Schließung des Gaildorfer Krankenhauses: Landrat tief bewegt

An der Schließung des Gaildorfer Krankenhauses führt angeblich kein Weg mehr vorbei. Dies geht aus einem Schriftwechsel zwischen Landrat Gerhard Bauer und dem Gaildorfer Kreisrat Karl Eichele hervor.

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SPD-Kreisrat Karl Eichele, der sich mit mehreren Fragen zur Zukunft des Gaildorfer Krankenhauses an Landrat Gerhard Bauer wandte, hat damit offenbar dessen Nerv getroffen. Eichele betone "zu Recht, dass es sich beim Standort Gaildorf um das zweifelsohne schönste Krankenhaus im Landkreis handelt", wie Bauer in seinem Antwortschreiben bemerkt. Und genau das sei "eine der vielen Absurditäten, vor die wir durch die Gesundheitspolitik der vergangenen 15 Jahre gestellt werden". Es sei "unerträglich, dass ein solch schönes Krankenhaus mit einer langen Tradition und erfolgreichen Geschichte heute keine Perspektive mehr haben soll".

Eicheles Vorschlag, als Frage formuliert, die in Gaildorf durch das Diakonie-Klinikum mit großem Erfolg aufgebaute Geriatrie dort zu belassen, beschäftigte offensichtlich auch die kreiseigene Klinik-Gesellschaft. Doch das Ergebnis dieser Überlegungen, so Gerhard Bauer, sei "leider eindeutig": Für einen Krankenhausbetrieb in Gaildorf müssten neben dem ärztlichen und pflegerischen Fachpersonal für die Fachabteilungen auch ein medizinisch-technischer Dienst und andere Funktionsdienste, ein Versorgungsdienst, ein Verwaltungsdienst sowie sämtliche Nacht- und Bereitschaftsdienste (ärztlicher sowie Pflegedienst) vorgehalten werden.

Da aber keine zusätzlichen medizinischen Leistungen in Gaildorf etabliert werden könnten, werde sich das seit Jahren bestehende Defizit von rund einer Million Euro unverändert fortschreiben, gibt der Landrat zu bedenken. Dieses drohe im Lauf der Jahre durch Personal- und Sachkostensteigerungen sogar weiter anzuwachsen. Hinzu kämen die Betriebskosten für das Gebäude. Im Falle einer Integration der Geriatrie ins Crailsheimer Klinikum entfielen diese Kosten.

Auch eine alternative Überlegung, wonach für die Geriatrie etwa kein Pfortendienst gebraucht würde und einige Funktions- und Versorgungsdienste in geringerem Umfang betrieben werden könnten, "führt am Standort Gaildorf zu keinem auch nur annähernd ausgeglichenen Ergebnis". Medizinische Leistungsangebote, die den Krankenhausbetrieb in Gaildorf stützten oder zumindest das Defizit von einer Million Euro deutlich reduzieren könnten, seien nicht in Sicht.

Laut Landrat gibt es derzeit lediglich eine einzige Anfrage zur Nutzung der Operationsräume an einem Wochentag, einschließlich der Belegung von acht bis zehn Kurzzeit-Belegbetten. Eine solche Teilnutzung sei "wirtschaftlich auch in Kombination mit der Geriatrie aber nicht darstellbar und verringert das Defizit nur unwesentlich", ließ er Kreisrat Eichele wissen.

Im Übrigen sei es so, dass das medizinische Konzept der Gesundheitsholding schon von Anfang an die Ansiedlung der Geriatrie in Crailsheim vorgesehen habe. Der Landkreis habe dem Aufbau dieser Abteilung in Gaildorf lediglich "zur Stützung des dortigen Krankenhausstandortes" zugestimmt, da Verluste auf Holdingebene gemeinsam getragen worden seien.

Nun sei die Geriatrie "zur wirtschaftlichen Stärkung des Standortes Crailsheim unabdingbar". Zudem seien in Crailsheim alle Grundfunktionsdienste eines Krankenhauses vorhanden und könnten für die Geriatrie genutzt werden.

Für Gaildorf bleibt aus Sicht des Landrats nur noch die Suche nach einem anderen Nutzer für das Klinikgebäude. Gerhard Bauer abschließend: "Daran führt wohl kein Weg mehr vorbei!"

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