Wolf beschäftigt Schafhalter

Was würde eine Rückkehr des Wolfs nach Hohenlohe bedeuten? Landtagsabgeordnete, ein Schäfer und der Geschäftsführer des hiesigen Bauernverbands antworten auf diese Frage.

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    Schafe grasen an der Bilz: In der Diskussion über den Wolf ist Herdenschutz ein wichtiges Thema. Foto: 
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    Ein Wolf steht im Bayerischen Wald auf einem Stein. Foto: 
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Der Wolf, der jüngst bei Widdern im Landkreis Heilbronn mehrere Lämmer riss, beschäftigt auch die Schafhalter im Kreis Schwäbisch Hall. In die brisante Debatte um die Rückkehr des Wildtiers im „Wolferwartungsland“ Baden-Württemberg schalten sich auch Bauernverband und Landtagsabgeordnete ein.

„Viele Nutztierhalter in Hohenlohe sind sicherlich noch nicht auf die Rückkehr des Wolfes eingestellt, weil die Erfahrungen im Umgang mit dem Wolf schlichtweg fehlen“, so Jutta Niemann. Die Grünen-Politikerin mit Wohnsitz in Hall weiß, dass das Thema aktuell polarisiert. „Der Wolf wird manchmal romantisiert und manchmal als Bestie dargestellt, aber die Wahrheit liegt dazwischen“, erklärt Niemann. Ihre Partei will zusammen mit dem Landesschafzuchtverband und dem Naturschutzbund (Nabu) das 2014 beantragte Herdenschutzprojekt vorantreiben. „Wir Grünen wollen für 2018 und 2019 erneut Geld für ein Herdenschutzprojekt zur Verfügung stellen“, bekräftigt Neumann.

„Bisher abstrakte Diskussion“

Über eine mögliche Rückkehr des Wolfs in die Region Hohenlohe macht sich auch Friedrich Bullinger als agrar- und jagdpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion seine Gedanken. „Bisher haben wir hierzulande eine abstrakte Diskussion über den Wolf geführt und allenfalls über Entschädigungszahlungen für Schäfer gesprochen“, betont Bullinger.

Er ist der Meinung, dass die Region Hohenlohe auf die mögliche Rückkehr des Wolfs und das damit verbundene Konfliktpotenzial noch nicht wirklich eingestellt ist. „Nach der Expertenanhörung im Landtag und den Berichten aus Brandenburg muss jedem klar sein, dass die Diskussion um den Wolf bald viel brisanter werden kann. Wölfe an Mülltonnen, im Vorgarten von Kitas oder auf der Koppel eines Reitgestüts sind mögliche Szenarien, an die viele derzeit noch gar nicht denken“, so Bullinger.

Anton Baron sieht ebenfalls noch Redebedarf. „Die Politik sollte zunächst eindeutig klären, ob die Rückkehr des Wolfs wünschenswert ist“, bekräftigt der AfD-Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Hohenlohe. „Im Falle einer positiven Entscheidung muss das Land den Zaunbau fördern und ebenfalls ein unbürokratisches und lückenloses Entschädigungssystem für Nutztierhalter wie in Sachsen einführen“, fordert Baron. Einen vorschnellen Abschuss von Wildtieren jeglicher Art unterstützt der AfD-Politiker nicht. „Nur bei Problemwölfen oder wenn das ökologische Gleichgewicht durch eine zu rapide Vermehrung gefährdet wird, ist ein Abschuss sinnvoll.“

Der CDU-Landtagsabgeordnete Arnulf von Eyb aus Dörzbach würde es mit Blick auf die Artenvielfalt zunächst begrüßen, wenn der Wolf auch in Baden-Württemberg wieder „seinen Raum bekommt“. Von Eyb: „Ich rate den Bürgern, weder ängstlich noch zu sorglos damit umzugehen, denn der Wolf ist ein Raubtier, dem mit Respekt begegnet werden sollte.“ Gleichzeitig rät er Nutztierhaltern, präventive Maßnahmen zu ergreifen. „Der Einsatz von zusätzlichen Hütehunden ist ratsam“, empfiehlt von Eyb. „Auch sollte im Falle eines Wolfsrisses ein Schadensausgleich für die Schafshalter stattfinden.“

Skeptischer Schäfer

Noch mehr finanzielle Unterstützung beim Herdentierschutz wünscht sich künftig auch Norbert Fischer, der in Langenburg eine Schafskäserei betreibt. „Wieso muss der Schäfer eigentlich Maßnahmen ergreifen und nicht der Naturschutz, der den Wolf hier unbedingt haben will?“, fragt der Schafhalter leicht ironisch, bevor er gleich wieder ernst wird. „Es darf beim Herdenschutz kein Cent der Kosten auf dem Schäfer sitzen bleiben“, fordert Fischer.

