Populärster Bürger der Gemeinde

Der Name Rößler wird nicht nur in Untermünkheim mit Schreinerhandwerk und bemalten Möbeln verbunden. Auch überregional ist er bekannt. Zu verdanken ist dies der Signatur eines einzelnen Handwerkers.

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Weshalb der Schreinermeister Johann Michael Rößler (1791 - 1849) die von ihm geschreinerten und bemalten Bauernmöbel signierte, ist bis heute nicht bekannt. Weder der Vater Johann Heinrich, der die Werkstatt 1779 in Untermünkheim etablierte, versah die Möbel mit seinem Namen, noch taten dies die zwei bis drei anderen in der Gemeinde ansässigen Schreinermeister. Heimatkundler vermuten, dass eine Mischung aus Selbstbewusstsein, Stolz und Geschäftstüchtigkeit die Ursache war.

Die Signatur "JMR" beziehungsweise "Michael Rößler, Schreinermeister von Münkheim" sicherte ihm bereits zu Lebzeiten hohe Popularität. "In der Hochzeit der bemalten Möbel war er so bekannt, dass viele sagten: ,Einen Rößler-Schrank muss ich haben!", weiß Frieder Krumrein, der erste Vorsitzende des Kultur- und Fördervereins Rößlermuseum, der zufällig selbst in der nach dem Schreinermeister benannten Straße wohnt. "Johann Michael Rößler ist wohl der bekannteste Untermünkheimer aus der Vergangenheit", fügt Krumrein hinzu.

Als fünftes von zehn Kindern wurde Johann Michael Rößler am 5. Oktober 1791 in Untermünkheim geboren. Er wuchs in einer bewegten Zeit auf, die durch die Vorherrschaft Napoleons das Ende der Reichsstadt Hall (1803) und des Fürstentums Hohenlohe (1806) brachte. Nachzulesen ist dies im Buch "Möbel zwischen Handwerk und Kunst. Die Möbelgestaltung Johann Michael Rößlers und ihre Ursprünge", herausgegeben von Albrecht Bedal im Auftrag des Vereins Hohenloher Freilandmuseum.

Johann Michael Rößler und zwei seiner Brüder lernten den Beruf des Schreiners in der väterlichen Werkstatt in der Unteren Dorfstraße. Die Schreinerei gibt es übrigens bis heute, seit nunmehr 242 Jahren, wenngleich sie nicht mehr von Rößler-Verwandten betrieben wird, sondern von dem Handwerksmeister Roland Lederer.

Im Jahr 1816 legte Johann Michael Rößler die Meisterprüfung ab, heiratete im gleichen Jahr 25-jährig Maria Magdalena Gräter aus Ilshofen und übernahm 1818 die väterliche Werkstatt, die er bis zu seinem Tod 1849 führte.

Seine erste Ehe blieb kinderlos. Die Frau war schwer krank und starb wohl an einer Geisteskrankheit und der damit einhergehenden Nahrungsverweigerung. Nach einer damals üblichen halbjährigen Trauerzeit heiratete er ein zweites Mal, nämlich die Witwe Anna Barbara Preuninger aus Untermünkheim. Auch diese Ehe blieb altersbedingt ohne Nachkommen. Deshalb übergab Rößler seine Werkstatt vor seinem Tod an einen Neffen.

Johann Michael Rößler war nicht nur Schreinermeister, sondern auch Gemeinderat und hatte als solcher zusätzliche Funktionen inne. Zum Beispiel bestellte der Gemeinderat ihn als Weinunterkäufer für den hiesigen Gemeindebezirk. Außerdem übernahm er die Aufgabe des Fleisch- und Viehbeschauers sowie des Felduntergängers. Wiederholt wurde er als Pfleger minderjähriger Waisen verpflichtet. Zudem war er als Acciser (Kassier) tätig. "Er war eine angesehene Person in der Gemeinde", resümiert Krumrein.

Nichts zu tun hatte Johann Michael Rößler übrigens mit der farbenprächtigen Bemalung der Untermünkheimer Kirche, die im Jahr 1966 bei einer Renovierung unter brauner Farbe entdeckt wurde. Dies war ihm seinerzeit vorschnell als Verdienst angetragen worden. Da die Kirche bereits 1788 so schillernd hergestellt wurde, als Johann Michael Rößler noch nicht geboren war, kann allenfalls sein Vater an der Bemalung mitgewirkt haben.

Nichtsdestotrotz rechnet die Gemeinde dem Schreinermeister sein Wirken hoch an - weshalb sie nicht nur eine Apotheke und das Museum, sondern in den 70ern auch eine Straße nach ihm benannte.

In dieser zu wohnen sei übrigens nicht allzu idyllisch, lässt Frieder Krumrein durchblicken. "Der untere Teil, in dem ich lebe, ist die Erschließung für Schule, Kindergarten und Turnhalle. An Tempo 30 hält sich leider auch nicht jeder. Es ist fast ein bisschen zu viel Betrieb."

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