Pfarrer Andreas Kopp verlässt Döttingen

Der Umstrukturierung der Gesamtkirchengemeinde Braunsbach hat es Andreas Kopp zu verdanken, dass er zweieinhalb Jahre länger in Döttingen bleiben durfte. Begeistert hat ihn die offene Art der Menschen.

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Pfarrer Andreas Kopp und seine Frau Tabea verlassen nach fast fünf Jahren das Kochertal. Im Pfarrhaus in Döttingen, dessen Türe für die Gemeindemitglieder stets offen stand, haben sich die beiden schnell sehr wohl gefühlt. Nun verlassen sie die evangelische Gesamtkirchengemeinde Braunsbach.  Foto: 

Eigentlich ist es üblich, dass Pfarrer nach der Ausbildung die Gemeinde wechseln. In der Umbruchzeit, als die Kirchengemeinde Döttingen-Steinkirchen mit weiteren Gemeinden zur Gesamtkirchengemeinde Braunsbach fusionierte, sollte es nicht auch noch einen Pfarrerwechsel geben. Doch nun, nach fast fünf Jahren im Kochertal, müssen Kopp und seine Frau Tabea die Koffer packen. Das fällt ihnen sehr schwer: "Wir haben hier so liebe Menschen kennengelernt. Ich war beeindruckt, wie sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter, aber auch Mesner und Organisten immer fröhlich und mit einer gewissen Leichtigkeit eingebracht und sich auch auf unsere Ideen eingelassen haben", erzählt er. So gab es drei- oder viermal im Jahr etwa einen modernen Gottesdienst, den er gemeinsam mit einem ehrenamtlichen Team thematisch vorbereitet hat: "Ein großer Aufwand, aber nie unter Druck. Wir haben uns immer gesagt: Was wir schaffen, machen wir. Das galt für die Gemeinde und für mich."

Die Menschen hier suchen und helfen sich untereinander, hat Kopp festgestellt. Bei Beerdigungen sei es selbstverständlich, dass die Nachbarn den Sarg tragen und alle gemeinsam vom Trauerhaus zum Friedhof ziehen: "Das ist ein Ritual, das die Menschen trägt." Als er einen Besuchsdienst aufbauen wollte, hätten sich für so eine kleine Gemeinde unerwartet viele Menschen gefunden. Überrascht war er auch, wie schnell sich die Veeh-Harfengruppe seiner Frau entwickelt hat. "Plötzlich waren 15 Leute aus der ganzen Gesamtkirchengemeinde und sogar aus Hall dabei", erinnert er sich. Es hätte ihnen nichts besseres passieren können, als nach Döttingen geschickt zu werden, resümiert der 39-Jährige.

Funke ist übergesprungen

Die Zukunft des Ehepaars Kopp liegt in Belsen, einem noch dörflich geprägten Stadtteil von Mössingen im Landkreis Tübingen. Dieses Mal konnten sie selbst interessante Gemeinden auswählen und hatten sich einige angeschaut. Bei einem Gespräch mit dem Kirchengemeinderat in Belsen sei der Funke übergesprungen. Dort hätten sie das gleiche Gefühle gehabt wie damals, als sie das erste Mal nach Döttingen kamen - eine gewisse Herzlichkeit. "Wir haben beide das Gefühl, wir könnten dort unseren Platz finden", meint der evangelische Seelsorger zuversichtlich.

In Döttingen, wo Andreas Kopp als Pfarrer in Ausbildung von Anfang an verantwortlich für die Gemeinde war, hatte sich das Paar, das damals noch nicht verheiratet war, schnell eingelebt. Vielleicht habe dazu auch ein besonderer Gottesdienst beigetragen: "Es war am Gründonnerstag und für mich das erste Abendmahl in der Gemeinde, entsprechend aufgeregt war ich", erinnert sich Kopp. Ihm seien immer wieder kleine Fehler unterlaufen - trotz des Ringbuchs als Gedankenstütze. Das musste er allerdings hinter sich liegen lassen, als er in der einen Hand den Kelch und in der anderen das Brot hielt. Noch nervöser habe er sich dann dermaßen versprochen: "Statt ,ein Stück Brot und ein Schluck Wein ist mir ,ein Schluck Schwein rausgerutscht. Ich habe mich tausendmal verbessert und die Gemeinde wollte schier platzen vor unterdrücktem Lachen", erzählt er. Als er dann in die Sakristei kam und der Mesnerin gegenüber stand, hätten sie beide so lachen müssen. Die Gemeinde habe das gehört und befreit schallend mitgelacht. Es sei eben eine "fehlerfreundliche" Gemeinde gewesen, die ein fröhliches Christsein gelebt hat, sagt er rückblickend.

Er hoffe, dass ihm auch die neue Gemeinde keine Fehler nachtrage. "Fehler sind doch eine Chance, sich weiterzuentwickeln", sagt Andreas Kopp und macht sich mit seiner Frau auf zum Abschiedsfrühstück mit seinem Konfirmandenhelferteam.

Info Beim gemeinsamen Gottesdienst am Ostersonntag wird Pfarrer Andreas Kopp von der Gesamtkirchengemeinde verabschiedet. Der Gottesdienst beginnt um 10 Uhr in der Burgenlandhalle in Braunsbach. Im Anschluss gibt es einen Stehempfang mit Grußworten.

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