Riskantes Schnäppchen

Betreiber von Kraftwerken haben ein Problem: Der Preis beim Verkauf von Strom sinkt. Dennoch wollen die Haller Stadtwerke ihren Anteil am Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerk in Hamm-Uentrop erhöhen.

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Fast eine halbe Milliarde Euro hat der Bau des Kraftwerks gekostet. Im Jahr 2007 ging es ans Netz, betrieben von 28 Stadtwerken. Die Haller haben daran einen auf den ersten Blick recht kleinen Anteil von 1,87 Prozent. Da die elektrische Leistung des Gemeinschaftsprojekts aber 846 Megawatt beträgt, und damit in der Liga der Atomkraftwerke mitspielt, ist der Anteil der Haller Stadtwerke nicht unbedeutend. Mit der "Kraftwerksscheibe" von 15,82 Megawatt, die den Schwäbisch Hallern gehört, könnten rund 40 Prozent des Stroms für die Kocherstadt erzeugt werden.

Das Problem nun: In Zeiten der Förderung von erneuerbaren Energien, steigenden Kosten für den Ausstoß von CO2 und sinkenen Verkaufspreisen von Strom machte das Kraftwerk in einigen Monaten keinen Gewinn mehr.

"Im Moment drohen weitere Verluste", sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Johannes van Bergen. Er glaubt aber an die Zukunft des Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerks (GuD). "Viele Kraftwerke werden derzeit stillgelegt. Das geht nicht so weiter, ohne dass das Netz zusammenbricht." Das flexible Kraftwerk des Stadtwerkeverbunds sei geradezu ideal, die Lücken zwischen Großkraftwerken auf der einen und Windkraft sowie Fotovoltaik auf der anderen Seite auszugleichen.

Während andere Partner Anteile loswerden wollen, sind die Haller Stadtwerke an einer Vergrößerung ihres Engagements interessiert. 5,6 Megawatt für 128 950 Euro wurden ihnen angeboten. Möglicherweise erhöht sich das Stück, das sich die Haller abgreifen wollen, noch auf 7,5 Megawatt. Und das zu einem Schnäppchenpreis: Im Vergleich zu der Zeit vor der Inbetriebnahme des Kraftwerks sind Anteile nun zu einem Drittel des Preises zu haben.

Warum aber haben andere Energiemanager kalte Füße bekommen? Das Schnäppchen könnte zu einem vergifteten Geschenk werden. Gasmengen, die bis ins Jahr 2014 reichen, wurden eingekauft. Doch wie entwickelt sich der Strompreis? Mögliche Verluste tragen die Anteilseigner. Van Bergen gibt das Risiko, das auf die Haller bis 2014 zukommen könnte, mit 300 000 Euro an.

Der Aufsichtsrat der Stadtwerke hat zugestimmt, dass sich das Unternehmen für neue Anteile bewerben kann. Ein Grund dafür war der Fakt, dass die Anteile am Kraftwerk in den vergangenen Jahren Gewinne abgeworfen haben. Der Einsatz von einst 1,2 Millionen Euro für die Kraftwerksanteile sei längst wieder erwirtschaftet worden.

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