Polstermeister Kurt Staß: Der Retter des roten Sofas

Wer wissen möchte, wie sich ein rotes Sofa in eine lebensgefährliche Sitzhölle verwandelt, der liegt bei Kurt Staß richtig. Der Polstermeister kann Storys erzählen ohne Ende - und feiert jetzt 60. Firmenjubiläum.

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  • In seiner Werkstatt in Unterdeufstetten nimmt Polsterermeister Kurt Staß Maß, um die Sitzfläche dieses alten Stuhls neu auszustatten. 1/2
    In seiner Werkstatt in Unterdeufstetten nimmt Polsterermeister Kurt Staß Maß, um die Sitzfläche dieses alten Stuhls neu auszustatten. Foto: 
  • So sah's aus, das Musterzimmer der 70er: Kurt Staß' Eltern sitzen auf dessen Meisterstücken. Privatfoto 2/2
    So sah's aus, das Musterzimmer der 70er: Kurt Staß' Eltern sitzen auf dessen Meisterstücken. Privatfoto
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Zugegeben: Erst vor anderthalb Jahren haben Kurt Staß und seine Frau Maria in Unterdeufstetten ihre Zelte aufgeschlagen, doch das Unternehmen besteht bereits seit 60 Jahren. Gegründet hat es der Vater des heutigen Inhabers, Kurt Staß senior, im pfälzischen Ramstein. Nach mehreren Ortswechseln und zuletzt 30 Jahren in Westhausen bei Aalen hat die Familie Staß die idyllische Umgebung nach Fichtenau gelockt, wo sie in der Birkenwaldstraße 37 eine Bleibe und natürlich auch ihre Werkstatt gefunden hat. Demnächst, so die Pläne, wird dort auch noch ein Beratungsraum für Kundengespräche eingerichtet. Das Büro leitet übrigens Maria Staß.

Das Polsterer- und Raumausstatter-Handwerk hat Kurt Staß quasi von Kindesbeinen an aufgesogen. Seinem Vater hat er regelmäßig nicht nur über die Schulter geschaut, sondern durfte ihm von klein auf auch zur Hand gehen. "Da bleibt natürlich einiges an Tricks und Kniffen hängen", ist Staß überzeugt. So blieb es auch nicht aus, dass er 1976 mit knapp 24 Jahren als einer der jüngsten Polsterer in Rheinland-Pfalz die Meisterprüfung bestanden hat - bei, wie er sagt, "einem der strengsten Prüfer überhaupt. Nur drei von 18 Prüflingen kamen damals durch".

"Leder ist nicht gleich Leder"

Obwohl die Ausbildung an sich Raumausstatter lautet, vereinte sie zumindest früher die Berufe Polsterer, Dekorateur, Sattler und Bodenleger in sich. Kurt Staß hat sich allerdings auf das Polstern spezialisiert. Und hier legt er stets größten Wert auf Kundenzufriedenheit. So versteht es sich für ihn von selbst, dass nach einem ausführlichen Kundengespräch über Wünsche und Vorstellungen - gern auch vor Ort, damit er das Umfeld kennenlernt - jeder wesentliche Arbeitsschritt per Foto auf CD dokumentiert wird. Kooperiert wird mit befreundeten und gleichgesinnten Schreinern, Drechslern und Kunstschmieden. Auch zu süddeutschen Spezial-Gerbern pflegt die Familie Kontakte. Denn: "Leder ist nicht gleich Leder", weiß der leidenschaftliche Handwerker. Probleme bereitet ihm zuweilen das EU-Recht, denn große Büffellederhäute dürfen nach dem Artenschutzabkommen nicht mehr importiert werden. Die aber seien nötig für spezielle großflächige Arbeiten ohne Nähte.

Die Arbeit geht Kurt Staß auch mit seinen inzwischen 63 Jahren nicht aus. Das soll auch so bleiben, denn beste Kundenkontakte in den Aalener Raum sorgen für Aufträge. In letzter Zeit orientiert sich Staß zudem stärker in Richtung Crailsheim. Aber: "Mit 63 will ich erst richtig anfangen", scherzt er. "Vielleicht später mal etwas langsamer tun, aber den täglichen Gang in die Werkstatt, den brauche ich einfach" - neben dem Urlaub mit Fahrrad und Zelt.

Logischerweise werden nur beste Materialien verarbeitet - keine Kunststoffe, kein Seegras, kein Kunstleder und Rosshaare beispielsweise nur vom Schweif. So können alte Sitzklassiker aufgemöbelt und mustergültig restauriert werden. In alten Techniken kennt er sich nämlich aus, besitzt zig Bücher zum Thema. Und wenn die Meisterarbeit dem Kunden gefällt, wird auch schon mal ein Fläschchen Sekt geköpft.

"Wenn's nicht gerade ein Ikea-Modell ist"

Schade findet Kurt Staß indes die Wegwerfmentalität, wenn ein Sitzmöbel verschlissen ist. In vielen Fällen lasse sich da nämlich durchaus noch was retten. "Wenn's nicht gerade ein Ikea-Modell ist", schränkt er ein. Wählen können seine Kunden aus einer riesigen Musterkollektion namhafter Hersteller aus dem In- und Ausland - in Stoff und Leder.

Und was hat's nun mit dem gefährlichen roten Sofa auf sich? "Ach das", sagt Kurt Staß. "Da gab es ein fahrlässig montiertes Sitzmöbel mit einer extrem scharfkantigen Abschlussleiste in Kniekehlenhöhe. Wenn da die Federn gebrochen wären, hätte es dem armen Menschen glatt alle Sehnen und Muskeln abgetrennt."

Info Zu erreichen ist die Polsterei unter Telefon 0 79 62 / 7 12 46 66 und 01 72 / 7 60 58 97 sowie im Internet unter www.polsterer-stass.de. Das 40. Meisterjubiläum wird 2016 mit einem Tag der offenen Tür gefeiert.

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