Renate Wengert mag"s bayrisch

Bayrisches Temperament in Bühlertann: Die Gardetrainerin Renate Wengert gibt immer alles. Nur in der Küche nicht. Denn bei Wengerts kocht der Mann. Nur bei der Lieblingsspeise muss sie selbst hinter den Herd.

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"Eigentlich kocht ja mein Mann", sagt Renate Wengert (68), während sie genüsslich die Sauren Lüngerl abschmeckt. Einmal, zweimal und gleich noch ein drittes Mal. "Weil"s so gut schmeckt", lacht sie verstohlen und holt sich mit der Zunge die Soßenreste von der Lippe in den Mund. "Nur die Sauren Lüngerl muss ich selber kochen. Das mag Günter nicht", klärt sie diesen Einsatz am Herd auf. Dabei gehöre der bayerische Leckerschmecker zu ihren Leibspeisen.

In diesem Moment wirft Günter Wengert einen Blick in die Küche. Seine Frau winkt ihn sofort an den Herd. "Probier mal", fordert sie ihren Mann auf. Der gehorcht. "Gut. Vielleicht no ä weng Butter", schwäbelt er beim Verlassen der Küche seiner Frau entgegen. Isst er nicht mit? "Ich hab zum Glück keine Zeit", freut sich Wengert laut lachend und lässt mit Schwung die Tür ins Schloss fallen. Das macht stutzig. Doch die Köchin klärt auf: Es liege nicht am Essen, sondern an der Lunge. Sie erzählt die Geschichte von Anfang an. Renate und Günter Wengert haben sich Anfang der Sechziger Jahre in ihrer Heimatstadt Reichertshofen kennen gelernt. Günter war damals Soldat in Ingolstadt und wollte seine künftige Schwiegermutter mit einem typisch schwäbischen Essen beeindrucken. Was daneben ging. Denn Resi Kothmaier erklärte dem jungen Schwaben, dass in Bayern Kutteln als Hundefutter betrachtet werde. Als Wengert kurze Zeit später im Hause Kothmaier zum Essen eingeladen war, gab es Saure Lüngerl, die jetzt Wengert mit den Worten verweigerte: "Bei uns daheim wird Lunge an die Hunde verfüttert."


"Die Soße muss gut sauer sein"

Die Ofenklingel holt Renate Wengert aus der Vergangenheit zurück in ihre Küche. Sie dreht am Ofen die Temperatur auf 175 Grad zurück und schiebt die Nachspeise ins Rohr. "Wenn es anfangs richtig heiß ist, bekommen die Rohrnudeln ein bisserl Farbe", klärt sie den Temperaturwechsel auf. Und widmet sich wieder der deftigen Pfanne, in der die Lüngerl dünsten. Sie rührt, schmeckt ab, gießt noch ein bisschen Rotweinessig nach. "Die Soße muss gut sauer sein", verrät sie einen wichtigen Bestandteil ihrer Lieblingsrezeptur. Die habe es daheim in Reichertshofen einmal die Woche gegeben, immer mittwochs. "Montag war Schlachttag, mittwochs gab es Lüngerl. Wir haben über der Metzgerei gewohnt", erklärt sie den strikten Essensplan im Hause Kohtmaier.

Apropos Metzgerei. Renate Wengert holt ein Schüsselchen mit noch roher Lunge aus dem Kühlschrank. Sie dreht die Lungenflügel auf den Rücken und zeigt auf die vielen Äderchen im Fleisch. "In Bayern bekommt man die Lungen abgekocht und geputzt", sagt sie fast vorwurfsvoll. Nicht so in Württemberg. Da müsse man selbst Hand anlegen. Zwei Stunden habe sie gestern Abend die Lüngerl mit dem Messer seziert. Dann lacht sie herzhaft und füllt die Teller: "Die essen wir jetzt hier. Aber die nächsten ess" ich mit Sicherheit erst wieder im Münchner Hofbräuhaus."

"Eigentlich hab' ich mich an die Kutteln gewöhnt"

Zu den Lüngerln gibt es Semmelknödel. Und nach den Lüngerln Rohrnudeln mit eingemachten Zwetschgen. Eine Portion wandert in den Kühlschrank. "Für Günter. Ich ess schließlich auch seine Kutteln", sagt sie spitzbübisch. Und verrät flüsternd: "Eigentlich mag ich beides. Ich bin seit fast 50 Jahren in Bühlertann und hab mich an die Kutteln gewöhnt."

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