Schweine beliebter als Politik

Ein Politiker steht in direkter Konkurrenz zu vier Schweinen. Und wer gewinnt? Das Borstenvieh. Es zieht jedenfalls doppelt so viele Besucher an wie der Landtagsabgeordnete Arnulf von Eyb.

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Auch in Wiesenbach ist vieles nicht mehr so wie früher. Im Mutterort sowie in Saalbach, Naicha, Engelhardshausen und Emmertsbühl gibt es noch 21 landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe. Und es gibt immer noch einen Ortsbauernverband, der anlässlich des Taubenmarktes am Montagnachmittag zu einer Kundgebung, oder besser Informationsveranstaltung einlädt, die auch nicht mehr das ist, was sie vielleicht einmal war. Gerade mal 30 Besucher kann Michael Häusermann im kleinen Saal der Lötholzhalle begrüßen, während sich in der großen Halle mehr als doppelt so viele versammeln. Dort schaut auch der CDU-Landtagsabgeordnete Arnulf Freiherr von Eyb kurz vorbei, ehe er anschließend über "Agrarpolitik aus der Sicht der Opposition" referiert, oder besser referieren sollte. So jedenfalls ist es angekündigt.

Ohne Zweifel: Der Dörzbacher Fachanwalt und Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Hohenlohe ist ein sympathischer, unterhaltsamer, hervorragender und auch an diesem Nachmittag manuskriptfrei sprechender Redner, dem man ausgesprochen gerne zuhört, der zu vielen Themen etwas zu sagen hat - nur nicht zur Landwirtschaft. "Agrarpolitik ist wohl nicht so ganz ihr Spezialgebiet", stellt Bauernverbandsvertreter Häußermann nach den Ausführungen des Gastes unverblümt fest. Eigentlich hätte er mehr zum Thema erwartet, spricht er offen aus, womit er möglicherweise den meisten Besuchern aus der Seele spricht. Vielleicht hätte sich der Politiker mit Kerstin Gronbach von der Schweineschule Michelbach/Heide verbünden sollen, denn die versteht viel von der Landwirtschaft und weiß insbesondere über das Borstenvieh Bescheid, von denen in der Halle vier Prachtexemplare grunzen. Sie werden bewundert und gestreichelt, und Kerstin Gronbach zieht mit ihren Ausführungen 60 Zuhörer in ihren Bann - Kinder der Kindergärten Wiesenbach, Gammesfeld und Brettheim.

Und was passiert im Nebenraum? Zumindest findet der Landtagsabgeordnete aufmerksame Zuhörer, unter denen sich auch Bürgermeister Klaus Köger und Ortsvorsteher Manfred Glemser befinden. Von Eyb hält zwar das Landwirtschaftliche Wochenblatt unterm Arm (und lässt es während seiner Ausführungen auch nicht los), doch mit agrarpolitischen Themen hält er sich weitgehend zurück. Vielleicht auch deshalb, weil "Landwirtschaftspolitik ja in erster Linie in Brüssel und Straßburg gemacht wird", wie er erklärt.

Und was erfahren seine Zuhörer noch alles? Dass er als einziger Abgeordneter beim Stichwort Bosch nicht an Stuttgart und Konzern denkt, sondern an Wiesenbach und Tierfutter. Das freut seine Zuhörer und sie freuen sich auch über die Aussage, "dass wir den ländlichen Raum nicht aus den Augen verlieren dürfen". Er hebt die Bedeutung der Unternehmen in eben diesem ländlichen Raum hervor, "für die wir die notwendige Infrastruktur wie gut ausgebaute Straßen schaffen und erhalten müssen, wollen wir die Betriebe und die Arbeitsplätze halten". Er streift die Schulpolitik im Land ("die Gemeinschaftsschule ist nichts Gescheites") , hält die Polizeistrukturreform "für einen Fehler" und befürchtet, dass nach diesem "Probiererle" weitere Reformen folgen, beispielsweise aus Landkreisen Großregionen gebildet werden. Er erklärt, dass er ein "radikaler Stuttgart-21-Verfechter" sei und weinbaupolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, "eine unglaublich spannende Sache". Michael Häußermann übergibt ihm denn auch ein passendes Geschenk: zwei Flaschen Wein. Und von Ortsvorsteher Glemser erhält er ein Glas Honig, passend zu der von Bundespräsident Joachim Gauck gemachten und von dem Abgeordneten zitierten Ausspruch zu Baden Württemberg: "Ein Land, wo Milch und Honig fließen."

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Kommentare

22.01.2013 08:57 Uhr

Schweine beliebter als Politik

Ist doch klar

Bei Schweinen weiss man was man hat -

Bei Politik wirst Du nur BESCHISSEN !!!

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