Sehnsucht nach der Heimat

Aufgewachsen in Schlesien, verschlug es Helmut Weiß nach russischer Kriegsgefangenschaft und einem längeren Krankenhausaufenthalt schließlich nach Marktlustenau. Morgen wird der Witwer 90 Jahre alt.

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Helmut Weiß freut sich, am Mittwoch nach längerer Zeit seinen Altherrenstammtisch in Leukershausen wieder besuchen zu können. Foto: Kerstin Schellhorn

Helmut Weiß wurde 1922 in der Nähe von Juliusburg in Niederschlesien geboren, das heute Dobroszyce heißt und zu Polen gehört. Im Zweiten Weltkrieg wurde er eingezogen, war Lastkraftwagenfahrer und versorgte die Truppen mit allem, was nötig war. "In Nowosibirsk kam ich bei den Russen in Kriegsgefangenschaft", erzählt der Jubilar und wirkt dabei sehr ruhig und gelassen.

Als er nach dem Krieg entlassen wurde, brachte ein Zug den tuberkulosekranken Helmut Weiß nach Frankfurt am Main. In einem Krankenhaus im württembergischen Gundelsheim wurde er rund vier Wochen lang behandelt, bis er wieder ganz gesund war. Eine glückliche Fügung, trotz allen Leids, denn in diesem Krankenhaus traf er seine spätere Frau Hildegard - ebenfalls eine Tuberkulose-Patientin.

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus fand Weiß Arbeit auf dem Bonolzhof bei Waldbuch, ganz in der Nähe seiner Angebeteten. "Ich bin dann immer mit dem Fahrrad zu ihr gefahren", erinnert sich der 90-Jährige. 1952 läuteten schließlich die Hochzeitsglocken, gefeiert wurde im Haus der Schwiegereltern. Helmut Weiß fällt es nicht leicht, sich zu erinnern. Die grauen Zellen zu bemühen, um längst Vergangenes wieder aufleben zu lassen, sei anstrengend, sagt er. Dass er 1960 das Haus in Marktlustenau baute, in dem er heute noch mit seiner Tochter und Hund Conny lebt, weiß er jedoch noch ganz genau.

Helmut Weiß bekam mit seiner Frau, die 1983 an Krebs starb, einen Sohn und eine Tochter, die ihm einen Enkel schenkte. Nachdem die Mauer gefallen war, besuchte er gemeinsam mit seiner Tochter Gerda seine Mutter in der ehemaligen DDR. Nach dem Krieg hatte er erfahren, dass seine Eltern nach Eisenhüttenstadt geflüchtet waren und sein Vater in den Nachkriegswirren gestorben war. "An der Grenze, an der noch kontrolliert wurde", erzählt die Tochter, "hat er immer noch Angst gehabt, wieder gefangen genommen zu werden." Die Erfahrungen in der Kriegsgefangenschaft haben Helmut Weiß geprägt, denn auch seine Heimat in Schlesien besuchte er nie wieder, obwohl er heute noch den Wunsch hegt, sie wiederzusehen. Entweder war die Angst zu groß oder es hatte sich inmitten von Hausbau, Kindererziehung und Arbeit nicht ergeben.

Seinen Geburtstag feiert er morgen nach einem Essen mit der Tochter im "Hirsch" in Ruhe zu Hause.

Das HOHENLOHER TAGBLATT gratuliert dem Jubilar und wünscht Gesundheit und Glück.

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