Neuer Chef der Blaufeldener Bauern - Blick über den Tellerrand

Die Betriebe sind modernisiert, nun brechen für die Interessenvertretung der Landwirte neue Zeiten an. Der Vorsitzende Rainer Vogt will mit dem Ortsbauernverband Blaufelden für positive Schlagzeilen sorgen.

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  • Neben der Arbeit im Stall und im Büro investiert Rainer Vogt aus Blaubach viel Zeit in die Verbandsarbeit. Der neue Vorsitzende des Ortsbauernverbands Blaufelden hat sich viel vorgenommen. Foto: Christine Hofmann 1/2
    Neben der Arbeit im Stall und im Büro investiert Rainer Vogt aus Blaubach viel Zeit in die Verbandsarbeit. Der neue Vorsitzende des Ortsbauernverbands Blaufelden hat sich viel vorgenommen. Foto: Christine Hofmann
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"Wir sind nicht allein auf dieser Welt", sagt Rainer Vogt, "nicht in der Bevölkerung, nicht mit dem Verband und schon gar nicht in Europa. Deshalb müssen wir stets versuchen, Kompromisse zu finden." Mit dieser Überzeugung hat sich der Landwirt aus Blaubach zum Vorsitzenden des Ortsbauernverbands Blaufelden wählen lassen. Wie ihm das gelingen soll? "Wir müssen miteinander kommunizieren", sagt der 43-Jährige. In den Versammlungen der Landwirte will er dafür eintreten, Probleme anzusprechen, Lösungen zu suchen und Themen zu bündeln. Und: Er will die Sinne schärfen für die großen Zusammenhänge und den Blick über den Tellerrand.

Durch seine Mitgliedschaft im Gesamtvorstand des Bauernverbands Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems hat Rainer Vogt nicht nur die Interessen der Landwirte vor Ort im Auge, sondern er schaut auch auf die Region und die europäische Agrarpolitik. "Gerade auf EU-Ebene ist es elementar wichtig, dass wir als Bauernverband und Berufsstand geschlossen auftreten, mit sachlichen und realistischen Vorschlägen und Argumenten auf die Kommissare zugehen und dann auf Augenhöhe verhandeln", ist der Agrarbetriebswirt überzeugt. Vielen Landwirten sei nicht klar, wie die Entscheidungsprozesse entstünden.

Eine Einigung zwischen EU-Kommission und Agrarministern reicht seit dem Lissabon-Vertrag nicht mehr aus. Heute müssen EU-Parlament und -Rat ebenfalls ihre Zustimmung zu neuen Gesetzen geben. "Da ist es nicht leicht, baden-württembergische Interessen durchzubringen, weil natürlich viele andere Länder ebenfalls ihre Ideen umsetzen wollen. Deshalb müssen Allianzen gebildet werden - was ohne Kompromisse natürlich nicht geht", erklärt der Landwirt aus Blaubach, der 2002 den elterlichen Hof übernommen hat. Fünf Jahre später hat er den Betrieb auf reine Schweinemast umgestellt. Im Außenbereich baute er einen modernen Schweinestall, in dem tausend Tiere Platz haben.

Rainer Vogt besuchte nach der landwirtschaftlichen Ausbildung die Fachschule für Agrarwirtschaft in Düren. Die Landwirtschaft war schon immer sein Traumberuf. "Mir gefällt die unternehmerische Freiheit und dass man als Landwirt seine eigenen Visionen umsetzen kann. In vielen Berufen fängt das Leben erst nach Feierabend an. Das ist bei mir anders", erzählt der 43-Jährige.

Allerdings müsse man diesen Beruf mit ganzem Herzen machen. "Die modernen Betriebe bringen uns heute mehr Flexibilität. Da gibt es auch mal ein freies Wochenende und Urlaub", berichtet der Ortsverbandsvorsitzende und spielt auf den Wandel in seinem Berufsstand an: "Es hat noch keine Generation geschafft wie die vorige. Das hats noch nie gegeben."

Die großen Themen, die die Arbeit im Bauernverband jetzt und in Zukunft bestimmen, sind Tierschutz, Subventions- und Prämienpolitik und die Lebensmittelskandale, die derzeit die Medien dominieren. "Wir Landwirte müssen uns besser verkaufen. Wir machen wirklich einen guten Job, nur weiß das kaum einer", sagt der ledige Bauer. Dabei appelliert er an die 163 Ortsverbandsmitglieder, nicht Einzelkämpfer auf dem eigenen Hof zu sein, sondern aufeinander zuzugehen und sich auszutauschen. "Daheim ,bruddle bringt gar nichts. Wir müssen uns treffen und drüber schwätzen. Und dann mit einer Stimme sprechen."

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