Räder fürs Mobilsein, ein Sofa fürs Plaudern

Knapp zwei Monate ist es her, dass 34 Flüchtlinge ins 160-Seelen-Dorf Rappoltshofen eingezogen sind. Offenbar verläuft das Zusammenleben glatt.

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  • Mit Schutzweste (und Helm - hier auf dem Bild nicht sichtbar) ausgestattet, lernen die Flüchtlinge, sich mit dem Fahrrad entsprechend der hiesigen Verkehrsvorschriften zu bewegen. Privatfoto 1/2
    Mit Schutzweste (und Helm - hier auf dem Bild nicht sichtbar) ausgestattet, lernen die Flüchtlinge, sich mit dem Fahrrad entsprechend der hiesigen Verkehrsvorschriften zu bewegen. Privatfoto Foto: 
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Als im Oktober die Bürger von Rappoltshofen davon überrascht wurden, dass in einem leer stehenden Haus im Ort bis zu 50 Flüchtlinge einquartiert werden sollten, war die Skepsis groß, ob das gut geht. Margit Unfried, die zwei Häuser weiter wohnt, sagt: "Ich höre fast keine negativen Stimmen. Die Leute sind sympathisch." Von Problemen bekomme sie nichts mit, über Dr. Rainer Single und den Freundeskreis werde viel abgefangen. "Die Hilfen stehen. Mal soll man ein Rezept abholen oder jemanden zum Artz fahren - das wird immer von jemandem übernommen." Bislang habe sie wenig Kontakt mit den neuen Mitbewohnern, erzählt Margit Unfried. Aber sie ist sich sicher, wenn im Frühjahr die Spielgeräte in ihrem Hof abgedeckt sind, werde sie mit den Familien in Verbindung kommen. "Es ist richtig gut gelaufen", stellt auch Bürgermeister Siegfried Trittner fest. Das sei vor allem der Arbeit des Freundeskreis Asyl zu verdanken sowie der positiven Grundstimmung der Flüchtlinge. "Wir haben eine optimale Versorgung", sagt Rainer Single, Sprecher des Freundeskreises, "45 Helfer auf 37 Flüchtlinge." Hinzu komme: Noch profitierten die Helfer wie die Migranten von der hohen Anfangsmotivation. Single hofft, dass die Qualität erhalten bleibt, wenn weitere Flüchtlinge in die Gesamtgemeinde einquartiert werden.

Aktuell leben 37 noch nicht anerkannte Flüchtlinge in der Erstunterbringung in Rappoltshofen. Jede Familie hat ein eigenes Zimmer, das Zusammenleben im Haus und innerhalb des Dorfes verlaufe friedlich, so Single. Jede Familie habe persönlich zugeordnete Helfer. "Die können alle Wünsche und Bedürfnisse abchecken." Derzeit richten sich die Flüchtlinge wohnlich ein: An die Fenster kommen Vorhänge, für den Sozialraum wurde ein Sofa besorgt. Im Sozialraum wird von den Helfern dreimal die Woche Deutschunterricht abgehalten. "Das macht allen großen Spaß", sagt Rainer Single. Es gebe keine Konflikte zwischen den Rappoltshofenern und den Zugezogenen. Inzwischen sei auch akzeptiert, dass die Kinder auf der Straße spielen - angesichts des geringen Verkehrsaufkommens sei dies zu vertreten. Kinder wie Flüchtlinge seien zudem über verkehrsgerechtes Verhalten informiert worden. In diesem Punkt habe es Diskussionen im Ort gegeben, weil Kinder unbeaufsichtigt auf der Straße gespielt hatten. "Hier konnte durch viele Aufklärungsgespräche bei Eltern und Kindern eine Besserung erzielt werden", erklärt Bürgermeister Siegfried Trittner.

Alle Flüchtlingsfamilien sind inzwischen mit Fahrrädern ausgestattet - das Dorf liegt abgelegen, nur selten fährt ein Bus. Die gespendeten Räder wurden in einer Werkstatt überprüft, ob sie verkehrstauglich sind, Licht und Bremsen funktionieren, berichtet Rainer Single. Die Helfer waren dabei zu Beginn mit den Flüchtlingen unterwegs, um sie die Verkehrsregeln zu lehren.

Inzwischen sind die Flüchtlingskinder eingeschult - ein Zwölfjähriger in Gaildorf, die anderen an der Werkrealschule in Obersontheim. Die kleineren Kinder sollen ab dieser Woche nach und nach in den Kindergarten Oberfischach aufgenommen werden. Die Fahrtkosten deckt der Freundeskreis über Spenden.

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