Schnaps und Kehrwoche

Noch bis Sonntag läuft die Grüne Woche in Berlin. Mit dabei: Touristiker und Produzenten aus dem Kreis Hall. Die Schätze Hohenlohes - Natur, Kultur und Lebensmittel in bester Qualität - sind gefragt.

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Karl Müller, Vorsitzender des Landesverbands der Klein- und Obstbrenner aus Untermünkheim-Schönenberg, hat zu tun, sich Gehör zu verschaffen. "Wir haben jetzt die Zusage, dass die Finanzierung steht", ruft er laut. Durch den Telefonhörer dröhnen parallel schmissige Blasmusik und die typische Geräuschkulisse einer stark frequentierten Messe.

Wenig später ruft Karl Müller nochmal an und erklärt, was es mit der Zusage auf sich hat. Für den Landesverband wirbt Müller auf der Grünen Woche für Brände und Liköre aus dem Südwesten - was bei den Besuchern gut ankommt. Auch bei Alexander Bonde, dem baden-württembergischen Landwirtschaftsminister. Dieser besuchte Karl Müller am Stand und brachte die Finanzierungszusage mit: Das Land unterstützt ein Pilotprojekt, das der Kleinbrenner-Landesverband initiiert hat und mit der Marketing- und Absatzgemeinschaft des Landes auf die Beine stellen will. "Wir versuchen, ein Birnencuvée von Streuobstbauern marktfähig zu machen." Das ist ein Mischbrand aus mehreren Birnensorten.

Bislang verkaufen die meisten Brenner den großen Teil ihrer Erzeugnisse an Großhändler, sagt Müller. Die Erlöse seien niedrig. Das Ziel: Das Birnencuvée als Marke aufbauen und so den Brennern eine gute Einkommensquelle verschaffen. Hinzu kommt der ökologische Nutzen: Allein im Kreis Schwäbisch Hall gibt es über 350 Brennereien. Diese tragen mit ihrer Arbeit dazu bei, die Streuobstwiesen zu erhalten - und damit die Hohenloher Kulturlandschaft, betont Müller.

24 Brennereien sind bereits beteiligt, ebenso die Universität Hohenheim. Letztere wird das Projekt unterstützen - in Punkto Analytik, Abfüllung und Etikettierung. Die Erfahrungen aus dem Projekt sollen vor dem Auslaufen des Branntweinmonopols 2017 von allen Brennereien des Verbands genutzt werden.

Noch während die Reisemesse CMT in Stuttgart lief, machte sich ein zweiter Tross des Vereins Hohenlohe + Schwäbisch Hall Tourismus aus dem Haller Landratsamt auf den Weg nach Berlin. Mit dabei am Messestand sind auch Frontleute im Tourismus wie Gästeführerin Ursula Dollinger (Ilshofen-Gaugshausen). Mit dem Begriff Hohenlohe könnten einige Besucher etwas anfangen, mit Schwäbisch Hall alle - vor allem wegen der Bausparkasse. "Wenn man dann auf der Landkarte anhand der A6 zeigt, wie man nach Hohenlohe und Schwäbisch Hall kommt, ist das Interesse groß." Vor allem der Kocher-Jagst-Radweg sei gefragt ("Das ist der Renner", so Dollinger) und auch Übernachtungsmöglichkeiten für Familien. "Es ist eine tolle Stimmung", sagt die Hohenloher Gästeführerin, "man muss halt viel schwätze." Und noch was merkt sie an: "Hier müsste man mal die schwäbische Kehrwoche einführen." In Berlin sei richtig Winter und die Gehwege schlecht geräumt.

Helmut Wahl, der als Leiter der Wirtschaftsförderungsgesellschaft auch oberster Touristiker im Kreis ist, zeigt sich "hochzufrieden" mit der Bilanz seiner Mitarbeiter. Neben den Tourismusvereinen aus dem Schwarzwald waren die Touristiker aus Hohenlohe und Schwäbisch Hall die einzigen aus Baden-Württemberg am Landesstand. Die Hohenloher Originale - wie eben Gästeführerin Ursula Dollinger oder auch Reinhold Kett vom Bieneninformationszentrum Kressberg - zeigten sympathisch den Charakter der Region.

Sehr gut nachgefragt wurden die sortenreinen Säfte der Streuobstinitiative Kressberg, berichtet Wahl. "Teilweise war der Stand mit Menschentrauben umlagert, die von den Kostproben der Säfte vom Boskoop, Brettacher, Weinapfel, Wettringer, Jakob Fischer, Golden Delicious oder Schweizer Wasserbirne begeistert waren." Der Saft des Holzapfels war der Liebling der Berliner, so Wahl. Häufig sei gefragt worden, wo der denn zu kaufen sei. Deshalb suche die WFG nach Wegen, diese Säfte und die naturreinen Bonbons und Fruchtgummis (produziert von der Westheimer Firma Reutter) in Berlin zu vermarkten.

Die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft (BESH) hat bereits in Berlin Fuß gefasst. Jede Woche fährt ein Lastzug mit Fleisch und Wurst in die Bundeshauptstadt. Für Rudolf Bühler, Chef und Gründer der BESH, steht indes nicht die Vermarktung im Mittelpunkt des Messeauftritts, sondern die Verbundenheit durch seine persönliche Geschichte. 1984 war Bühler mit Schwäbisch-Hällischen Schweinen erstmals auf der Grünen Woche. Die meisten hätten damals gesagt: "Was wollen die Spinner." Als er aber in den Folgejahren auf der Grünen Woche Jahr um Jahr den ersten Platz im Leistungs-Wettbewerb beste Fleischqualität gewann, "war der Aufstand in der Züchterszene groß", erzählt er. "Dadurch haben wir einen unglaublichen Auftrieb erlebt - wir haben uns einen Namen gemacht und waren motiviert, weiter zu machen."

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