Restaurator Volker Immel aus Ilshofen repariert Puppenstuben

Winterzeit ist Puppenstubenzeit - auch für Volker Immel. Am Sonntag begutachtet der Ilshofener Restaurator kaputte Puppenstubenmöbel in der Ausstellung "Erinnerungen" im Kulturm in Ilshofen.

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"Puppenstuben reparieren ist gar nicht so einfach", weiß Restaurator Volker Immel aus Ilshofen - und wer selbst zu Klebstoff oder Hammer greift, macht oft mehr kaputt als ganz.

Volker Immel betrachtet in seiner Restauratoren-Werkstatt in Ilshofen eine Handvoll kleine, dunkelbraune Holzteilchen. Er setzt sie zusammen - ein Sessel! Unverkennbar 1930er-Jahre. Nicht wirklich schön, aber zeittypisch. Und heiß geliebt, denn mit dem Sesselchen ist offenbar so lange gespielt worden, bis es sich in seine Einzelteile aufgelöst hat. "Dann habens die Leute einfach wieder zusammengeklebt", sagt Immel und deutet auf die dunkelbraunen Klebespuren. "Aber das nützt nichts", sagt der Restaurator. Denn der Klebstoff hält oft nur wenige Jahre und löst sich dann wieder. "Was bleibt, sind hässliche Flecken, die oft schwer zu entfernen sind."

Wie gesagt, es ist nicht einfach, Puppenstubenmöbel zu reparieren. Man braucht vor allem spezielles Werkzeug dafür. "Die Möbelchen lassen sich ja nicht einfach in die normalen Schraubzwingen spannen", sagt Immel. Und wer mit einem Hammer auf die Mini-Kostbarkeiten losgeht, zerbricht das gute Stück schneller, als ihm lieb ist. Ein Hämmerchen ist das Werkzeug der Wahl, so klein, dass es selbst in eine Puppenwerkstatt passen könnte.

Der Restaurator hat deshalb alle Werkzeuge zweifach: normal groß für die "normalen" Möbel, die er restauriert, und in Klein für die Mini-Möbel aus den Puppenstuben. "Ob groß oder klein - die Arbeit ist dieselbe", sagt er.

Aber wer Puppenmöbel repariert, steht oft vor einem Dilemma: Auf der einen Seite sollen die Sachen wieder funktionieren oder wie im Fall des braunen Sesselchens, auf allen vier Beinen stehen - denn mit den Möbeln soll gespielt werden. Auf der anderen Seite jedoch sollen die Spuren der Zeit nicht völlig getilgt werden. "Die Sachen sind ja nur authentisch, wenn man das Alter erkennen kann", sagt Immel.

Dennoch wollen viele Leute ihre Kostbarkeiten selber reparieren, wissen Roselinde Wahl und Regine Bräuninger. Beide sind passionierte Puppenstubensammlerinnen - und beide zeigen derzeit ihre Schätze im Kulturm, im Haller Torturm in Ilshofen. Sie haben Volker Immel gebeten, am Sonntagnachmittag in die Ausstellung zu kommen, um die kaputten Puppenstuben der Besucher zu begutachten. "Natürlich kann man an dem Nachmittag nicht alles reparieren", sagt Roselinde Wahl. "Schon bis der Leim trocken ist, dauert es ja ein paar Stunden." Dennoch kann der Fachmann beurteilen, ob eine Reparatur möglich ist und ob sie sich lohnt.

Doch das ist meistens der Fall, wie Regine Bräuninger und Roselinde Wahl erklären - und weil beide auch passionierte Ausstellungsmacherinnen sind, haben sie die Weihnachtsdeko ihrer Ausstellung mittlerweile abgebaut. "Wir zeigen jetzt zusätzlich Textilien aus verschiedenen Epochen", sagt Roselinde Wahl.

Für die beiden Sammlerinnen gilt übrigens: Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung. Wahl blickt voraus: "Fürs nächste Jahr denken wir an eine Ausstellung mit Porzellan. In allen Größen und Farben."

Volker Immel hat indes das braune Sesselchen wieder auf den Werktisch gelegt. Er will es leimen, sobald er dazu kommt. Denn wer meint, kleine Möbel reparieren sich schnell, der irrt. "Puppenmöbel sind echte Zeitfresser", sagt der Restaurator. "Man muss sich in die kleine Welt ja auch hineindenken."
 


Noch bis 26. Januar geöffnet

Die Puppenstuben-Ausstellung von Regine Bräuninger und Roselinde Wahl im Kulturm in Ilshofen (Haller Torturm, Haller Straße 1) ist noch bis 26. Januar sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Am Sonntag, 12. Januar, kommt Restaurator Volker Immel und begutachtet die Puppenstuben und -möbel der Besucher.

Weitere Infos: www.kulturm-ilshofen.de und www.restaurierung-immel.de.

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