Nicht jedes Vergessen ist Demenz Pflegeexpertin Regine Hammer klärt über das Wesen der Krankheit auf

2500 Menschen im Kreis Hall leiden unter Demenz. 140000 sind es in ganz Baden-Württemberg. Die Behauptung, Demenz entwickle sich zur Volkskrankheit Nummer eins, sei nicht verkehrt, so Regine Hammer.

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Ein fortgeschrittenes Alter sei Hauptrisikofaktor, an Demenz zu erkranken, erklärt die Krankenschwester und Pflegeexpertin für Menschen mit Demenz. Im Jahr 2050 werde jeder Dritte über 63 Jahren betroffen sein. Was früher unter Arterienverkalkung oder Altersverwirrtheit bekannt war, treffe heute immer mehr Menschen, weil viele ein höheres Alter erreichen, sagt sie bei der Veranstaltung in der voll besetzten Mainhardter Waldhalle.

Daher dürfe die Erkrankung nicht länger ein Tabuthema sein. Im Gegenteil gehe es darum, die bestehende Ratlosigkeit abzubauen, demenzkranke Menschen in den Alltag zu integrieren. Regine Hammer: "Was spricht dagegen, mit dem Nachbarn, der von seiner Frau seit Jahren gepflegt wird, einmal spazieren zu gehen, damit sie in Ruhe einen Kaffee trinken oder einfach etwas schlafen kann?"

Bürgerliches Engagement sei gefragt, appelliert auch der Mainhardter Bürgermeister Damian Komor. "Jeder von uns vergisst einmal etwas. Doch wo liegen die Grenzen?" Das fragt Regine Hammer in die Runde. Wer gelegentlich nebensächliche Dinge wie den Namen des alten Mathelehrers vergesse, müsse sich nicht sorgen. Doch wenn sehr regelmäßig wichtige Dinge des Alltags an untypischen Orten liegen blieben, wichtige Lebensdaten oder Begriffe vergessen würden, dann wäre der Gang zum Hausarzt ratsam, so die Expertin. Dieser führt zunächst Standardtests durch und überweist bei bestehendem Verdacht an einen Neurologen.

Typisch für den Verlauf einer Demenz sei, dass zuletzt Erlebtes zuerst vergessen wird, so die Referentin. Es folgten das Wissen um den eigenen Beruf, die Kinder und die Heirat. Es gehe zunächst die tageszeitliche, dann die jahreszeitliche Orientierung verloren. Von 70 Demenzformen, oft gemischt auftretend, sei Alzheimer Demenz die häufigste.

Regine Hammer ermutigt ihre Zuhörer, vorsorglich ein abwechslungsreiches, erfülltes Leben zu führen, sich vitaminreich zu ernähren und ausreichend zu bewegen. Sie fordert eine bessere Entlastung pflegender Angehöriger, appelliert auch an die Politik. Die Belastung einer solchen Pflege sei "enorm hoch", weiß Regine Hammer. Sie rät, sich an ambulante Dienste, Betreuungsgruppen oder eine Tagespflegeeinrichtung zu wenden.

Unter Demenz leidende Menschen gehörten aber auch in unsere Mitte, denn sie seien Teil unseres Lebens. Dies wurde in der Diskussion nochmals deutlich. Viele ältere Menschen waren gekommen, aber auch sich sorgende Angehörige, die Anzeichen der Krankheit bei einem ihrer Verwandten wahrnehmen.

Als Damian Komor 2012 von der geplanten Demenz-Kampagne im Landkreis erfuhr, holte er die drei Einrichtungen seiner Gemeinde, die pflegebedürftige Menschen betreuen, an einen Tisch. Dabei entstand die Idee, zwei aufeinander folgende Veranstaltungen zum Thema auf die Beine zu stellen. Am 21. März folgt eine Podiumsdiskussion zum Umgang mit Demenz mit Regine Hammer sowie Fachkräften verschiedener Einrichtungen. Sie wird, ebenfalls in der Waldhalle, von Harald Holz vom SWR moderiert.

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