Jährige.

Bei Familie Freimüller wird alles verwertet, was der Garten hergibt - und das ist so einiges. Im großen Nutzgarten wachsen Kartoffeln, Salat und Gartengemüse und im Sommer rund 50 Stöcke Tomaten. Es gibt Obstbäume und Beerensträucher. Was nicht frisch verzehrt werden kann, kocht Irene Freimüller ein. So reichen die Schätze des Gartens bis zur nächsten Ernte.

Der Honig aus den drei Bienenvölkern, für die Kurt Freimüller jedes Jahr eine Wildblumenwiese anlegt, wird natürlich selbst geschleudert. "Es vergeht kein Tag, an dem ich keinen Honig esse", erzählt der Hobbyimker. Das dazugehörige Brot hat Irene Freimüller bis vor wenigen Jahren auch noch selbst gebacken. Heute kauft sie es beim Bäcker. Außerdem werden Milchprodukte, Zucker und Mehl, Wurst und Käse zugekauft - alles andere stellen Freimüllers selbst her. "Wenn man etwas selbst angebaut hat und sieht, wie es gewachsen ist, dann schmeckt es einfach am besten", sind Irene und Kurt Freimüller überzeugt.

Das Ehepaar hat Zeiten erlebt, in denen Lebensmittel knapp waren und es nicht zu jeder Jahreszeit alle Produkte im Überfluss zu kaufen gab. Aus dieser Erfahrung heraus schätzen sie alles, was die Natur ihnen beschert. Alles wird verwertet, Reste landen nicht im Müll. "Was wir nicht essen können, bekommen bei uns die Hühner oder die Kaninchen", erklärt der Rentner, der von früh bis spät mit Begeisterung rund ums Haus bei der Arbeit ist.

Der natürliche Kreislauf funktioniert auf dem 1,2 Hektar großen Grundstück am Ortsrand von Michelbach an der Heide: Das Futter für die Hühner und Hasen kommt aus dem Garten und vom verpachteten Getreideacker, das Heu wird auf der eigenen Wiese geschnitten. Der Mist landet zunächst als Dünger auf der Wiese, später im Kompost und anschließend als Humus im Garten. "Klar ist das manchmal viel Arbeit. Aber erstens hilft bei größeren Aktionen die ganze Familie mit und zweitens könnte ich mir ein Leben ohne all dies gar nicht vorstellen", so Kurt Freimüller.

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