Oliver Grau ist Rektor in Rot am See und blickt zuversichtlich in Zukunft des Lernens

Bekommt Rot am See eine Gemeinschaftsschule? Im Februar entscheidet das Kultusministerium. Rektor Oliver Grau blickt ebenso gespannt wie entspannt voraus: Man gehe so oder so einen neuen Weg.

|

Schon Anfang 2012 haben Gesamtlehrerkonferenz, Schulkonferenz und Gemeinderat Rot am See jeweils einstimmig beschlossen, die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule anzustreben. "Spätestens dann haben wir uns auf den Weg gemacht", sagt Schulleiter Oliver Grau. Will heißen: "Viele Dinge, die die Gemeinschaftsschule fordert, haben wir schon."

Da ist zum Beispiel der Ganztagesbetrieb zu nennen, der zwar bisher noch "offen" - also freiwillig - ist, aber schon von mehr als 90 Prozent der Fünft- und Sechstklässler in Anspruch genommen wird. Oder das Großkonzept Konfliktkultur, zum Beispiel mit Streitschlichter-Ausbildung. Außerdem sind vier Tage in der Woche Berufseinstiegsbegleiter der Agentur für Arbeit an der Schule.

Und auch das Kernanliegen der neuen Schulform - individuelles Lernen - findet in Rot am See schon statt. Die Klassen 5 und 6 bestreiten einige Stunden in der Woche ganz ohne Frontalunterricht. Im Falle eines positiven Antrags würde diese Form des Lehrens und Lernens weiter ausgebaut. Gemeinschaftsschule hieße außerdem, dass nicht mehr der Bildungsplan der Werkrealschule Bezugsrahmen ist, sondern die Bildungspläne von Haupt- und Realschule sowie des Gymnasiums - je nach Schüler, je nach Fach. Alle Abschlüsse sind dann theoretisch möglich. Ein Abitur in Rot am See wird es dennoch nicht so schnell geben: Dazu wären mindestens 60 Schüler nach Klasse 10 vonnöten.

Für Rektor Grau übrigens ist die "Standortsicherung nicht das Zentrale", wenn es um die Gemeinschaftsschule geht. "Ziel ist eine neue Lernkultur." Und diese beschreibt er so: "Jeder Schüler wird da abgeholt, wo er steht." So soll es beispielsweise möglich sein, etwa in Mathe auf höherem Niveau zu lernen, während in Deutsch noch an Grundlagen gefeilt wird. Über den aktuellen Stand des Schülers gibt es regelmäßige Rückmeldungen.

Man werde die neuen Strukturen nicht von jetzt auf gleich "aus dem Boden stampfen", versichert Grau. Das Ganze sei ein Prozess hin zu einer anderen Art von Schule. "Es ist unvorstellbar", sagt der Schulleiter. "Aber es läuft." Die bisherigen Erfahrungen seien gut: "Die Kinder gehen mit Freude ran, sie sind motivierter, ihre Leistungen werden immer besser."

Wettbewerb zwischen den Schulen ist größer geworden

Und wenn es nichts wird mit der Gemeinschaftsschule in Rot am See? "Dann würde das für uns im Alltag nicht viel bedeuten. Wir würden unser Konzept weiterführen." Seit die Schulbezirke aufgelöst sind, ist der Wettbewerb zwischen den Lehranstalten viel größer geworden. Durch den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung hat er sich noch einmal intensiviert. Und dann ist da ja noch der demografische Wandel: Immer weniger Schüler sind zu verteilen. "Jede Schule muss sich auf den Weg machen", ist Grau sicher. "Man muss mit der Zeit gehen."

Gezählt sind die Tage der Schulen als geschlossene Systeme, als Elfenbeintürmchen quasi. "Heute läuft nichts mehr ohne die Eltern und Menschen, die der Schule wohlgesonnen sind " - und die bei der Betreuung mithelfen. "Die Schule wird sich öffnen." Grau geht nicht als Bedenkenträger in diese neue schulische Zukunft. Er ist überzeugt: "Das ist eine Chance für die Kinder."

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Dauerbaustelle Kirche

Kirchen: Reformation ist immer. Deshalb sollen die Luther'schen These fortgeschrieben werden, und zwar an einem Bauzaun vor der Johanneskirche. weiter lesen