Seifenherstellerin Carmen Lang seift kleine Kostbarkeiten

Handwerklich hergestellte Seifen sind Naturkosmetik für Allergiker - ohne chemische und künstliche Konservierungsstoffe. Wegen der dafür nötigen Natronlauge ist das Seifensieden aber nicht ungefährlich.

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  • Seifensiederin aus Leidenschaft: Carmen Lang (44) aus Bühlertann stellt in ihrer heimischen Werkstatt im Rosenbühl seit sechs Jahren Seifen ohne künstliche und chemische Konservierungsstoffe her. Foto: Michaela Christ 1/2
    Seifensiederin aus Leidenschaft: Carmen Lang (44) aus Bühlertann stellt in ihrer heimischen Werkstatt im Rosenbühl seit sechs Jahren Seifen ohne künstliche und chemische Konservierungsstoffe her. Foto: Michaela Christ
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Die Venus von Willendorf ist eine über 25.000 Jahre alte Figur aus der Altsteinzeit. Elf Zentimeter klein, pummelig und vollbusig; Sinnbild der Fruchtbarkeit und Weiblichkeit, und trotz überdimensionierter Fülle anmutig schön. Im Naturhistorischen Museum in Wien ist sie aus Kalkstein. In der Werkstatt von Carmen Lang im Bühlertanner Rosenbühl kommt sie ganz seifig daher.

"Die Venus von Willendorf gehört zu meinen Lieblingsmotiven. Weil ich das Mystische so mag. Von Elfenflügeln bis hin zu keltischen Ornamenten", gibt Carmen Lang (44) einen kleinen Überblick über ihr Repertoire an Seifenformen. Heute ist die Triskele an der Reihe, eine besondere Form der Dreierspirale, das Erkennungszeichen der Kelten. "Dieses Symbol steht für Banba, Eiru und Fotla, die dreifache Schwestergöttin der Kelten", erzählt Lang, während sie sich eine rote Schürze mit weißen Punkten umbindet, die aber gar nicht keltisch anmutet. Doch die Seifensiederin schaut lächelnd an sich herab und erklärt selbstbewusst auch den Gartenzwerg zum Reich der Mystik zugehörig.

Nicht jedoch die Handschuhe, die sie sich jetzt überstreift, und auch nicht den Helm mit Sichtschutz, unter den sie ihre langen roten Haare steckt. Schutz sei notwendig bei der Seifenherstellung, erklärt Lang. Denn die Seifenlauge bestehe aus Wasser und Natriumhydroxid, das mit der Hautfeuchtigkeit zu Natronlauge reagiere und die Haut verätze. Ist die Mystikerin etwa auch Chemikerin? "Nö, Briefträgerin. Aber ich arbeite mit einer Chemikerin in Nürnberg zusammen, die jede neue Seife von mir zertifiziert", kommt es lachend zurück. Zertifizieren sei wichtig in der Naturkosmetik. Es soll versichern, dass jedes Produkt auf die korrekte Konsistenz der Inhaltsstoffe hin überprüft wird. Dann verabschiedet sich Lang in ein Hinterzimmer der Seifenwerkstatt. Denn Seifensieden verlangt absolute Ruhe.

Viel Zeit bleibt nicht

"Seifen tu ich entweder vormittags, wenn ich frei habe und meine Familie außer Haus ist, oder abends wenn sie alle im Bett sind", umreißt die dreifache Mutter das Zeitfenster für ihr Hobby. Schnell wird klar: Viel Zeit bleibt da nicht. Umso mehr entsteht in dieser wenigen Zeit. Viel an Detailarbeit - an Farben, Formen und Düften. Lavendelöl mit Indigo-blauem Farbton; Englischer Rosenduft im "William-Morris-Rosa", hervorgerufen durch rosa Tonerde; Dezente Verzierungen - oder originelle Namen von "Sex on the Beach" bis "weiße Unschuld", liebevoll verpackt, beschriftet und eingetütet. "Ich will nichts von der Stange. Und diese Parole hört nicht auf nach dem eigentlichen Seifen!", rückt Lang Ästhetik und Schönheit in den Mittelpunkt ihres Schaffens.

Apropos Außergewöhnliches. Seit einem Jahr führt die Seifensiederin auch eine Seife für den Hund. Aus der Not geboren, denn der weiße Mischling "Holly" ihrer jüngeren Schwester Sonja Idler (40) zeigte sich allergisch gegen herkömmliches Hundeshampoo.

Carmen zögerte nicht lange und seifte aus dem stark rückfettenden Rizinusöl, Zecken und Flöhe abschreckendem Lavendel-Zitronenöl und pflanzlicher Kakaobutter eine Hundeseife. Testet sie an Holly, ließ sie zertifizieren und stellte fest: Die Nachfrage überstieg komplett ihr Angebot.

"Das ist mein Hobbyproblem", bekennt die Seifensiederin gerade heraus. "Ich will mein Pensum nicht erhöhen. Es gefällt mir genau so, wies grad ist. Aber die Produkte scheinen süchtig zu machen! Was mich freut, weil es bedeutet, dass alle wiederkommen. Aber. . .", sprudelt es nur so aus ihr heraus.

"Apropos: Sucht!", unterbricht da eine tiefe Männerstimme den Redeschwall der Seiferin. "Meine Rasierseife ist alle", berichtet der Schornsteinfegermeister und Bühlertanner Feuerwehrkommandant Markus Schirle (38), während er sich seine schwarzen Hände an der schwarzen Hose sauber putzt und den Geldbeutel aus der Hosentasche fischt. "Und dann nehme ich noch eine Gartenseife für Steffi. Und vielleicht eine von den Badebomben zum Muttertag. Und einen Bade-Lolli für Silas, aber nicht die dunkelroten Herzen!", komplettiert er seine Bestellung. "Und das ist meine Sucht", vervollständigt die Seifensiederin jetzt ihren abgebrochenen Satz: "Tief empfundene Freude an dem Wohlgefallen meiner Produkte."

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