Schwerhörigkeit im Kreistag

|
Der eine spricht, der andere hört nichts: Die SPD-Kreisräte Rüdiger Schorpp (links) und Hans Zipperer, in der Sitzung des Kreistags. Foto: Dyba

Im Kreistag herrscht derzeit immer öfter kollektive Schwerhörigkeit. Die Kreisräte hören schlichtweg nicht, was die Verwaltung ihnen zu sagen hat. Dabei ist es nicht gerade so, dass Sie nicht hinhören wollten. Im Gegenteil: Sie hören derart angestrengt hin, dass man Ihnen aus Mitleid am liebsten Hörgeräte austeilen wollte.

Denn das, was ans Ohr dringt, sind oft nur noch unverständliche Wortfetzen. Der SPD-Kreisrat Rüdiger Schorpp hält sich schon die Hand ans Ohr und sein CDU-Kollege Werner Gulden macht ein fragendes Gesicht.

"Beim nächsten Mal muss der Techniker her", schimpft die Geschäftstellenleiterin des Kreistags, Ute Bürkert, die verzweifelt zwischen den Kreisräten hin- und herläuft, um die Lautsprecher zu verschieben und auszurichten. "Ich kann nur lauter oder leiser machen, aber ich kann die Anlage nicht aussteuern", klagt sie. Der Klang sei so programmiert, dass er laut Hersteller für 80 bis 90 Prozent aller Hallen passe.

Doch bei der Sitzung in der Braunsbacher Burgenlandhalle ist die Akustik derart schlecht, dass die Grünen-Kreisrätin Claudia Kern-Kalinke schließlich ein Herz für die schwer hörenden Kollegen hat. Sie sei mit der neuen Lautsprecheranlage sehr unzufrieden, klagt sie gegenüber der Verwaltung. "Seit Sie die angeschafft haben, gibt es Probleme damit." Wir erinnern uns: Die Geschäftsstelle hat vor einem Jahr eine Konferenzmikrofonanlage beschafft. Die Besonderheit: Mikrofone und Lautsprecher haben keine Kabel mehr, sondern sind per Funk miteinander verbunden. Das hatte Mobilfunkaktivisten auf den Plan gerufen. Sie beklagten, dass Elektrosensible durch Funkwellen von den Sitzungen ferngehalten würden. Beate Braun, die Mobilfunkkritikerin unter den Grünen, wusste deshalb: "Es liegt am Funk. Die Lösung wäre ein Kabel!"

Mit den Antennen, ist Bürkert überzeugt, habe das nichts zu tun. "Mit unserer alten Kabelanlage hatten wir das Problem auch schon." Allerdings sei es ihr gelungen, diese an die jeweilige Hallenanlage anzuschließen. Die Funktechnik findet sie dennoch besser. Weil sie keine Kabel verlegen müsse, "kann ich die Mikrofone viel schneller da hinstellen, wo ich sie brauche". Die Verwaltung versprach den Kreisräten nun, für Abhilfe zu sorgen. In der Zwischenzeit dürfte Frau Bürkert nach dem Studium der Gebrauchsanweisung und der Praxiserfahrung beim Aufbau, Abbau und Verrücken der Lautsprecher die Voraussetzungen für ein Ehren-Tontechnikerdiplom erfüllt haben.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Virtual Reality in Hohenloher Firmen - wie Science-Fiction

Die virtuelle Realität hält auch im Sondermaschinenbau Einzug. Siemens führt im Virtual-Reality-Center des Packaging Valley an das Thema „digitale Zwillinge“ heran. weiter lesen