Orgel, Fußball und Feuer Fest in Bächlingen gelungener "Akkord"

Es war schon ein ziemlich gewagtes Vorhaben der Kirchengemeinde Bächlingen: Den Wohlklang einer Orgel, das Brausen eines Fußballstadions, die Stille der Kunst und das Knistern eines Sonnwendfeuers in einem gelungenen "Akkord" zu einem Gemeindefest zusammenzufassen.

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Virtuos an der Trefz-Orgel: Roland Gäfgen intoniert die Bachschen Goldberg-Variationen. Foto: Manfred Mühlenstedt

Am vergangenen Samstag wagte die Kirchengemeinde Bächlingen diesen Versuch - und er gelang.

Der Abend begann mit einem Orgelkonzert in der Johanneskirche, danach projizierte der CVJM Langenburg das Deutschlandspiel auf eine Großleinwand unter den Linden an der Jagst, zwischendurch konnten Bleistiftzeichnungen und Aquarelle vom Jagsttal bewundert werden, und zum guten Schluss prasselte das Sonnwendfeuer.

Ziemlich komplizierte Akkorde leiteten den Abend ein. Die "Goldberg-Variationen" hat Johann Sebastian Bach im Jahr 1741 veröffentlicht. Ihren Namen sollen sie nach dem hochbegabten Cembalisten Johann Gottlieb Goldberg erhalten haben, der für seinen Grafen "einige Clavierstücke" brauchte, "die so sanften und etwas munteren Charakter haben sollten, dass der Graf dadurch in seinen schlaflosen Nächten etwas aufgeheitert werden könnte." Bach machte aus diesen Klavier-Übungen ein Werk, das zum Höhepunkt der barocken Variationskunst gerechnet wird.

An der Bächlinger Orgel musizierte der Kantor und Organist Roland Gäfgen aus Renningen. Er ist nicht nur ein Freund des Orgelbaumeisters Tilman Trefz, der die Bächlinger Orgel schuf, er ist auch ein begeisterter Freund des Jagsttales, das er mit Zeichenstift und Palette porträtiert. Das Konzert war für ihn eine Herausforderung. Nicht nur, dass Bach keine Gnade kannte, was die Virtuosität der Ausführenden betraf, die Variationen sind zudem für ein zwei-manualiges Instrument geschrieben, sodass der Künstler zwischen zwei Tastaturen wechseln muss. Die Bächlinger Orgel aber hat nur eine Tastatur. Roland Gäfgen meisterte diese Herausforderung mit Bravour. Bach hat in seinen 30 Variationen alles verbaut, was einem Organisten den Schweiß auf die Stirn treibt. Dazu gehören nicht nur die schnellen Läufe, dazu gehört auch das Überschlagen und das Kreuzen der Hände, was schon zu Bachs Zeiten eine "sehr eingerissene Hexerey" genannt wurde. In Bächlingen bewältigte Roland Gäfgen diese "Hexerei" mit einer sprachlos machenden Virtuosität.

So konnten die Zuhörer sich an den Bachschen Variationen einfach ergötzen. Selbst auf Laien, die von der Bachschen Genialität nicht allzu viel Ahnung haben, denen die Feinheiten von Fundamentalnoten, Kadenzen, Harmonie- und Bassgerüsten fremd sind, wirkte das Orgelkonzert wie vor 250 Jahren von Bach gewollt: mal sanft, mal fröhlich, mal munter, mal beruhigend. Roland Gäfgen wurde dem Altmeister gerecht. Er brachte die Bächlinger Orgel zum "Singen". Als ihm zum Schluss dieses Kompliment gemacht wurde, meint er nur: "Das mag sein, aber nur weil sie auch singen kann." Pfarrer Herrmann, auf dessen Mit-Initiative dieser Abend zurückging, fand die richtigen Segensworte zum Schluss, dann verfügte sich die Mehrheit des Publikums an die Jagst, wo kurz darauf der Anpfiff Deutschland gegen Ghana zu verfolgen war.

Aber zuvor galt es noch einige Exponate zu betrachten, Bleistiftzeichnungen und Aquarelle mit Motiven aus dem mittleren Jagsttal. Der Organist hat nämlich nicht nur virtuose Pianistenfinger, er kann auch Pinsel und Bleistift führen. Seine Bilder fanden viel Anklang.

Der Rest des Abends, die "Schlussakkorde" sozusagen, sind schnell erzählt: Also, hätten die deutschen Kicker ihre Gegner so professionell "gegrillt" wie Frieder Ehrmann seine Steaks, wärs nicht beim 2:2 geblieben. Will heißen: Unter den Linden war die Stimmung super, die Verpflegung hervorragend, das Bier süffig und das Unentschieden damit verkraftbar. Mehr als 200 Fans können dies bestätigen. Zu später Stunde entzündete Friedrich Hornung das Sonnwendfeuer, das er mithilfe von Armin Fernsler aufgeschichtet hatte.

So philosophierten zu später Stunde die letzten "Feuerwächter", die den gesamten Bächlinger "Akkord" miterlebt hatten, über ein ganz wesentliches Thema: "Wenn der Bach heut leben tät, der hätt jedenfalls a gscheite WM-Hymne zsammebrocht". So können Bachs Goldberg Variationen nachklingen.

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