Schneeballen im Sommer

Seit über 30 Jahren treffen sich die Niederwindener, um eine Leckerei für ihr Feuerwehrfest vorzubereiten. Das Backen ist inzwischen ein kleines Fest vor dem Fest.

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Margot Hornung mit einem fertigen Ballen.  Foto: 

Einmal im Jahr treffen sich Dutzende Menschen in einer Scheune in Niederwinden. Der Grund dafür liegt über 40 Jahre zurück: 1975 und 1976 wurden zwei Höfe in dem Dorf teilweise ein Raub der Flammen. Beide Male gab es eine Hocketse für die Feuerwehrmänner, und daraus entstand letztlich das Feuerwehrfest Niederwinden.

„Zum zehnten Jubiläum war es Zeit für etwas Besonderes. Über die Landfrauen wurde das Rezept für die Schneeballen eingebracht“, sagt Margot Hornung. Seitdem sind diese süßen fränkischen Leckereien, die in Niederwinden bis dahin nicht oft gebacken wurden, fester Bestandteil des Festes – und heiß begehrt. Deshalb werden Jahr für Jahr mehr Schneeballen produziert.

Ein Nachmittag, 500 Ballen

„Inzwischen machen wir neun Teige pro Jahr. Das sind dann rund 500 fertige Ballen“, rechnet Hornung vor. Ohne die große Beteiligung der Dorfgemeinschaft – von Jungen wie von Alten, von Männern wie von Frauen – wäre diese Menge an einem Nachmittag auf keinen Fall zu stemmen. Für Hornung ist das ein schöner Aspekt am Schneeballen-Backen: „Allein geht das einfach nicht, und zu zweit ist es noch sehr stressig. Ab Dreien geht es dann, aber wenn die Scheune voll ist, dann ist es natürlich am lustigsten.“

Das lässt sich in der Scheune der Familie Häfner in Niederwinden beobachten: Alle sind mit Feuereifer an der Arbeit. Maria Schüttler und Elfriede Nicklas stehen am Kopf der langen Tafel und wiegen den Teig: Exakt 45 Gramm soll jede Portion wiegen. Danach wird der Teig sehr dünn gerollt. Der ehemalige Kommandant der Feuerwehr Rot am See, Albrecht Ohr, schwingt dort gerade das Nudelholz. „Normalerweise komme ich erst auf den Abend hin mit einem Schnaps für alle her. Heute bin ich aber früher da, da kann ich gleich mit anpacken“, sagt er.

Mit einem eingegipsten Bein sitzt Susanne Nicklas-Bach an der Tafel. Sie zuckert die Ballen, nachdem diese geschnitten, aufgefädelt und gebacken worden sind. „Sonst schaut der Boden hier nicht so aus“, sagt sie mit Blick auf die kleinen Puderzuckerhäufchen, „aber ich muss wegen meines Beines sitzen. Im Stehen geht das einfach besser.“

Info Noch heute und morgen feiern die Niederwindener ihr Feuerwehrfest. Heute um 19 Uhr spielen die „Bergfetza“, der Sonntag beginnt mit einem Gottesdienst um 10 Uhr.

Zutaten: 20 Eigelb, 20 Eiweiß, 250 g Butter, 160 g Zucker, 2 kg Mehl, 2 Packungen Vanillinzucker, 3 EL Rum, Backfett (Palmin), Puderzucker

Zubereitung des Teigs: Butter, Eigelb und Zucker schaumig rühren, Vanillinzucker und Rum dazugeben. Dann Eischnee und eine entsprechende Menge Mehl untermengen, sodass ein zarter Nudelteig entsteht. Das Ganze sehr gut kneten.

Formen des Schneeballen: Häufchen zu je 56-58 g formen. Diese zu einer Tellergröße von 25 bis 30 cm auswellen. Anschließend rädeln und auf einen Kochlöffel auffädeln. In den „Schneeballen-Löffel“ geben, ins heiße Backfett tauchen und unter häufigem Drehen den Schneeballen circa zwei Minuten backen.

Nach dem Erkalten mit Puderzucker bestreuen.

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