Offen sein für kleine Zeichen im Alltag

Gedanken zu Dreikönig von Pastoralreferent Wolfram Rösch aus Schwäbisch Hall

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Im letzten Jahr hatte uns das Geocaching-Fieber gepackt. Wir haben uns angemeldet, und schon konnte die moderne Form der Schnitzeljagd losgehen. Die Karte im Internet zeigte, dass es in der Umgebung viele Verstecke, Caches genannt, gibt. Sie sind auf der elektronischen Landkarte als kleine Punkte verzeichnet, manchmal mit einem Hinweis ergänzt. Ein Handy, das die aktuelle Position angeben kann, hilft bei der Suche. Lange dauerte es nicht, bis wir einen Schatz unter einer Brücke fanden. Wir trugen uns ins Logbuch ein und legten den Cache wieder zurück. Bereit für die nächsten Schatzsucher.

Was heute ein Punkt in der elektronischen Landkarte ist, war bei Jesus ein Stern. Damals, so erzählt es das Matthäus-Evangelium, waren Menschen unterwegs, um ihren Schatz zu finden. Bekannt sind sie uns als die Heiligen Drei Könige. Ganz anders dagegen die einheimischen Frommen: Sie waren taub für die alten Überlieferungen. Zwar kannten sie die Schrift haargenau, aber es gelang ihnen nicht, die alten Worte zu verstehen. Sowohl die Hoffnung, von der da die Rede ist, als auch die Begeisterung der Sterndeuter für den neuen König ließ sie kalt. Die Fremden erreichten ihr Ziel in Bethlehem und erfuhren, dass alle eingeladen sind, das Heil zu erfahren. Grenzen, Mauern, Religionen zählen nicht mehr. Denn jeder gehört zur neuen Familie der Gotteskinder.

Der Weg dahin war für sie nicht immer einfach. Wie im Geocaching. Den ersten Cache hätten wir fast übersehen. "Da ist nur ein Elektro-Teil", sagte mein Sohn. Aber umso erstaunter waren wir, dass die Plastikdose eben der Schatz war. Ein Magnet hielt sie am Eisenträger fest. Oft entpuppt sich auch ein loser Stein oder ein Astloch als der Ort, wo der Schatz verborgen ist.

Im Glauben ist das nicht anders. Auf einmal werden ganz banale Dinge Zeichen der Nähe Gottes. Den Sterndeutern ging es so. Ein Sternbild wurde auf einmal durchsichtig auf eine andere Wirklichkeit. Gott teilt sich uns vielfältig mit, sei es durch Worte in der Schrift oder Zeichen am Himmel.

Eines dürfen wir allerdings nicht machen: sitzen bleiben und festklammern an noch so guten Wahrheiten, die uns aber unbeweglich machen. Es ist ein Wagnis, wenn man sich auf den Weg macht. Das kleine Licht über Bethlehem ist damals zum Symbol geworden, das zum Heil führt. Solche Zeichen gibt es immer wieder, mitten im Alltag, mitten im Leben. Aber man muss offen sein und die Wirklichkeit so deuten, dass einem selbst und anderen hin und wieder ein Licht aufgeht.

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