Pirat wartet vergebens

Die Piratenpartei lädt nach Wolpertshausen ein - und niemand kommt. Dabei hatte sich der Direktkandidat für den Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hohenlohe für die Bürgerstunde extra Hilfe aus Heidelberg geholt.

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  • So hätte es mit interessierten Bürgern aussehen sollen: Die Piraten-Politiker Alexander Brandt (links) und Wolf Weidner geben Tipps zur Datensicherheit im Internet. Doch das Thema lässt die Wolpertshausener an diesem Tag kalt. 1/2
    So hätte es mit interessierten Bürgern aussehen sollen: Die Piraten-Politiker Alexander Brandt (links) und Wolf Weidner geben Tipps zur Datensicherheit im Internet. Doch das Thema lässt die Wolpertshausener an diesem Tag kalt. Foto: 
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Die Leute kommen und gehen, sie sitzen an Tischen und diskutieren, reden über Gott und die Welt. Es ist Mittwochnachmittag, Hochbetrieb im Regionalmarkt Wolpertshausen. In den Regalen liegt Obst und Gemüse aus der Region, in den Gängen schieben sich Menschen voran, die wissen wollen, woher ihr Essen kommt, denen Transparenz beim Essen wichtig ist.

Über den Köpfen dieser Leute sitzt Alexander Brandt. Im ersten Stock, im Raum hinten am Ende des Ganges, würde der Politiker der Piratenpartei auch gern über Transparenz reden. Darüber, dass zum Beispiel der mit Steuergeldern finanzierte Armutsbericht geschwärzt worden sei und die Bürger, obwohl sie die Finanziers sind, "künstlich unwissend gehalten werden". Brandt würde gerne über eine Politik sprechen, die "bürgernah und lobbyfrei" ist, "das ist nur mit Transparenz möglich". Ökologie, Atomkraft, Bildung, Brandt würde gern über all das reden, was die Leute ihn fragen. Er hat sich deshalb Gäste eingeladen, von denen er nicht weiß, wer sie sind und ob sie kommen. Es sind Leute, die Brandt, den Piraten-Direktkandidaten für den Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hohenlohe, bei der Bundestagswahl am 22. September wählen sollen.

Pirat bricht seine Zelte ab

Brandt hat seine anonymen Gäste ab 15 Uhr in den ersten Stock des Regionalmarkts eingeladen. Niemand kommt, um 16 Uhr nicht, um 18 Uhr nicht, um 21 Uhr ist außer zwei, drei Parteikollgen noch immer niemand gekommen. Brandt bricht seine Zelt ab. Die Leute, die im Erdgeschoss zu Obst und Gemüse laufen, interessiert der Pirat nicht. Sie gehen schnurstracks an dem Plakat vorbei, auf dem Brandt verspricht, den Leuten beim anonymen Surfen im Netz und Schreiben von verschlüsselten Mails zu helfen. Da Brandt, wie er selbst sagt, "technisch nicht so versiert ist", hat er sich Hilfe aus Heidelberg geholt: Der IT-Experte Wolf Weidner vom Piraten-Kreisverband Rhein-Neckar würde Smartphones und Laptops von Brandts Gästen sicherer machen, die Geräte besser vor Datenkontrolle schützen. Doch es kommen keine Gäste.

Dabei hätten sie viel über mehr Datensicherheit erfahren können in einer Zeit, in der Bürger gegen die digitale Überwachung durch Geheimdienste demonstrieren. Sie hätten gesagt bekommen, dass das Wichtigste an einem sicheren Passwort dessen Umfang ist. "Es sollte mindestens 20 Zeichen haben", rät Weidner, "die Länge ist entscheidend" und sei noch bedeutsamer als Zahlen oder Sonderzeichen in einem Passwort.

Wichtig sei auch, verschiedene Passwörter zu nutzen und diese nicht in einer Datei auf dem Rechner zu speichern. Es gebe verschlüsselte Passwortverwaltungsprogramme, sagt Weidner. Doch am sichersten sei das "Speichern" auf einem Notizzettel, ergänzt Brandt, der kein Smartphone besitzt und erst seit eineinhalb Jahren bei Facebook ist. Brandt nutzt auch noch Microsoft, obwohl das Unternehmen, genau wie Apple, Sicherheitslücken in sein Betriebssystem einbaue. Der Einbau dieser Hintertürchen, sagt der Pirat, werde den Firmen gesetzlich vorgeschrieben. So könnten Geheimdienste Trojaner ins Betriebssystem einbauen und die Nutzer ausspähen. Weidner empfiehlt, kein Outlook, keinen Explorer, auch keine Apple-Produkte zu verwenden, stattdessen freie Software wie Linux. Der Experte rät zu Firefox als Internetbrowser und Thunderbird als Mail-Programm. Grundsätzlich, so Weidner und Brandt, seien Mailprovider besser, die Geld kosten. Bei kostenlosen Angeboten zahle der Nutzer mit seinen Daten statt mit Geld.

Mails könnten bei Windows über das Programm GPG (www.gpg4win.de) verschlüsselt werden, auch bei "Spiegel Online" gebe es beispielsweise "viele und gute Anleitungen". Anonymes Surfen sei über die Software "Tor" möglich, die herunter geladen werden kann (www.torproject.org). "Je mehr Leute Tor nutzen, desto sicherer wird es", sagt Weidner. Er hatte sogar DVDs mit der Tor-Software im Gepäck, um sie den Leuten zu geben - wenn sie denn gekommen wären.

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Kommentare

09.08.2013 11:02 Uhr

Fehler

Hallo Steffen Herderich, vielen Dank für den Hinweis. Wir haben den Tippfehler korrigiert. Herzliche Grüße, Kathrin Schmitt, Online-Redakteurin

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08.08.2013 18:27 Uhr

Sunderbird???? Oh Gott...

Der Autor hätte es glaube ich am ehsten nötig gehabt da vorbei zu schauen?

Wie kann man nur das Mailprogramm Thunderbird als "Sunderbird" betiteln...

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