Seine Saat trägt reiche Früchte

Er blickt zufrieden auf die letzten drei Jahrzehnte zurück und überlässt seinem Nachfolger ein bestens bestelltes Feld: Harald Blumenstock, der morgen sein Amt als Vorsitzender des Maschinenrings abgibt.

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Auf seinem Hof steht ein Massey Ferguson: 180 PS stark und 180 000 Euro wert. Der Schlepper gehört zu zwei Drittel ihm und zu einem Drittel einem anderen Landwirt. Das Fahrzeug steht als Symbol für den Maschinenring Crailsheim. Der Verein wurde vor 36 Jahren gegründet. 30 Jahre lang ist Harald Blumenstock in der Vorstandschaft tätig, davon 21 Jahre als Vorsitzender. Wenn bei der Mitgliederversammlung morgen Abend in der Arena Hohenlohe (dort findet am Wochenende auch die gemeinsame Landmesse der Maschinenringe Crailsheim und Schwäbisch Hall statt) eine neue Vorstandschaft gewählt wird, tritt Harald Blumenstock nicht mehr an.

Er hat sich diesen Schritt reiflich überlegt, schließlich hat ihm die verantwortungsvolle, interessante und kreative Arbeit immer großen Spaß gemacht. Und warum macht er trotzdem nicht weiter? Weil er die Hauptverantwortung für seinen Betrieb an die Söhne Markus und Jörg abgegeben hat, 57 Jahre alt und inzwischen Opa geworden ist und es in seinen Augen höchste und beste Zeit für einen Verjüngungsprozess ist. Er möchte den Weg für die Berufskollegen frei machen, die neue Ideen für die Gestaltung der Zukunft einbringen.

Und wie hat diese Zukunft ausgesehen, als er vor 30 Jahren zum ersten Mal in die Vorstandschaft des Maschinen- und Betriebshilfsrings gewählt wurde? "Es war viel in Bewegung", erinnert er sich, was er insbesondere auf die betrieblichen Strukturen bezieht: Immer weniger haben immer mehr bewirtschaftet. Diese Entwicklung lässt sich an seinem eigenen Hof ablesen: Aus einst 50 Hektar Land und 150 Mastbullen wurde die dreifache Fläche, 300 Bullen, 220 Mutterschweine, 1000 Mastschweine, Biogasanlage und Agrartourismus. Und parallel zu den Betrieben hat sich auch der Maschinenring entwickelt.

Der Grundgedanke: Nicht jeder Landwirt schafft sich für teures Geld jede Maschine an, sondern nur einer, der sie dann anderen gegen Verrechnung zur Verfügung stellt. Und mehr noch: Der eine lässt vom anderen Arbeiten mit bestimmten Maschinen ausführen. So war Harald Blumenstock schon als Auszubildender mit der Ballenpresse auf den Wiesen vieler anderer Bauern im Einsatz, während das Getreide auf dem eigenen Acker von einem anderen gedroschen wurde.

Die Erkenntnis, "dass wir nur dann eine Chance haben, wenn wir betriebswirtschaftlich denken und handeln", hatte sich bei den allermeisten durchgesetzt, erinnert sich Blumenstock an die Anfänge des Maschinenrings, der sich vor allem als Bindeglied zwischen den Landwirten versteht. 18 000 Euro wurden im Jahr 1977 für den überbetrieblichen Einsatz von Maschinen verrechnet, heute sind es stolze 1,2 Millionen Euro.

"Man muss sich an Neues wagen und auch unbekannte Wege einschlagen", so die Devise des Vorsitzenden, was sich bewährt hat. Weil sich die Anschaffung insbesondere von selten eingesetzten Spezialgeräten für den einzelnen Landwirt nicht rechnet, baute der Maschinenring nach und nach einen eigenen Maschinenpark auf, der heute reich bestückt ist. Zur Auswahl stehen vier Mietschlepper, Abschiebe- und Häckselwagen, Gerätetransporter und Pumptankwagen, Universalstreuer und Kurzscheibeneggen, Volldrehpflüge und Hackstriegel, Wiesenhobel und Obstlesemaschine und viele Geräte mehr. Um den Mitgliedern weite Wege zu ersparen sind insgesamt 13 Mietstationen eingerichtet. Dieses Mietangebot, das später auf die Agrar- und Kommunalservice GmbH ausgedehnt wurde, wird immer stärker in Anspruch genommen, freut sich Harald Blumenstock. Der Vorsitzende schätzt am Maschinenring insbesondere die offene und gute Zusammenarbeit, das schnelle Reagieren auf neue Entwicklungen und Chancen und vor allem das enge Zusammenspiel mit Geschäftsführer Gerhard Rück. Die beiden genießen das volle Vertrauen von Vorstandschaft und Beirat, sodass viele Entscheidungen auf dem kleinen Dienstweg getroffen werden konnten. So hat der Maschinenring völlig unkompliziert die einst von der Bundeswehr genutzten Hallen im Burgbergwald gepachtet, um sie an ihre Mitglieder vermieten zu können. Und mehr noch: Er installierte auf sämtliche Hallendächer Fotovoltaikanlagen, die viel Geld in die Kasse des 778 Mitglieder zählenden Vereins bringen.

Der Maschinenring stellt sich neuen Herausforderungen und Aufgaben und hat sich im Bereich der Fotovoltaik inzwischen einen Namen gemacht. Er übernimmt für seine Mitglieder sämtliche Aufgaben, von der "Dacheignungsprüfung" über die Ausschreibung bis hin zur Installation - und das mit sehr großem Erfolg. Bislang wurden in diesen Bereich sagenhafte 46 Millionen Euro investiert.

Die vom Vorsitzenden und seiner Mannschaft sowie den vier Mitarbeitern der in Altenfelden ansässigen Geschäftsstelle ausgebrachten Saat geht auf vielen Äckern auf und trägt reiche Früchte. Ein unverzichtbarer Teil des breiten Angebots ist die Betriebs- und Haushaltshilfe, was schon allein mit einer Zahl zum Ausdruck kommt: 1,2 Millionen Einsatzstunden wurden seit 1979 geleistet. "Und dabei haben wir mit einem Betriebshelfer angefangen", erinnert sich Blumenstock. Heute sind 35 Mitarbeiter in diesem Bereich tätig. Immer öfter angefordert wird auch die Truppe des Maschinenrings, die Gartenpflegearbeiten durchführt, Bäume fällt oder den Winterdienst übernimmt. "Dieser Markt wird noch wachsen", ist Blumenstock sicher, dem eines noch ganz besonders am Herzen liegt: Die Gemeinschaft, die über Skiausfahrten, Feste, Ausflüge, Reisen und Betriebsbesichtigungen gepflegt wird. Harald Blumenstock übergibt seinem Nachfolger einen bestens bestellten Acker und blickt zufrieden zurück, "weil man wirklich viel bewegen konnte und durfte".

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