Rund um den Baum: Gestürzt, geknackst, gespendet

Das Wetter hat es zwar nicht gut gemeint mit denen, die den Mai feiern wollten. Der Gaudi tat das aber keinen Abbruch – und Streiche spielen kann man auch im Regen.

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Dieses war der erste Streich: Lange bevor am Abend in den Hohenloher Dörfern gefeiert wurde, war man in Hall dabei, eine mächtige Birke für den Marktplatz anzuliefern. Dumm nur, dass der Lkw umkippte. Nach ersten Erkenntnissen hatte kein Crailsheimer seine Finger im Spiel. . .

Und der zweite folgt sogleich: Die Menschen in Lendsiedel staunten nicht schlecht, als die Spitze ihres stolzen Maiengewächses plötzlich gen Erdboden zeigte. Der Stamm war schlicht auseinandergekracht. Ob danach auch die Stimmung angeknackst war, ist derweil nicht überliefert.

Gleich drei Maibäume wurden in Kirchberg aufgestellt: Vor dem Schloss errichtete die evangelische Heimstiftung einen geschmückten Baum. Am Frankenplatz sorgten die Mannen von der Feuerwehr für einen reibungslosen Ablauf des traditionellen Rituals. Sie erhielten beim Aufstellen der mächtigen Birke mit Schwalben nach alter Väter Sitte viel tatkräftige Unterstützung von jungen Männern aus der Anwohnerschaft. Die Städtlesbewohner zeigten heuer besonderen Ehrgeiz, weil es letztes Jahr nur mit "Erster Hilfe aus dem Tal" gelungen war, den Baum zu stellen, wie ein Schild oben an der Birke damals schadenfroh verkündete. Dieses Jahr nun erlitten die "Doolemer" eine Schmach: Ihr Maibaum wurde über Nacht in Stücke gesägt.

Wo ist eigentlich die Liebe geblieben? Früher waren die Hohenloher Straßen und Wege doch immer reichlich mit Kalk verziert und zeigten auf, wer wen verehrte. Heuer meistens: blanker Teer - bisweilen "verziert" mit den obligatorischen Schlaglöchern. In Tiefenbach wurden sie bepflanzt. Na, das ist doch wenigstens ein Liebesdienst an der maroden Infrastruktur.

Vielleicht lag die mangelnde Bereitschaft zur Kalkspur auch an der mangelnden Bereitschaft des Wetters, es gut mit den Maifeiernden zu meinen. Gemütlich ist anders. So fielen geplante Maiwanderungen schlicht ins Wasser. Einige Unentwegte freilich gibt's immer - eine Gruppe aus Rot am See zum Beispiel, die sich mit Bollerwägelchen und allerhand Wärmendem nach Bovenzenweiler aufgemacht hatte. "Uns ist das Wetter egal", sagten sie. Und gaben dann zu, dass sie normalerweise doppelt so viele wären: "Da hat sich eben die Spreu vom Weizen getrennt."

In Feuchters' Kulturkneipe in Bovenzenweiler sollte es eigentlich "Umsonst & draußen" mit der Band "Loadz Off" heißen. Daraus wurde nun halt ein "Umsonst & drinnen".

Noch ein Blick nach Ilshofen: Da nahmen Maistreichler das Vorhaben des Gemeinderats aufs Korn, ein teures Ortseingangsmonument zu errichten. Sie teilten mit: "Heute Nacht haben unbekannte edle Spender der Stadt Ilshofen Ausgaben in Höhe von 100.000 Euro erspart. Sie haben am Wunschstandort ein Willkommensmonument installiert. Gefertigt wurde es nicht aus Sölker Marmor, sondern aus Hohenloher Spanplatte. Das Monument beinhaltet einen Spendensack, in den engagierte Bürger ihren Obulus einwerfen können, um irgendwann vielleicht doch ein prächtiges Eingangsmonument zu erhalten, ohne dafür öffentliche Mittel zu verschwenden."

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