Rettungskräfte fordern Ausbau der A6: "Unfall ist ein deutliches Signal"

Ist die Massenkarambolage am Dienstag auch eine Folge des dichten Verkehrs auf der Autobahn 6? Rettungskräfte fordern einen dreispurigen Ausbau. Harald Ebner (Grüne) hingegen sieht keinen Zusammenhang.

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14 Lastzüge verkeilen sich, 19 Autos fahren ineinander - insgesamt 33 Fahrzeuge. Zwei Tote, zehn Schwerverletzte, 13 Leichtverletzte und ein Millionen-Sachschaden. Ein Bild des Grauens. "Es ist nicht zu fassen, was man da zu sehen bekam", sagt Einsatzleiter Werner Groß, von der Crailsheimer Feuerwehrabteilung, später.

Ursache war vermutlich der explodierte Turbolader eines LKW, der auf der stark befahrenen Autobahn eine Kettenreaktion ausgelöst hatte.

Bei der Einsatzbesprechung am Dienstagabend schlussfolgert der Crailsheimer Stadtbrandmeister Tilman Wagner: Eine dritte Spur muss her. Die Autobahn 6 müsse ausgebaut werden, bekräftigt Groß zur gleichen Zeit in einem Fernseh-Interview. "Ein deutlicheres Signal kann es nicht geben!", sagt Groß. Die Verkehrsdichte sei zu hoch. "Dieser Unfall hat erneut gezeigt, wie notwendig es ist, den dichten Verkehr zu entzerren." Das glauben auch die Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten (CDU) aus Künzelsau und Annette Sawade (SPD) aus Schwäbisch Hall. Von Stetten will den Ausbau durch eine private Finanzierung beschleunigen.

Der Kirchberger Grünen-Abgeordnete sieht es anders: "Ich erlebe es nicht, dass da so irre viel Verkehr ist." Die vielen Unfälle auf der A6 seien bedauerlich. Die Gründe dafür seien jedoch zu dichtes Auffahren und zu hohes Tempo. Ein Tempolimit helfe ab. Ein Fernfahrer, der seit 34 Jahren täglich mit 40 Tonnen unterwegs ist, weist das nicht von der Hand: "Viele Kollegen halten den Sicherheitsabstand nicht ein", berichtet Dieter Wahl aus Ilshofen.

Gerade weil der Anteil der Lkw am Verkehr auf der A6 so hoch sei, kontrolliere die Polizei jede Woche die Abstände, betont Hans-Ulrich Stuiber von der Haller Polizeidirektion. Ein Ausbau, sagt Stuiber, wäre aus Sicht der Polizei wünschenswert. Dies würde die Sicherheit erhöhen, versichert auch Dekra-Sondergutachter Dieter Wolpert, der zur Zeit die Ursache der Massenkarambolage untersucht. Und der Chef der Heilbronner Autobahnpolizei, Jens Brockstedt, drückt es so aus: "Es ist eigentlich zu viel Verkehr und zu wenig Autobahn."

Harald Ebner meint, es sei "ein kindlicher Gedanke" deshalb eine Straße so breit bauen zu wollen, dass man nicht mehr hinter dem LKW fahren müsse, dessen Turbolader explodiert. "Das bekommt man durch keine Baumaßnahme aus der Welt." Ebner hält an seinem Vorschlag fest: Moderne Leittechnik solle bei hohem Verkehrsaufkommen die Standspur als dritte Fahrbahn freigeben. Ein "Luxus-Ausbau" der A6 gehe "an der Realität vorbei", hatte er im Sommer gesagt.

"Ich warne seit Jahren davor", sagt der CDU-Abgeordnete von Stetten, der sich seit Jahren für den A6-Ausbau einsetzt, zu den Vorschlägen der Grünen. Der Chef der Kirchberger Autobahnpolizei, Helmut Wengert, gibt Schützenhilfe: "Wir brauchen dringend den Standstreifen." Sonst, sagt auch der Haller Stadtbrandmeister Volker Damm, komme die Feuerwehr nicht mehr durch den Stau.

Fernfahrer Wahl hält die Autobahn 6 für "chronisch überlastet". Wegen des Überholverbots müsse man stundenlang monoton in der Kolonne fahren, was gefährlich sei. "Ich fahre die A6 nicht gern."

Verkehr auf der A6

Statistik Laut Straßenverkehrszählung von 2010 rollten auf der A6 bei Wolpertshausen werktags durchschnittlich 50.260 Fahrzeuge. Der Anteil der LKW lag bei 35 Prozent. Auf der A81 bei Möckmühl waren es nur 34.715. Für 2025 sagt eine Prognose 59.000 Fahrzeuge täglich auf der A6 voraus, davon 40,5 Prozent LKW.

Unfälle Jährlich zählt die Autobahnpolizei Kirchberg zwischen 550 und 700 Unfälle. 2012 waren es 564, davon 57 mit Personenschaden. Von 94 verunglückten Menschen waren 54 leicht verletzt, 35 schwer. Zwei Unfälle forderten insgesamt 5 Tote.

 

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