Pläne für den Naturschutz stehen

Magerrasen dürfen nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden. Bis zu 70 Kanus dürfen am Tag auf dem Kocher fahren: Die Managementpläne für das Schutzgebietsnetz Natura 2000 im Kochertal stehen.

|

69 Kommunen aus acht Landkreisen im Großraum Heilbronn haben in diesen Tagen Post vom Regierungspräsidium bekommen: Die Ausarbeitung der Managementplanung für die europäischen Schutzgebiete Natura 2000 ist abgeschlossen. In diesen Plänen ist festgelegt, welche Maßnahmen nötig sind, um sogenannte FFH-Gebiete und EU-Vogelschutzgebiete zu erhalten. FF steht für Flora und Fauna, H bedeutet Habitat, also Lebensraum. Bei dieser EU-Richtlinie geht es darum, natürliche Lebensräume zu schützen.

Auch der Managementplan Vogelschutzgebiet "Kocher mit Seitentälern" liegt in seiner Endfassung vor. In diesem hat das Regierungspräsidium einen Kompromiss ausgearbeitet, der Kanufahren auf dem Kocher zulässt - allerdings in beschränkter Form. Regierungspräsident Johannes Schmalzl sagt, auf diese Weise sei die langfristige Sicherung der dortigen Eisvogelpopulation gewährleistet. Gleichzeitig sei ein vertretbares Maß an touristischer Nutzung möglich. Es sollen nicht mehr als 70 Boote am Tag auf dem Kocher unterwegs sein; als wünschenswertes, jedoch freiwilliges Ziel schlägt das Regierungspräsidium vor, nur dann Kanus auf dem Kocher fahren zu lassen, wenn der Pegel bei Kocherstetten mindestens 45 bis 50 Zentimeter hat.

Ein Pegel von 45 Zentimetern wäre im Prinzip eine Sperrung für den Kanubetrieb, sagt Hubert Wiedemann, Leiter des Umweltamtes im Haller Landratsamt. Der Kocher sei der einzige Fluss im Kreis, auf dem Kanufahren möglich ist - auf der Jagst ist das Paddeln verboten. Die Kontingentierung mit rund 70 Booten am Tag und die Pegelregelung mit 40 Zentimetern reichen nach seiner Ansicht als Schutzmaßnahme aus. So sieht es auch Stefan Thaidigsmann, Kanuverleiher aus Braunsbach. Während des Kanubetriebs auf dem Kocher habe sich die Population des Eisvogels erholt. Auch Helmut Wahl, Leiter des Tourismus im Landkreis, zeigt sich froh über die Regelung. Er weist darauf hin, dass der Kreis bereits 2007 mit den Gemeinden Braunsbach und Untermünkheim Vereinbarungen getroffen habe, um einen "naturgemäßen Tourismus" zu ermöglichen. "Es gibt feste Ein- und Ausstiege, Verhaltensregeln sind ausgeschildert, es gibt Verbotstafeln, wo ein Ein- oder Ausstieg unzulässig ist."

Bereits seit 2010 ist die Managementplanung für FFH-Gebiete im Bereich Untermünkheim-Braunsbach gültig. In dieser ist festgelegt, welche Biotope wie gepflegt werden müssen.

Wie in anderen Regionen gibt es auch im Bereich Braunsbach-Untermünkheim Differenzen zwischen Landwirten und Landschaftserhaltungsverband, der die Umsetzung des Managementplans organisieren soll. Hintergrund ist, dass die Landwirte nach der Ersterhebung der schützenswerten Gebiete vor gut zehn Jahren nicht informiert wurden, dass dort etwa Blumenwiesen extensiv bewirtschaftet werden sollten, wofür es Fördergeld gibt.

Bei der Zweiterhebung vor wenigen Jahren stellten Biologen fest, dass etliche schützenswerte Biotope nicht mehr vorhanden sind. "Vor allem dort, wo Wiesen gut mit dem Schlepper zu bewirtschaften sind, gingen Flächen verloren, auch im Kochertal", weiß Beate Leidig, Leiterin des Landschaftserhaltungsverbands. Inzwischen habe der Verband alle betroffenen Bauern informiert sowie Karten und Maßnahmepläne für deren jeweilige Grundstücke zugeschickt.

Und auch Verträge: In diesen sollen sich die Bauern auf sechs Jahre verpflichten, die Flächen extensiv zu bewirtschaften, um den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen, berichtet Leidig. Weil in dem Vertrag jedoch auch ein "Schuldeingeständnis" enthalten ist, dass nämlich die Bauern dafür verantwortlich sind, dass die Biotope zerstört wurden, unterzeichnen nur wenige Bauern die Verträge.

Der Bauernverband verhandele mit der Landesregierung, dass das Schuldeingeständnis aus dem Vertrag gestrichen wird. "Wir empfehlen, erst dann die Verträge zu unterschreiben, wenn wir sie geprüft haben", sagt Helmut Bleher, Geschäftsführer des Bauernverbands.

www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/44926/

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Personaldienstleister legen kräftig zu

Die Branche wächst auch im Raum Crailsheim kontinuierlich. Die sehr unterschiedlichen Unternehmen sind trotz schwieriger Rahmenbedingungen sehr erfolgreich. weiter lesen