Pflanzenschutztag: Mit Köpfchen gegen Schädlinge

Pflanzenschutz wirkt gegen Unkräuter, Insekten und Pilze. Landwirte aus dem ganzen Land informierten sich über die neuesten Entwicklungen in diesen Bereichen. Das Thema "Resistenzen" stand im Zentrum.

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Ein Landwirt bringt Pflanzenschutzmittel in einem Gerstenfeld aus. Bei der Fachtagung in Wolpertshausen informierten sich 600 Bauern aus dem Land über neue Techniken. Archivfoto: dpa  Foto: 

Rund 600 Landwirte füllen die Mehrzweckhalle. Ihr Interesse ist ganz unterschiedlich. Walter Stapf aus Söllbot bei Ilshofen findet den Vortrag über den Ackerfuchsschwanz und seine Bekämpfung recht aufschlussreich. Unter dem klingenden Namen verbirgt sich nämlich ein Unkraut, besser gesagt ein "Ungras", wie sein Sohn Jan anmerkt, das sich hier in der Region in allen Kulturen breitmacht. "Wir haben mit Resistenzen des Ackerfuchsschwanzes zu kämpfen", so der Landwirtschaftsstudent. Es gebe immer weniger Wirkstoffe dagegen und die bisher wirksamen Mittel seien jetzt auf den Flächen hier verboten, schildert er. Eine Möglichkeit sei, mehr auf ackerbauliche Maßnahmen zu setzen. "Wir werden jetzt versuchen, über die Fruchtfolge den Ackerfuchsschwanz einzudämmen, indem wir mehr Mais anbauen und den Boden stärker bearbeiten. Das geht aber auch nur, wenn es nicht so trocken ist wie letztes Jahr", erklärt sein Vater.

Dieter Baumann aus Oberrot hält Milchkühe und braucht in erster Linie die Bescheinigung über die Fortbildung. "Ich bin seit 40 Jahren Landwirt und immer auf dem aktuellen Stand", sagt er. Der Ackerfuchsschwanz sei auf seinen eher sandigen Böden kein Problem. Die vorgestellten Maßnahmen zum Umweltschutz findet er größtenteils in Ordnung, etwa das Verbot von bestimmten Spritzmitteln.

Joachim Hauck, Ministerialdirigent im Landwirtschaftsministerium, hat Verständnis für Baumanns geringes Interesse: Im Futtermittelbau brauche man so gut wie keinen Pflanzenschutz, erklärt er. Er bescheinigt den Landwirten allgemein einen hohen Ausbildungsstand, der aber trotzdem regelmäßig aktualisiert werden müsse. Für eine solche Veranstaltung würden Themen ausgewählt, "wo wir sehen, dass es das eine oder andere Problem gibt", stellt er klar. Zum Beispiel gehe es um den richtigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, damit Gewässer und Grundwasser nicht beeinträchtigt werden und ein Abdriften durch Wind auf Nachbarkulturen oder nicht kultivierte Flächen verhindert wird.

Im Getreideanbau ist Pilzbefall ein großes Problem und der Einsatz passender Fungizide eine Wissenschaft für sich. Eine Herausforderung dabei ist, dass die Pilze Resistenzen gegenüber den Giften ausbilden. Ein Agrarexperte aus Bayern zeigt dazu neu entwickelte Wirkstoffe und wie durch geschickte Kombination von älteren und neuen Substanzen und dem richtigen Anwendungszeitpunkt dem Pilz der Garaus gemacht wird. Bei bestimmten Wirkstoffen sei es wichtig, eine ausreichende Menge anzuwenden, um Resistenzbildung zu vermeiden. "Wenn man wie in Norddeutschland üblich, lieber weniger und dafür mehrmals spritzt, bilden sich deutlich schneller Resistenzen aus als mit unserer Methode", stellt er fest und zeigte Untersuchungsergebnisse, dass etwa in Bayern und Baden-Württemberg pilzliche Pflanzenschädlinge langsamer Resistenzen entwickelt haben als im Norden. Immer sollten aber vor dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln acker- und pflanzenbauliche Maßnahmen stehen. Mit der richtigen Sortenwahl, dem passenden Saattermin, mit Bodenbearbeitung und einer Fruchtfolge mit Pflanzen, die kein Wirt für den Erreger sind, lasse sich viel erreichen.

Kritisch sieht ein anderer Referent die geplante neue Düngeverordnung und zwar im Zusammenhang mit Pilzbefall des Strohs nach der Getreideernte: Wenn das Stroh untergepflügt wird, wird es samt Pilz von Bodenmikroorganismen abgebaut. Das geht aber schneller und effektiver, wenn im Herbst mit Stickstoff gedüngt wird. Das wird aber in Zukunft begrenzt. Umso intensiver müsse das Stroh in den Boden eingearbeitet werden, so seine Folgerung.

Kostenlose Teilnahme

Der baden-württembergische

Pflanzenschutztag findet jedes Jahr statt. Er wird vom Landwirtschaftsministerium, dem Regierungspräsidium Stuttgart und dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg organisiert. Für die Teilnehmer ist er kostenlos. "In Bayern ist das nicht so", weiß Helmut Hessenauer, Chef des Landwirtschaftsamts in Ilshofen. Deshalb komme auch mancher Landwirt aus dem Nachbarbundesland zu der Veranstaltung.

SIBA

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