Der Schafhalter glaubt aber nicht daran, dass höhere Netze und Herdenschutzhunde als Präventionsmaßnahmen ausreichen, um einen Wolf abzuschrecken. „Diesen Sommer wurden bei einer Freundin in der Schweiz mit 700 Schafen und acht Herdenschutzhunden insgesamt 40 Schafe vom Wolf gerissen“, so Fischer. Vier Schafherden zählt der Käserei­betrieb der Familie Fischer in Langenburg. „Da wären eigentlich mehrere Wildaufseher oder Jäger nötig, um die Herden nachts zu bewachen“, sagt Fischer halb im Scherz und halb im Ernst.

Eine klare Position zur potenziellen Rückkehr des Wolfes bezieht Helmut Bleher. ­

„Baden-Württemberg ist für Wölfe ungeeignet, diese gehören nicht hierher in unser dicht besiedeltes Land“, meint der Geschäftsführer des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems. „Schafe in unseren kleinräumigen Gebieten unter Wolfsdruck zu halten, wird kaum möglich sein.“ In Blehers Augen könne es nicht gewollt sein, Tierhaltungen zur Landschaftspflege zugunsten von Raubtieren abzuschaffen, nur weil Artenschutz naiv verstanden werde. Die Diskussionen um den Wolf halten den Landwirtschaftsexperten und seine Verbandskollegen auf Trab.

Bleher sagt: „Lieber wenige Wölfe konsequent bejagen und dafür sorgen, dass keine gefährliche Population entsteht, als anschließend darüber streiten, wer die Schäden zahlen muss.“

Der Haller Kreisverband des Naturschutzbunds (Nabu) hält sich zur möglichen Rückkehr des Wolfs nach Hohenlohe und Schwäbisch Hall eher noch bedeckt. „Ich persönlich würde eine Rückkehr begrüßen. Aber ansonsten verweise ich gerne auf die Arbeitsgemeinschaft Luchs und Wolf, die sich zuletzt intensiv mit Ideen für ein effektives Wolfsmanagement befasst haben“, erklärt der Nabu-Vorstand der Haller Ortsgruppe. Die Arbeitsgemeinschaft Luchs und Wolf stellte der Öffentlichkeit jüngst ein 8-Punkte-Papier für einen besseren Herdenschutz in Baden-Württemberg vor. Die Nabu-Experten halten die Landesregierung dazu an, die Punkte schnell zu realisieren, um einen effizienten und praxisnahen Herdenschutz gewährleisten zu können. Die Arbeitsgemeinschaft wünscht sich von der Politik unter anderem eine Konzeptentwicklung zur Unterstützung von Nutztierbetrieben beim Herdenschutz sowie eine bessere finanzielle Förderung im Falle eines Wolfsrisses. Auch fordern die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft in ihrem Papier eine Novellierung der Tierschutzhundeverordnung, damit dem rechtssicheren Einsatz von Herdenschutzhunden keine großen Hürden mehr im Wege stehen. asc

Vor knapp sechs
Wochen
hat ein Wolf in Widdern-Unterkessach im Landkreis Heilbronn  drei Schafe gerissen. Laut dem Umweltministerium war dies der erste Fall seit mehr als 100 Jahren, bei dem dieses Raubtier in Baden-Württemberg nachweislich Schafe tötete. Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) betonte, dass mögliche Beutetiere so gut wie möglich geschützt werden müssten. In der grün-schwarzen Landesregierung ist eine Diskussion zwischen den Grünen und der CDU über den Umgang mit dem Wolf aufgekommen.
Naturschützer gehen von einer Rückkehr des Wolfs nach Baden-­Württemberg aus. Das Land hat in diesem Jahr in Höchenschwand im Hochschwarzwald das erste Wolfs-Informationszentrum eröffnet. Naturschützer, Touristen, Landwirte und Jäger können sich dort über die Wiederansiedlung des Wolfs informieren.
Auch bundesweit sorgt das Thema für erhitzte Gemüter – für die einen ist der Wolf bedrohlich, für die anderen bereichernd. Das Raubtier lebt laut Medienberichten seit der Jahrtausendwende wieder in Deutschland. Jeder zehnte Wolf werde illegal getötet, was Naturschützer kritisierten.

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