Schöffen: Die Stimme des Laien zählt

Die Stimme der Schöffen bei Gericht wiegt so viel wie die der Berufsrichter. Entsprechend groß ist ihre Verantwortung. Zur Zeit läuft das Auswahlverfahren für die Amtsperiode von 2014 bis 2019.

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Robert Gunderlach vor dem Amtsgericht in Schwäbisch Hall. In der Hand hält er ein Heft von "Richter ohne Robe", der Fachzeitschrift für Schöffen.  Foto: 

Hans Bühl bewirbt sich und hat gute Chancen auf das Amt. Der Friseurmeister aus Untersontheim war schon von 2000 bis 2008 Schöffe am Landgericht in Heilbronn. "Dann musste ich eine Periode aussetzen, aber jetzt kann ich mich wieder bewerben", erklärt er. "Wir brauchen eine gesunde Mischung aus erfahrenen und neuen Schöffen", so Dr. Wolfgang Amendt, der als Vorsitzender des Amtsgerichts in Schwäbisch Hall auch den Vorsitz über den Wahlausschuss zur Schöffenwahl hat. "Uns liegt daran, kompetente Schöffen zu bekommen."

Jeder Deutsche kann sich als Schöffe bewerben, wenn er bestimmte Voraussetzungen erfüllt (siehe Infokasten). Der Gemeinderat erstellt dann eine Vorschlagsliste, aus der der Schöffenwahlausschuss (sieben gewählte Vertrauenspersonen und ein Verwaltungsbeamter unter der Leitung von Richter Amendt) die Schöffen bestimmt.

Ein Teil der Schöffen wird dem Haller Amtsgericht zugeteilt, ein Teil geht ans Landgericht Heilbronn. Dort nehmen Schöffen an Prozessen teil, bei denen es um schwerste Straftaten wie Mord gehen kann.

"Das muss man aushalten können, wenn es da in die Details geht", weiß Robert Gunderlach, Vorsitzender des Schöffenlandesverband. Der Haller hat wie Hans Bühl schon einige Erfahrung im Schöffenamt. Kürzlich hat er an der Haller Volkshochschule einen Informationsabend für Leute, die sich für das Schöffenamt interessieren, gehalten. "Das ist gut angekommen", berichtet er. Es sei wichtig, zu wissen, was das Amt mit sich bringt. Oft sei es sehr zeitaufwändig.

"Mein erster Fall war gleich auf 19 Tage angesetzt. Da war ich erst einmal schockiert", erzählt er. Dann habe er aber doch nur fünf Tage gedauert. Auch Hans Bühl bestätigt, dass sich Verhandlungen am Landgericht durchaus über Tage, Wochen und sogar Monate hinziehen können. "Wer Schöffe werden will, sollte das vorher mit seinem Arbeitgeber abklären, ob der einverstanden ist", empfiehlt er. Allerdings gebe es eine Freistellungspflicht. "Das ist aber für kleinere Betriebe deutlich schwieriger als für große", ergänzt Gunderlach.

Der Sozialwissenschaftler hält die Schöffen für wichtig: "Als Vertreter des Volkes ist ihre Perspektive anders als die der Berufsrichter mit ihrem geschliffenen Juristenblick."

Neue Schöffen werden für ihr Amt geschult

Das Schöffenamt sei wertvoll, stellt auch Amendt fest: Diese bringen ihren Sachverstand ein, kontrollieren die Richter und wirken nach Außen: "Durch ihren Einblick in die Verfahren, in das Tun und auch die Nöte der Gerichte fungieren sie als Multiplikator in der Gesellschaft."

"Wir bieten neu gewählten Schöffen Ausbildungen an, damit sie ihre Pflichten, aber auch ihre Rechte kennen und einfordern können", erklärt Gunderlach. Selten komme es zu Drohungen seitens der Richter oder Streitigkeiten etwa bei sogenannten Deals. "Dass uns der Richter nicht für voll nimmt, kommt in weniger als fünf Prozent der Fälle vor", sagt er. "Rückgrat muss man haben als Schöffe", stellt Bühl klar: "Nicht einfach abnicken, sondern nachfragen!" Schließlich urteile er über Menschen, da wolle er danach mit sich im Reinem sein, gibt er zu bedenken.

Die Laienrichter werden in einem gestuften Verfahren ausgewählt
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