Schrozberger Verbundschulmodell ist langfristig wohl nicht überlebensfähig

In Schrozberg gibt es eine Realschule und eine Werkrealschule. Aber wie lange noch? Das Fragezeichen ist seit dem Besuch von Kultusminister Andreas Stoch am Sonntag noch größer als bisher schon.

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Dass der Andrang beim SPD-Neujahrsempfang in diesem Jahr noch größer war als bisher, lag sicherlich auch daran, dass der Gast erstens Minister und zweitens für eine Aufgabe zuständig ist, die derzeit ganz oben auf der politischen Agenda steht, die Bildungspolitik. Dass sich Stoch den Fragen zu den Themen Gemeinschaftsschule und regionale Schulentwicklung stellt, bewies er schon vor Wochen in Schwäbisch Hall - und am Sonntag auch in Schrozberg. Und er scheute sich auch nicht, Unangenehmes zu sagen, etwa zur Zukunft der Schrozberger Verbundschule.

Deren Bestand sieht er als gefährdet an. Derzeit könne man von 45 bis 50 Kindern ausgehen, die einen mittleren Bildungsabschluss anstreben. Allein aufgrund der demografischen Entwicklung seien das in zehn Jahren nur noch 35 bis 40 Schüler. Das seien zu wenig Schüler, um eine Realschule und eine Werkrealschule am Leben zu erhalten. Schon vor Wochen hatte das Staatliche Schulamt Künzelsau in einer vom HT öffentlich gemachten Liste die Werkrealschule in Schrozberg als "gefährdet" eingestuft. Bislang hat die Stadt Schrozberg weder für die Realschule noch die Werkrealschule einen Antrag auf Ausweisung als Gemeinschaftsschule gestellt.

Niemand kann mehr machen, was er will

Der Kultusminister nutzte den Empfang in Schrozberg, um Werbung für die Gemeinschaftsschule zu machen. Die neue Schulpolitik der grün-roten Landesregierung verursache nicht ein Schulsterben, wie von Kritikern behauptet, sondern sorge vielmehr, dass es weiterhin ein flächendeckendes Netz von Schulstandorten im ländlichen Raum gebe. Allerdings, so Stoch, müssten die Kommunen im Zuge der regionalen Schulentwicklung miteinander reden. Die Zeiten, in denen jede Kommune in Sachen Schule ohne Blick über die Gemeindegrenzen hinaus machen kann, was sie will, seien vorbei.

Die Landesregierung, unterstrich der Redner, hätte es auch machen können, wie ihre Vorgängerin, nämlich einfach zuschauen. Dann, so Stoch, hätte wegen immer weniger Kindern eine Schule nach der anderen geschlossen werden müssen. Übrig geblieben wären letzendlich Schulen in Mittel- und Oberzentren. Genau das aber solle mit Hilfe der Gemeinschaftsschule und der regionalen Schulentwicklung verhindert werden. "Die Zukunft unseres Landes wird durch Bildung gesichert", betonte der Minister. Durch die Einführung der Gemeinschaftsschule solle gewährleistet werden, dass diese Bildung auch weiterhin in der Fläche angeboten werden kann.
 


Entscheidung im Februar

Am 10. Februar wird über die Anträge auf Ausweisung als Gemeinschaftsschule entschieden, sagte Kultusminister Andreas Stoch am Sonntag in Schrozberg. Bislang sollten die Entscheidungen bis Ende Januar getroffen sein. Für die dritte Tranche liegen 108 Anträge vor, darunter zwei aus Crailsheim, einer aus Frankenhardt und einer aus Schwäbisch Hall. Die Gemeinschaftsschule in Rot am See ist die bislang einzige im Landkreis.

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