Psychologe spricht in Mainhardter Helmut-Rau-Schule über kindliche Entwicklung

Thomas von Stosch gibt Tipps für glückliche Familien. Wenn es den Eltern gut geht, geht es auch den Kindern gut. Der Psychologe referiert in Mainhardt humorvoll über die kindliche Entwicklung.

|
Vorherige Inhalte
  • Familie Fiedler: Denise (28), Falk (35), Lilli (5) und Leon (1). Archivfoto: Benjamin Thomsen 1/2
    Familie Fiedler: Denise (28), Falk (35), Lilli (5) und Leon (1). Archivfoto: Benjamin Thomsen Foto: 
  • Psychologe Thomas von Stosch. 2/2
    Psychologe Thomas von Stosch. Foto: 
Nächste Inhalte

"Ich fand's sehr informativ", lobt Chris Konzmann, Vater zweier Kinder, den Vortrag beim Themenelternabend der Mainhardter Kindergärten. Rund 60 Zuhörer sind in die Mensa der Helmut-Rau-Schule gekommen, um den Psychologen Thomas von Stosch zu hören. Es geht um (früh-) kindliche Entwicklung. "Eltern müssen nicht gut sein, um geliebt zu werden", beruhigt Thomas von Stosch gleich zu Beginn. "Doch es gibt Eltern, die sind auf der Flucht", scherzt er. Und zwar dann, wenn alles unter 1,5 Meter in der Wohnung kindersicher gemacht würde. Es sei nicht gut, wenn Eltern ihre Ansprüche zurücknehmen. Denn nur, wenn es ihnen selbst gut gehe, könnten sie gut für ihre Kinder sorgen. "Für eine gesunde Entwicklung braucht es ein gutes Klima", so der Psychologe.

Jedes Kind habe Vater und Mutter. "Außer vielleicht einer, vor rund 2000 Jahren", witzelt er, und betont nachfolgend, wie wichtig die Rollenorientierung sei. Im Lauf des Vortrags weist von Stosch immer wieder auf die Unterschiede zwischen Frauen und Männern hin. "Mädchen wollen wie Mama sein und spielen Familie. Jungs bewaffnen sich und wollen Held werden", so der Psychologe plakativ. Er wirbt dabei um Verständnis und erzählt: Sein Sohn habe der kleinen Schwester ein Spielzeugauto zum Geburtstag geschenkt. Diese habe die Motorhaube geöffnet und versucht, ihr Fläschchen hineinzustecken. "Mehr muss man dazu nicht sagen", fügt er hinzu.

Als Phasen im Leben eines Kindes seien nach der Geburt "spürbares Leben" bis zum zweiten Lebensjahr mit den Lernerfolgen Wahrnehmung und Begreifen zu nennen, so der 64-Jährige. Danach folge die "Autonomie und Ich-Entfaltung", etwa bis zum sechsten Lebensjahr. Anschließend käme die Entwicklung zu Selbstwert und Leistungsvermögen, die etwa im zwölften Lebensjahr durch die Phase der Entdeckung des eigenen Selbst in der Pubertät abgelöst würde.

Auf das Gehirn des Menschen geht von Stosch vertieft ein und zeigt dazu Illustrationen. Das "geniale" Gehirn baue sich nach den individuellen Erfahrungen und Reizen immer wieder um. "Nur was gebraucht wird, merkt es sich", so der Psychologe. Rund 70 Prozent des Schulstoffs würde wieder vergessen, fügt er an. Auch darum sei es wichtig, zu wissen, wofür Kinder "brennen", dann lerne es sich leichter. Ein Kind entwickle sich umso besser, je mehr es durch seine Umwelt angeregt werde, spannt er den Bogen weiter.

Kinder sollten Freiräume haben, ihre eigenen Phantasiebilder zu entfalten. Wenn man die - angenommen unbekannte - Geschichte von Pippi Langstrumpf nur erzähle, kämen bei 30 Kindern 30 verschiedene Bilder heraus. Zeige man ihnen vorher den Film, würden 30 fast identische Bilder gemalt. "Wo bleibt da die Vielfalt?", fragt von Stosch kritisch und spinnt den Faden weiter. Eine freie Erzählung sei besser als bloßes Vorlesen. "Stellen Sie sich vor, ich würde meinen Vortrag heute nur ablesen, da wäre das Zuhören ganz schön schwierig", erklärt der Psychologe.

"So wie du bist, bist du richtig", sei eine gute elterliche Einstellung gegenüber seinem einzigartigen Kind. Bei Problemen helfe die Einstellung "alles, was ich nicht kann, kann ich lernen". Es sei wie der Übungseffekt beim Fahrradfahren, erklärt von Stosch.

Die Organisatorin Sandra Bühler vom Kindergarten Schultheiß-Huzele nennt den Vortrag "erfrischend und lebendig". Der Saal leert sich nur zögernd, denn die Besucher stehen noch länger in Grüppchen zusammen und diskutieren.

Info Meist einmal im Jahr organisiert einer der Kindergärten in Mainhardt einen Vortrag zu Erziehungsthemen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Brand in Lackiererei in Ingersheim

Ein Feuerwehrmann ist beim Löschen des Brandes schwer verletzt worden. Sie ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt. weiter lesen