Noch kein Urteil in der "Bitumen-Affäre"

Im Zivilprozess um die Fichtenauer "Bitumen-Affäre" wurde gestern vom Amtsgericht in Crailsheim noch kein Urteil gefällt. Stattdessen soll erst einmal ein Gutachter einschlägige Fragen klären.

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Der Zivilprozess um die Straße in Fichtenau (Bild) geht jetzt in die nächste Runde. Foto: Sebastian Unbehauen

Im Winter 2010/2011 war es für die Mitarbeiter von regionalen Autowaschanlagen keinerlei Problem, Bürger aus Fichtenau allein schon mit einem Blick auf das "heilige Blechle" zu erkennen.

Zuhauf tauchten nämlich Autobesitzer aus der "Wäldergemeinde" bei den hiesigen Reinigungsfirmen auf und barmten über potthässliche "Sommersprossen" auf ihrem heiligen Blechle, die sich massenweise über den Lack der Karossen verteilten.

Über die Herkunft der Flecken bestand indes kein Zweifel: Rund 1000 Autofahrer sollen es gewesen sein, die wohl ab Dezember 2010 mit dem neuen Straßenbelag auf der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Unterdeufstetten und Wildenstein unliebsame Bekanntschaft gemacht haben.

Bitumen-Bröckchen hatten sich seinerzeit von der Fahrbahn gelöst und blieben hartnäckig auf dem Autoblech haften.

Strittig dagegen ist bis heute, wer für den Schaden (sprich: Reinigung der Autos) aufkommen soll. Nach einem monatelangen, mit allerlei juristischen Waffen geführten Kleinkrieg zwischen der Gemeinde Fichtenau und der Baufirma Liesen aus dem niedersächsischen Lingen um die Regulierung der Lackschäden hatte der Unternehmer, Gemeinderat und mit seinem familiären Fuhrpark ebenfalls mehrfach betroffene Herbert Kaspar die Nase gestrichen voll - und verklagte erst einmal die Baufirma auf Schadenersatz (das HT berichtete).

Der Crailsheimer Amtsgerichtsdirektor Schiele fällte gestern aber keine Entscheidung darüber, wer nun in Sachen "Bitumen -Affäre" sozusagen geteert und gefedert werden soll.

Der Richter machte aber keinen Hehl daraus, dass seiner Ansicht nach nicht nur für eine Kommune, sondern sehr wohl auch für eine Baufirma eine Verkehrssicherungspflicht bestehen könne, die auch mit der Freigabe einer Strecke nicht ende - wenn nämlich für das Unternehmen erkennbar war, dass Mängel und damit "Gefahren für das Eigentum" bestehen, wie es auf Juristendeutsch heißt. Spätestens ab diesem Zeitpunkt könne auch eine Haftung der Firma eintreten.

Ab wann der Firma jene Mängel bekannt gewesen sein könnten, soll jetzt ein Gutachter aus Stuttgart klären. Der Richter rechnet damit, dass die Expertise frühestens in drei bis vier Monaten vorliegt. Die Gemeinde Fichtenau ist dem Klageverfahren mittlerweile beigetreten.

Erste Beschwerden über die Flecken gingen schon am 23. Dezember 2010 auf dem Rathaus in Wildenstein ein. Nach diversen Schilder-Lösungen wurde die Straße aber erst am 17. Januar 2011 gesperrt.

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