Noch-Ehemann fühlt sich verfolgt

Nur auf 100 Meter darf sich eine 45-jährige Hausfrau und Mutter ihrem Noch-Ehemann nähern. Sie hält sich aber nicht daran und kassiert deswegen vom Haller Amtsgericht eine Geldstrafe in Höhe von 225 Euro.

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Wie ein Wasserfall redet die kleine, korpulente Angeklagte im Schwäbisch Haller Gerichtssaal und klagt dabei über ihren vermeintlich unehrlichen Noch-Ehemann. Bevor sie geschieden werden soll, möchte die Frau beweisen, dass ihr Mann mit seinem Betrieb mehr verdient, als er offiziell angibt. Sie nennt ihn nicht nur "Vergewaltiger", sie nennt ihn auch "Schwarzarbeiter", was in ihren Augen möglicherweise auch noch eine Steigerung des Bösen darstellt.

Angeklagt ist sie wegen "Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz". Ein solcher Vorwurf trifft gewöhnlich Männer und nicht Frauen. Per gerichtlicher Anordnung wird den Männern untersagt, sich ihren Ex-Partnerinnen auf eine bestimmte Distanz zu nähern. Anders in diesem jetzt verhandelten Fall: Hier will das Haller Amtsgericht mit seiner Anordnung den 47-jährigen Ehemann vor seiner offenbar rabiaten Frau schützen.

"Diese Jacke ist auch schwarz bezahlt!", ruft die beschuldigte mehrfache Mutter, als ihr Ehemann als Zeuge in einer Winterjacke den Gerichtssaal betritt. Erbost und eifersüchtig führt sie an, dass ihr Mann seiner Freundin im Lokal die Pizza bezahle. Sie selbst, so die 45-Jährige, lebe schließlich unter dem Hartz-IV-Satz und habe Anspruch auf mehr Unterhalt. Dass sie ihren Ehemann in einer Gaildorfer Pizzeria einmal lauthals "Arschloch" genannt hat, bleibt in der Verhandlung unbewiesen.

Der geplagte Mann jedenfalls spricht von "Non-Stop-Verfolgungen". Der Zeuge: "Sie schreit die ganze Straße zusammen!" Ähnliches berichtet seine 42-jährige Freundin. Sie ist blond wie die Angeklagte, wirkt aber ungleich eleganter. "Das ist Rufmord!", beklagt sie sich. Nach ihrem Zeugenauftritt demonstriert sie auffällig ihre gegenwärtige Liebesbeziehung und gibt dem Ehemann der Angeklagten in der ersten Zuhörerreihe einen zärtlichen Kuss.

Die Angeklagte aber beißt sich am Thema Schwarzarbeit fest. "Ich schwöre es bei Eid", beteuert sie und bezeichnet sich selbst als Opfer. Mit ihrem Wortschwall kann sie aber das Gericht offensichtlich nicht überzeugen. Es sieht klare fünf Fälle, bei denen sich die 45-Jährige nicht an das 100-Meter-Annäherungsverbot gehalten hat.

Der junge Staatsanwalt Philipp Kamm fordert eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 15 Euro ( 900 Euro). Richter Jens Brunkhorst entscheidet aber milder und verhängt nur 15 Tagessätze zu 15 Euro, also 225 Euro.

Deutlich kommentiert die Angeklagte das Urteil: "Ich bin nicht einverstanden!" Bis "ans Oberlandesgericht" will sie gehen. Bevor das Oberlandesgericht aber entscheidet, wird das Haller Amtsgericht sein verhängtes Annäherungsverbot vermutlich verlängert haben.

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