Pete Seegers Wurzeln im Schlössle

Der Folksänger Pete Seeger, Vorbild dreier Musikergenerationen, ist am 27. Januar im Alter von 94 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus gestorben. Seine Vorfahren kamen aus Mainhardt.

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Die legendären Protest- und Folksänger Joan Baez und Pete Seeger () im September 1976 während eines Benefiz-Konzerts im New Yorker Madison Square Garden. Die beiden engagierten sich damit für die Menschenrechte in Chile. Archivfoto: dpa

In den 1930er-Jahren reiste Pete Seeger mit Woody Guthrie als Liedermacher durch die Vereinigten Staaten. In den 40er Jahren gründete er die "Almanac Singers", später die "Weavers". 1945 entstand unter Pete Seegers Mitwirkung das Lied der Protestbewegung "We shall overcome", und 1949 schrieb er gemeinsam mit Lee Hays den Song "If I had a hammer", der vom vehementen Einsatz für Gerechtigkeit, Freiheit und Liebe zwischen allen Menschen handelt. Das berühmteste Antikriegs-Lied aller Zeiten "Where have all the flowers gone" ("Sag mir, wo die Blumen sind") hat Pete Seeger 1955 geschrieben.

In den 50er-Jahren geriet er in die Fänge des "Komitees für unamerikanische Umtriebe". Damals herrschte in den USA eine geradezu hysterische Angst vor kommunistischer Unterwanderung, die als "McCarthy-Ära" in die Geschichte einging. Er saß ein Jahr im Gefängnis. Die Lieder von Pete Seeger durften über 15 Jahre nicht in amerikanischen Medien gesendet werden.

In den 60er-Jahren wurde er neben Martin Luther King und Joan Baez zu einer der Symbolfiguren der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, die durch den Vietnamkrieg enormen Auftrieb erfuhr. Bekannte Künstler wie Bob Dylan, Bruce Springsteen, Kris Kristofferson und Richie Havens sahen Pete Seeger als Vorbild an und spielten seine Songs nach.

1986 kam Pete Seeger mit seiner Frau Toshi nach Stuttgart, um Spuren seiner deutschen Vorfahren zu suchen. Im Hauptstaatsarchiv Stuttgart wurden ihnen etliche Dokumente aus der Zeit von Karl Ludwig Seeger gezeigt. Vom Geburtshaus seines Vorfahren in Mainhardt erfuhren sie aber nichts.

Dies holte der Mainhardter Hobby-Historiker Hermann Pasler 1996 in einem Briefwechsel mit Pete Seeger nach. Daraus stammt folgendes Zitat von Seeger: "Wenn ich eine Zeitmaschine hätte, würde ich zurück zu meinem Ururgroßvater Karl-Ludwig gehen und ihm sagen: Wenn zu viele demokratisch gesinnte Menschen Deutschland verlassen, dann wird eines Tages ein verrückter Diktator das Land übernehmen und jeden einsperren, der sich gegen ihn ausspricht. Bleib in Deutschland!". Am 18. Januar 2009 gehörte Seeger zu den Musikern, die beim Konzert zur Amtseinführung des US-Präsidenten Barack Obama in Washington vor dem Lincoln Memorial spielten.

Die Familiengeschichte der Seegers begann am 10. April 1763 im fürstlichen Schlössle in Mainhardt. Da ward Karl Ludwig Seeger geboren. Sein Vater war hohenlohisch-bartensteinischer Amtmann und Rat in Mainhardt. Weil Mutter und Vater früh starben, wuchsen Karl Ludwig und sein älterer Bruder bei der Großmutter in Großbottwar auf und besuchten die Lateinschule.

Karl Ludwig studierte Medizin und schließt das Studium 1786 mit dem Doktortitel ab. In Deutschland hielt es ihn nicht. Heimlich verließ er Stuttgart und reiste nach Amsterdam, um sich auf ein Schiff nach Amerika zu begeben. 133 Jahre oder vier Generationen später wurde Karl Ludwigs Ururenkel Peter Seeger am 3. Mai 1919 in New York in eine pazifistisch gesinnte Musikerfamilie geboren.

Info Den Text hat Torsten Pasler verfasst. Er ist Textilkaufmann, Limes-Cicerone und betreut ehrenamtlich das Römer-Museum in Mainhardt. Auf YouTube sind Mitschnitte von Pete Seeger zu finden.

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