Plus für Umwelt und Gemeinschaft

Den Winter scheuen die Hellmannshöfer nicht. Im Gegenteil - sie freuen sich, wenn das Außenthermometer fällt und es trotzdem schön warm ist in ihren Wohnstuben.

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Denn dann funktioniert ihr Nahwärmenetz. Seit wenigen Wochen ist das Netz Hellmannshofen in Betrieb, das die meisten Häuser der kleinen Ortschaft in der Gemeinde Frankenhardt mit Wärme versorgt. Diese entsteht in der Biogasanlage der Landwirte Stephan Henn und Gerd Laukenmann in Reishof als Nebenprodukt neben der Stromproduktion. Die Anlage mit 250 kW elektrischer und 260 kW thermischer Leistung ging 2010 in Betrieb. "Wir haben von Anfang an drei Häuser in Reishof mit Wärme versorgt. Die meiste Wärme wurde bislang aber über Notkühler ungenutzt in die Luft geblasen", erzählt Landwirt Stephan Henn.

Dabei ist die Wärmemenge so groß, dass sie in dem 50-Einwohner-Dorf Hellmannshofen weitere 13 Wohnhäuser und einen Ferkelstall heizen kann. "Im Prinzip sind wir ab jetzt der Notkühler für die Biogasanlage", meint Wärmeabnehmer Nikolaus Wolf, der mit seiner Familie ein altes Gasthaus in der Dorfmitte bewohnt. "Wir brauchten bisher jedes Jahr 2000 Liter Heizöl und 30 Meter Holz, um das ungedämmte Haus warm zu bekommen. Jetzt kommt die Wärme einfach so direkt ins Haus - das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch finanziell sehr interessant."

Über ein Jahr lang war im ehemaligen Wirtshaus Waldhorn gegenüber der Kapelle der Treffpunkt für das Projekt Nahwärme. Hier informierte Ingenieur Peter Leidig im Oktober 2011 die Einwohner erstmals über die Möglichkeiten der Wärmenutzung. Bereits einen Monat später wurde eine Gesellschaft gegründet, um die Planungen voranzutreiben.

"Von Anfang an war klar, dass das Netz in Eigenleistung gebaut werden sollte, um Kosten zu sparen", erklärt Peter Leidig, der die Pläne erstellt hat. "Der Vorteil in Hellmannshofen ist, dass hier viele engagierte und motivierte Leute leben, die zudem noch auf verschiedenen Gebieten Fachleute sind. Das war natürlich optimal für das Projekt."

Nachdem die Planungsphase abgeschlossen, die Förderung genehmigt und die Finanzierung gesichert waren, folgte mit der Umsetzung die spannendste Phase. Ein 1,5 Kilometer langer Graben von der Biogasanlage bis in jedes Haus musste ausgebaggert werden - rund 2000 Meter Spezialrohre wurden darin verlegt. "Wir haben stets den kürzesten Weg zu den Häusern gesucht", berichtet Nikolaus Wolf von den sieben Wochen andauernden Bauarbeiten, "teilweise haben wir gar die Kabine des Baggers abgebaut und uns durch den Boden einer Scheune gegraben." Jeder brachte seine Arbeitskraft und sein Können ein. "Wir haben Spezialisten für alles gefunden und wer nicht handwerklich mithelfen konnte, sorgte fürs Vesper", so Wolf.

Unterstützung bekamen die Gesellschafter auch von der Firma Rehau aus Feuchtwangen. Sie lieferte nicht nur die Wärmeleitungen, sondern auch das Know-how. Daniel Lindorfer half bei der Netzdimensionierung und Materialzusammenstellung. Er war von der Planungsphase an mit dabei. Auch die Bauarbeiten vor Ort betreute der technische Betriebswirt mit. "Wir haben schon mehrere Projekte dieser Art begleitet. In Hellmannshofen lief alles reibungslos", so Lindorfer.

Für die Dorfgemeinschaft hat sich der Aufbau des Nahwärmenetzes in eigener Regie in vielerlei Hinsicht gelohnt: Rund 70 000 Liter Heizöl sparen die Hellmannshöfer jetzt jährlich ein - und damit auch eine Menge Kosten. Auch wenn die Endabrechnung noch nicht ganz abgeschlossen ist, zeigt sich bereits, dass die Gesamtkosten die prognostizierten 200 000 Euro nicht übersteigen werden. Durch die Arbeit am gemeinsamen Projekt sind sich die Menschen näher gekommen. "Ich beobachte das öfter bei solchen Projekten, gerade in kleinen Dörfern auf dem Land: Anfangs gibt es viele Fragen und Bedenken, dann raufen sich alle zusammen und am Ende ist die Gemeinschaft gewachsen", sagt Bauingenieur Peter Leidig. Und auch für die Betreiber der Biogasanlage geht die Rechnung auf: Sie bekommen nun einen Bonus dafür, dass die Wärme genutzt wird.

Die erste Kältewelle ist überstanden, die selbst verlegten Wärmeleitungen transportierten warmes Wasser in die 13 Häuser und den Schweinestall. "So gut hatten wir es noch in keinem Winter. Niemand muss selber heizen und niemand muss frieren. Das wurde zwar vorher genau ausgerechnet, aber wenn es dann in der Praxis funktioniert, ist es umso besser", meint Nikolaus Wolf zufrieden.

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