Neujahrsempfang: Regierung hört nicht wirklich zu

Bürgermeister zu sein, ist für Robert Fischer eine erfüllende Aufgabe, lässt ihm manchmal aber auch die Zornesader schwellen. So geschehen am Sonntag beim Neujahrsempfang der Gemeinde Kreßberg.

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Die Schulpolitik des Landes ist für Robert Fischer ein rotes Tuch. Liebend gerne hätte er Sonntagvormittag beim Neujahrsempfang im Rathaus Abgeordneten erklärt, warum das so ist. Nur: Kein einziger Parlamentarier aus Bund und Land hatte den Weg nach Waldtann gefunden, was ihn zu folgender ironischer Anmerkung veranlasste: "Schön, dass Sie alle nicht gekommen sind, so sparen wir Zeit bei der Begrüßung." Natürlich war allen (zahlreich) Anwesenden klar, dass der Bürgermeister liebend gerne den einen oder anderen Abgeordneten begrüßt hätte.

Umso mehr freute sich Fischer über die vielen Jugendlichen, die gekommen waren. Jedes Jahr lädt er den vor der Volljährigkeit stehenden Jahrgang ein, jedes Mal ermuntert er die jungen Männer und Frauen, sich aktiv für das Gemeinwohl einzusetzen. Fischer wörtlich: "Mischen Sie sich ein, gestalten Sie mit!" Dieser Appell war im Übrigen nicht nur an die Jugendlichen gerichtet. Weil Fischer immer mehr befürchtet, "dass unsere gewählten Vertreter (. . .) Entscheidungen zum Nachteil unseres Landes treffen", müsse man den Politikern genauer auf die Finger schauen. Fischer forderte die Bürgerinnen und Bürger auf, sich intensiver mit Politik, mit der Entwicklung des Gemeinwesens zu beschäftigen.

Der Kreßberger Bürgermeister hatte auch gleich einen Ratschlag, wie die Menschen das zu machen haben: "Alles, was wir nicht verstehen, ist nicht zu kompliziert oder komplex, sondern schlicht und einfach abzulehnen." Seine Empfehlung: "Einfach den gesunden Menschenverstand anwenden."

Fischers kritische Haltung zur Landespolitik hat viel mit grün-roter Schulpolitik zu tun. Da habe Ministerpräsident Winfried Kretschmann eine "Politik des Gehörtwerdens" versprochen, doch praktiziert werde das Gegenteil: "Zuerst wird entschieden, dann so getan, als höre man zu, und die Prüfung erübrigt sich dann."

Erlebt haben will das der Bürgermeister beim Versuch, in Kreßberg eine Gemeinschaftsschule einzurichten. Was er bei der Antragsbearbeitung erlebte, hat ihn "granatenmäßig geärgert und schockiert". Beim ersten Versuch im vorletzten Jahr sei dem Rektor die Genehmigung signalisiert, dann aber "in letzter Minute" versagt worden. Bei diesem Versuch habe es bedauerlicherweise keinerlei Unterstützung durch Abgeordnete gegeben.

Im vergangenen Jahr wurde der zweite Antrag gestellt. Und schon wieder musste sich Fischer ärgern, weil ihm das Schulamt zu verstehen gab, dass es nicht mit einem Antrag aus Kreßberg gerechnet habe. Dann kamen die Prüfer und es gab lobende Worte für die Arbeit der Schule. Doch "der Hammer" (Fischer) folgte schnell: Das Schulamt empfiehlt die Einrichtung frühestens zum Schuljahr 2014/15.

Wenn es auch in diesem Jahr keine Zusage gibt, verringern sich nach Einschätzung des Bürgermeisters die Chancen auf den Erhalt der Kreßberger Schule immer mehr. "Wollen wir das", fragte Fischer seine Zuhörer und bekräftigte: "Wir wollen Gemeinschaftsschule werden!" Doch Fischer ist lange genug Bürgermeister, um zu wissen, dass die Chancen nicht gut sind.

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